15. September 2018 | Meisterfeier der Handwerkskammer zu Leipzig
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"Sie werden das künftige Bild des Handwerks prägen."

Das regionale Handwerk ist stolz auf 170 neue Meisterinnen und Meister. Fotoimpressionen der Meisterfeier 2018.

Sachsens Handwerksmeisterinnen und -meister stehen für Leidenschaft und Perfektion. | Grußwort des Sächsischen Ministerpräsidenten zur Meisterfeier der Handwerkskammer zu Leipzig am 15. September 2018
 

Das Streben nach dem perfekten Klang, dem präzisen Zusammenspiel, der Vollendung bis ins Detail – das zeichnet das Gewandhausorchester aus. Leidenschaft für Perfektion, höchste Präzision und ein Blick fürs Detail zeichnet auch die Meister im Handwerk aus. Und so lädt die Handwerkskammer zu Leipzig ganz folgerichtig alljährlich zur Meisterfeier ins Gewandhaus ein.

Ich gratuliere allen "frischgebackenen" Meisterinnen und Meistern im Handwerk sehr herzlich zur Übergabe des Meisterbriefs. 

Die Leidenschaft für Perfektion haben Sie mitgebracht, in der Meisterausbildung haben Sie Ihre Fertigkeiten weiterentwickelt und Ihre Kenntnisse erweitert. Sie haben sich darauf vorbereitet, mehr Verantwortung zu übernehmen, ein etabliertes Handwerksunternehmen weiterzuführen oder als Start-up-Unternehmer ein neues zu gründen. Beides – die Fortsetzung von Handwerkstradition über viele Generationen hinweg und die Gründung angehender Traditionsbetriebe – ist von großer Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Freistaat, für stabile Wertschöpfung und Beschäftigung. Tradition im Handwerk heißt dabei, am Bewährten festhalten und sich zugleich auf Innovationen einlassen, neue Produkte zu erfinden und in der Produktion von neuesten Techniken Gebrauch zu machen. Längst ist die Digitalisierung in der Branche angekommen und bietet Chancen für ein prosperierendes Handwerk im 21. Jahrhundert.

Für all diese Herausforderungen, vor denen Sie als Handwerksmeister stehen – Mitarbeiter führen, die Unternehmensnachfolge antreten, ein Unternehmen gründen, neue Produkte entwickeln und betriebliche Prozesse digitalisieren – bietet Ihnen der Freistaat Sachsen die passenden Förderinstrumente. Nutzen Sie diese Hilfen und lassen Sie uns gemeinsam mit der Leidenschaft für Perfektion an der Zukunft des sächsischen Handwerks arbeiten.
 

Michael Kretschmer
Ministerpräsident des Freistaates Sachsen
 

Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen
Pawel Sosnowski
 

 Meisterinnen und Meister des Jahrgangs 2018 im Porträt
 

Der Meisterjahrgang: 1 Augenoptiker, 2 Bäcker, 2 Brunnenbauer, 6 Dachdecker, 7 Elektrotechniker, 1 Fleischer, 16 Friseure, 11 Installateure und Heizungsbauer, 31 Karosserie- und Fahrzeugbauer, 5 Kosmetiker, 31 Kfz-Techniker, 13 Maler und Lackierer, 3 Maurer und Betonbauer, 8 Metallbauer, 20 Schornsteinfeger, 3 Tischler, 8 Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer, 2 Zimmerer, 17 Geprüfte Betriebswirte nach der Handwerksordnung.

Im Vorfeld der Meisterfeier 2018 hatten die Absolventen die Gelegenheit, Fragen zu ihrem Werdegang zu beantworten und zu verraten, was gute Fach- oder Führungskräfte auszeichnet. Einige dieser Interviews und Porträts haben Eingang in die "Meisterbroschüre 2018" gefunden und werden hier – teilweise gekürzt – wiedergegeben. Sie zeigen die Vielfalt der handwerklichen Elite, die das Bild des Wirtschaftsbereichs künftig prägen wird. 

 

Warum haben Sie sich für die Fortbildung zum Handwerksmeister entschieden?

Schon während der Lehre habe ich in Betracht gezogen, irgendwann den Meister zu machen. Aber wie das in jungen Jahren so ist, muss man sich erst einmal selbst finden. Da traten Weiterbildungsthemen in den Hintergrund. Beruflich standen zunächst das Sammeln von Berufserfahrung und das Geldverdienen auf meiner Agenda weiter oben. Aber im Berufsalltag hat es mich dann doch manchmal gewurmt, dass ich Meistern nicht immer ganz auf Augenhöhe begegnen konnte. Das war also auch irgendwie eine "Ego-Sache". Irgendwann habe ich mich dann getreu dem Spruch "Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist", dazu entschieden, Zeit, Kraft und auch Geld in die Qualifikation zu investieren.
 

Was hat die Weiterqualifizierung gebracht?

Was nach der Anmeldung zum Meisterstudium kam, war eine enorm stressige Zeit, aber sie hat mir beispielsweise zu mehr Durchhaltevermögen und konsequenter Zielorientierung verholfen.

Darüber hinaus haben die Dozenten wertvolles Wissen, weit über das Dachdeckerhandwerk hinaus, vermittelt. Vor allem die sozialen und wirtschaftlichen Aspekte der Meisterausbildung sind eine Bereicherung.
 

Was macht eine gute Handwerksmeisterin oder einen guten Meister aus?

In meinen Augen zeichnen sie sich durch eine gesunde Mischung aus Sorgfalt, Fleiß, Fachwissen und Kommunikationsstärke aus. Auch ein ruhiges, gelassenes und höfliches Auftreten sollte für die Besten im Handwerk wichtig sein.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Dann will ich anspruchsvolle Projekte realisieren und dazu beitragen, dass das Handwerk durch Qualität und Tradition gewahrt wird. Zunächst muss ich aber erst einmal in meine Rolle als Meister hineinwachsen.

 

 

Das wollte ich als Kind werden: Pilot.
 

Wie kamen Sie auf die Idee, eine Karriere bei der schwarzen Zunft zu machen?

Die meisten Handwerksunternehmen sind Familienbetriebe, bei denen eine Generation das Lebenswerk der vorangegangenen fortsetzt. So in etwa war es auch bei mir. Mein Vater und dessen Schwiegervater waren Schornsteinfeger, ebenso mein Onkel – also wurde ich früh auf dieses Handwerk geprägt, saß dabei, wenn Fachthemen besprochen wurden und habe erlebt, dass meine Vorgänger als Glücksbringer galten. Da war es für mich einfach logisch, die Familiengeschichte – gemeinsam mit meinem Bruder, der ebenfalls Schornsteinfeger ist – fortzusetzen. Zudem schien mir der Beruf "eine sichere Bank" zu sein. Energie- und Umweltschutzthemen waren schließlich stark im Kommen, als ich meine Lehre startete.
 

Warum haben Sie sich nach dem Gesellenbrief noch für die Meisterausbildung entschieden?

Ich wollte nicht stehen bleiben, sondern mich weiterentwickeln und die ganze Vielseitigkeit meines Berufs kennenlernen. Die traditionelle Kaminreinigung in luftiger Höhe sowie Brandschutz- und Sicherheitsthemen kannte ich bereits aus dem Effeff. Darüber hinaus wollte ich aber Input für den betriebswirtschaftlichen Bereich und die Zukunftsfelder, denen sich das Schornsteinfegerhandwerk stellen wird.

Die Anstrengungen haben sich gelohnt, weil ich nicht nur fachlich, sondern auch charakterlich gewachsen bin. Heute würde ich jedem Handwerker zur Meisterausbildung raten, auch wenn er sich nicht selbstständig machen möchte. Der Titel ist nicht nur mit einem besseren Verständnis für die beruflichen Zusammenhänge verbunden, sondern gibt auch mehr Selbstvertrauen.
 

Wem wollen Sie für die Unterstützung während der Meisterausbildung danken?

Nur durch die Unterstützung meiner Familie, vor allem von Eltern, Schwiegereltern und meiner Frau, konnte ich überhaupt die Meisterschule besuchen. Ihnen gilt also ebenso großer Dank wie dem gesamten Team der Bildungsstätte des Schornsteinfegerhandwerks e. V. "Rote Jahne" und hier besonders unserem Lehrgangsleiter Jürgen Naumann.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Privat hoffe ich, dass sich meine Familie bei bester Gesundheit befindet. Beruflich manage ich dann hoffentlich als Bezirksschornsteinfeger einen gesunden Betrieb mit drei bis vier Brandschutz-, Umweltschutz- und Energieexperten und vielen zufriedenen Kunden.

 

Stillstand ist keine Option

Für Stev Grosse ist Stillstand keine Option. 2004 legte er erfolgreich seine Prüfung als Karosserie- und Fahrzeugbauermeister mit Auszeichnung ab. Es folgte der "Betriebswirt des Handwerks" und nun auch noch der Meistertitel als Kfz-Techniker. Trotz kleiner Kinder und dem Wissen um die zusätzliche Belastung neben dem Berufsalltag nahm er die Strapazen ein zweites Mal auf sich.

"Ich wollte mein Wissen auffrischen und erweitern. Auf der Stelle stehen bleiben, kam für mich nie in Frage", sagt der 39-Jährige.

Dieses Credo gilt für sein gesamtes Berufsleben. Nach einer Ausbildung als Karosseriebauer in seiner thüringischen Heimatstadt Neustadt
an der Orla ging er 2001 in die Mercedes-Benz-Niederlassung nach München. Dort passte fast alles: Stev Grosse hatte eine sichere Perspektive, durfte nebenberuflich seinen Meister machen und sich sogar seinen Traum einer einjährigen Work&Travel-Auszeit in Australien erfüllen. Trotzdem entschied er sich nach einigen Jahren für eine Rückkehr.

Was ihn lockte, war die Chance in den Betrieb seines Schwiegervaters einzusteigen – die car systems Scheil GmbH & Co. KG aus Leipzig. Die Bosch-Vertragswerkstatt existiert seit 1990, heute mit über 30 Mitarbeitern an drei Standorten. Das Unternehmen bietet von Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten bis hin zu Multimedia-Installationen sämtliche Service-Dienstleistungen für Automobile an. Firmengründer Jens Scheil gilt zudem als Pionier in der Elektromobilität unter den freien Werkstätten.

So werden in den Hallen der car systems Scheil schon seit vielen Jahren konventionelle Fahrzeuge von Benzin- auf Elektroantrieb umgerüstet.

Für sein Know-how erhielt der Betrieb zahlreiche Wirtschafts- und Innovationspreise. Zu den Auftraggebern gehören neben Industriekunden auch viele Forschungseinrichtungen.

So rüstete Grosse als Teil eines Teams für eine deutsche Universität beispielsweise eine Allrad-Limousine von Mercedes auf einen Elektromotor um. Das Projekt dauerte fast drei Jahre und stellte die Mitarbeiter vor unzählige technische Probleme. Wo kommen die Batterien hin? Wie arretiert man vier Elektromotoren? Solche Fragen bestimmen regelmäßig seinen Alltag. "Wir müssen hier ständig über Lösungen für Probleme nachdenken, für die es keine Schablone gibt. Selbst Werkzeuge und Vorrichtungen müssen wir oft selbst konstruieren", erzählt Stev Grosse, der seine Leidenschaft für Technik im elterlichen Eisenwarenhandel entdeckte, „aber genau dieses Arbeitsumfeld hat mich damals gereizt, um dafür meinen sicheren Job bei Mercedes aufzugeben.“

Er selbst ist jetzt im siebten Jahr im Familienunternehmen beschäftigt und übernimmt immer mehr Verantwortung. Ein genaues Datum, wann er die Firmennachfolge antritt, gibt es nicht. Aber in spätestens ein paar Jahren soll er die Firmengeschicke allein leiten. Es wäre die nächste Stufe auf der Karriereleiter.

Robert Iwanetz

 

Das wollte ich als Kind werden: Arzt.
 

Warum haben Sie sich für die Meisterschule entschieden und was hat sie Ihnen bisher gebracht?

Den Meistertitel habe ich in Angriff genommen, weil ich meinen Horizont erweitern und nicht stehenbleiben wollte. Ich wollte nicht nur Aufträge abarbeiten, sondern selbst Projekte planen, deren Umsetzung begleiten und die zugehörigen kaufmännischen Themen bearbeiten. Gebracht hat mir die Fortbildung zunächst einmal Investitionskosten, die sich hoffentlich auszahlen. Darüber hinaus gibt mir der Abschluss Selbstvertrauen. Nicht nur dass ich beweisen konnte, zur Handwerkselite zu gehören, sondern auch, dass ich nun die uneingeschränkte Hochschulzugangsberechtigung habe, macht mich stolz.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Da ich noch keine konkreten Pläne geschmiedet habe, will ich dazu keine Vermutungen äußern. Aber den Meister kann mir schon mal keiner mehr nehmen – ein guter Anfang. Aktuell bereite ich mich erst einmal auf ein Studium im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen vor, das ich im Oktober beginne.

 

Wieso sind Sie Maler geworden?

Schon als Kind wollte ich Maler werden und habe nie ernsthaft daran gedacht, einen anderen Weg einzuschlagen. Am Anfang war das nur ein naiver Kindheitswunsch, aber je älter ich wurde, desto sicherer war, dass ich kreativ sein will und jeden Tag sehen möchte, was ich geschaffen habe. Wo ist das besser möglich als im Maler- und Lackiererhandwerk? Allein, dass ich mit etwas Farbe einen Raum in kurzer Zeit komplett verändern kann, ist super. Dazu kommt die Abwechslung. Ich lerne bei jedem Auftrag neue Menschen und Orte kennen.
 

Was hat die Meisterschule bisher zusätzlich zur Fachqualifikation gebracht?

Ein Plus bei Selbstbewusstsein und Lohn.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Ich wünsche mir, dass ich dann Mitunternehmer in der Firma bin, für die ich aktuell arbeite. Außerdem will ich mich dann zusätzlich als Energieberater im Handwerk qualifiziert haben, um meinen Kunden über klassische Malerleistungen hinaus bedienen zu können.

 

Wieso sind Sie Zimmerer geworden?

Ich glaube, das war Schicksal, denn in der Schule wollte ich eigentlich Architekt werden, später dann Landschaftsgärtner. Aus beidem ist, wie man sieht, nichts geworden. Das lag zum einen an meiner Mutter und zum anderen daran, dass wir noch lange eine Ofenheizung hatten, für die wir stets neues Feuerholz brauchten. Meine Mama wollte mit einer cleveren Berufswahl das Notwendige mit dem Nützlichen verbinden und hat mir vorgeschlagen, mich in der nahe gelegenen Zimmerei zu bewerben. Neben einer soliden Handwerkslehre, so hoffte sie, dürfte dort auch noch Heizmaterial "abfallen". Gesagt, getan. Nach einem Praktikum durfte ich meine Lehre in der Firma starten. Nun gehöre ich zu den Glücklichen, die stolz von sich behaupten können, im Beruf auch ihre Berufung gefunden zu haben. Ein schöneres Handwerk als das des Zimmerers kann ich mir bei bestem Willen nicht vorstellen.
 

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf und was gefällt Ihnen nicht?

Die Arbeit mit einem nachwachsenden und natürlichem Rohstoff und die Tatsache, dass ich jeden Tag ein Ergebnis vor Augen habe, sind fantastisch. Mit dem Wissen eines Zimmerers bin ich in der Lage, Menschen ein Dach über dem Kopf zu bauen und in Zusammenarbeit mit anderen Gewerken sogar ein ganzes Heim. Darüber hinaus ist jeder Auftrag eine einzigartige Herausforderung. Kein Dachstuhl ist wie der andere und es gibt unzählige Möglichkeiten, auf Kundenwünsche einzugehen und die eigene Kreativität bei Sanierung oder Neubau einfließen zu lassen.

Was die "schlechten" Seiten des Berufs angeht, habe ich kaum welche gefunden. Nur Kälte nervt, wenn man auf das Gefühl in seinen Fingern angewiesen ist und ohne Handschuhe arbeiten muss. Ansonsten gilt für mich, dass es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur unangemessene Kleidung.
 

Warum haben Sie nach dem Gesellenabschluss noch den Meister gemacht?

Ein Großteil derjenigen, die den Meistertitel anpeilen, spielen entweder mit dem Gedanken, Führungspositionen zu erreichen, sich selbstständig zu machen oder haben die Ehre, einen Betrieb zu übernehmen. Sie sind also auf den Abschluss angewiesen. Bei mir lag die Sache etwas anders, denn mich hat der Berufsstolz angetrieben. Als traditionsbewusster Zimmerer war für mich nach der Lehre schnell klar, dass ich mein Handwerk am ehesten ehre, wenn ich es meistere.

Außerdem habe ich meine Lehre als Jahrgangsbester abgeschlossen, wurde Landessieger im Zimmererhandwerk und hatte damit die Anspruch auf Begabtenförderung. Deshalb habe ich es als Verpflichtung empfunden, mein Talent zu nutzen, um die Königsdisziplin im Handwerk in Angriff zu nehmen und nun ist es für mich eine große Ehre, mich Zimmerermeister nennen zu dürfen. 

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Pony in Malachit-Grün

Als Jugendliche wollte Lucia Pocinková alles werden, nur keine Friseurin. "Das war so ziemlich das Letzte, was ich mir vorstellen konnte", sagt die 28-Jährige heute.

Auch die Eltern rieten ab. Zu schlecht sei der Ruf der Branche gewesen – vor allem durch die niedrigen Gehälter. Doch dann ergab sich zufälligerweise ein Praktikum in einem Salon und damit die Einsicht, dass dort ein unverhoffter Traumjob auf sie wartete. "Ich mochte sofort die tägliche Abwechslung, den Umgang mit Menschen und dass ich mich kreativ ausleben kann", sagt die gebürtige Slowakin, die mit sechs Jahren mit ihrer Mutter nach Lichtenstein ins südliche Sachsen kam.

Für ihre Ausbildung zog sie 2008 allein nach Zwickau, in die nächstgrößere Stadt, um mehr aktuelle Styles und Trends mitzubekommen. Nach einigen Jahren mit dem Gesellenbrief in der Tasche merkte sie aber, wie die Herausforderungen in der täglichen Arbeit für sie langsam abnahmen.

Lucia Pocinková entschied sich für einen erneuten Umzug. Diesmal ging es im Frühjahr 2017 nach Leipzig, um dort ihre Meisterausbildung zu absolvieren. "Wenn ich in Zwickau geblieben wäre, hätte ich kaum noch Entwicklungsmöglichkeiten gehabt."

Mit der Meisterausbildung wollte sie sich zudem beweisen, dass sie mehr kann, als nur Schneiden, Föhnen, Legen. Besonders interessierte sie sich für Gebiete wie Buchhaltung und Firmenorganisation, die für sie völliges Neuland waren. "Durch die Meisterschule ist mein Respekt vor Unternehmern enorm gewachsen. Durch die Vorlesungen wurde mir erst bewusst, was diese alles für ihre Mitarbeiter leisten müssen."

"Durch die Meisterschule ist mein Respekt vor Unternehmern enorm gewachsen."
 

Während der intensiven neun Monate zeigte sie auch ihren Hang zum Künstlerischen. Für ihre Abschlussprüfung hatte sich Lucia Pocinková etwas Besonderes überlegt: "Mein Thema basierte auf einem Schachbrett aus Malachit-Edelsteinen", erzählt sie. Ihre Modelle waren als König und Königin gestylt, die ein Schachturnier in einer römischen Villa besuchen. Das kalte Grün der Malachite fand sich im Pony der Frau und im Make-up des Mannes wieder. "Die Prüfer waren beeindruckt, dass ich mir das alles allein ausgedacht habe." Dank ihrer Kreativität fand sie auch schnell einen Job in einem Leipziger Salon, in dem sie sich auch finanziell wertgeschätzt fühlt.

"Als Friseurin schenkt man den Menschen ein Stück Selbstbewusstsein, deshalb sollte man sich nicht unter Wert verkaufen."

Ihr langfristiges Ziel ist es, sich in einigen Jahren in die Selbstständigkeit zu wagen. "Es ist ein großer Traum von mir, irgendwann einen eigenen Salon in Leipzig aufzubauen", sagt Pocinková. Denn in der Messestadt will sie auf alle Fälle bleiben. "Hier ist der Ort, an dem ich Wurzeln schlagen will."

Robert Iwanetz

 

Wieso sind Sie Dachdecker geworden?

Das war eher Zufall. Als Kind wollte ich alles vom Stuntman bis zum Tiefseetaucher werden. Als es an die Berufswahl ging, hatte ich jedoch keine konkrete Vorstellung von meiner Zukunft. Erst die Berufsberatung bei der Arbeitsagentur hat mir diesen Beruf ans Herz gelegt. Das war keine schlechte Empfehlung, wie sich spätestens jetzt herausgestellt hat. Ich mochte den Job von Anfang an und konnte mich gut entfalten. Nun habe ich sogar die Aussicht, einen Betrieb zu übernehmen.
 

Was zeichnet einen guten Handwerksmeister aus?

Ich finde, dass man nur dann gut sein kann, wenn man etwas gern und aus Überzeugung macht. Ein guter Meister muss deshalb mit Herz und Leidenschaft hinter seiner Arbeit stehen und Spaß dabei haben.
 

Wem wollen Sie für die Unterstützung während des Meisterstudiums danken?

Meiner Freundin, Familie und Freunden.

 

Die "Gretchenfrage" gleich zu Beginn: Gibt es Dinge, die Ihnen an Ihrem Beruf nicht gefallen?

Es gibt Dinge, die ich lieber mache als andere. Das ist sicher normal. Darüber hinaus gibt es aber Dinge, die mir beruflich Sorge bereiten.

Es ist schade zu sehen, dass die Zahl der Auszubildenden im Bauhaupt- und Nebengewerbe seit Jahren rückläufig ist. Dabei gibt es tolle Berufsperspektiven.

Geisteswissenschaftler haben wir bestimmt genug, aber es mangelt in vielen Betrieben an motiviertem Berufsnachwuchs zur Bewältigung künftiger Aufgaben. Man darf sich gar nicht ausdenken, wohin das langfristig führen soll.
 

Sie dürfen sich nun Maurer- und Betonbauermeister nennen. Wie verlief ihr Weg bis dahin?

Zunächst habe ich das Fachabitur in Angriff genommen. Aber während der Schulzeit war ich unentschlossen, welche Richtung ich einschlagen sollte. Glücklicherweise habe ich in den Ferien bei einem Brückenbauunternehmen gejobbt und mein Taschengeld aufgestockt. Das hat den Ausschlag gegeben.

Ich wollte auch etwas Nützliches schaffen, etwas das von Dauer ist. Später einmal – vielleicht sogar als Rentner – an Gebäuden vorbeizufahren und zu wissen, dass man an deren Entstehung mitgewirkt hat, war eine tolle Vorstellung. Als mir die Firma nach der Schulzeit eine Lehre anbot, ging es für mich deshalb ins Bauwesen, während andere aus meiner Klasse den Weg zum "Schreibtischtäter" einschlugen.

Als ausgelernter Geselle habe ich mich dann zügig bis zum Montageleiter hochgearbeitet. Der Meister war dann der nächste logische Schritt, wenn ich neue Verantwortungs- und Ausführungsbereiche bewältigen wollte. Nun habe ich die höchste Stufe in meinem Fach erreicht und fühle mich meinen früheren Klassenkameraden, die jetzt vielleicht einen Bachelor oder Master haben, absolut gleichwertig.

"Ich habe die höchste Stufe in meinem Fach erreicht und fühle mich meinen früheren Klassenkameraden, die jetzt vielleicht einen Bachelor oder Master haben, absolut gleichwertig."
 

Was macht aus Ihrer Sicht einen guten Handwerksmeister aus?

Ein Meister beherrscht das Zusammenspiel zwischen Handwerkspraxis, Betriebswirtschaft und Menschenführung. Das ist seine Basisqualifikation, ohne die er den Meisterbrief gar nicht erreichen kann. Jeder Meister verfügt zum Zeitpunkt seiner erfolgreichen Meisterprüfung also über eine ähnlich hohe Güte.

Wer seinen Beruf außerdem als Berufung und nicht nur als Vehikel zum Bestreiten seines Lebensunterhalts ansieht, kann sich positiv von seinen Meisterkollegen abheben. Solche "berufenen" Handwerker sind die Speerspitze unseres Wirtschaftsbereichs und stehen für herausragende Qualität und Kundenorientierung.

Auch die Ausbildung von Fachkräftenachwuchs zeichnet einen guten Meister für mich aus, schließlich muss das Meisterwissen an nachfolgende Generationen weitergegeben werden.

 

"Ich wollte Tierärztin werden."

Yvonne Winkler darf sich als Pionierin fühlen. Sie gehört zu den ersten sieben Frauen, die bei der Handwerkskammer zu Leipzig ihre Fortbildung zur Kosmetikermeisterin abgeschlossen haben. Der Meisterkurs ist noch neu in einer Branche, in der man sich bislang auch ohne Ausbildung selbstständig machen konnte.

Für Yvonne Winkler war die Entscheidung für die zeitintensive Weiterqualifizierung dennoch schnell gefallen: "Das klang nach einer Herausforderung, der ich mich stellen wollte", erzählt die mit 43 Jahren älteste Teilnehmerin, "und nach einem Alleinstellungsmerkmal für mein Studio." Dieses befindet sich in Großkühnau, einem kleinen Ortsteil von Dessau-Roßlau. Knapp 1.000 Einwohner.

Ihre Mutter Monika, die die Eigentümerin des Studios ist, betreibt ein paar Straßen weiter eine häusliche Krankenpflege. Yvonne Winkler ist in Großkühnau aufgewachsen. Nur einmal verließ sie die Heimat – als sie von 1991 bis 1993 ihre Ausbildung zur Kosmetikerin in Freiburg im Breisgau absolvierte. Seitdem hat sie sich einen treuen Kundenstamm erarbeitet.
 

"Ich bin glücklich, wenn ich Kunden ein Strahlen ins Gesicht zaubern kann"
 

Von Senioren, die zur Fußpflege kommen, bis zu Jugendlichen mit Hautproblemen ist alles dabei.

Winkler versucht ständig ihre Behandlungen zu erweitern: So bietet sie seit kurzem kosmetisches Micro-Needling an oder "Pantei Luar" – eine ostasiatische Kräuterstempelmassage. Zudem hat sie sich auf die Behandlung der Hautkrankheit Rosacea spezialisiert. "Ich versuche das Angebot im Studio immer wieder zu verbessern und zu erweitern." Gerade ist sie dabei, einen Internetauftritt zu erstellen.

An ihrer Arbeit als Kosmetikerin mag sie vor allem die praktische Seite. Ihre Entscheidungen – zum einen die Ausbildung in Freiburg, als auch die Meisterschule in Leipzig – hat sie nie bereut. "Als Kind wollte ich eigentlich Tierärztin werden, bis ich festgestellt habe, dass man da auch Tiere erlösen muss", sagt Winkler. "Heute bin ich glücklich, wenn ich Kunden ein Strahlen ins Gesicht zaubern kann".

So hat sich Yvonne Winklers Salon nach über 25 Jahren zu einer festen Institution in Großkühnau entwickelt. Selbst als sie während der Meisterausbildung einige Wochen schließen musste, hatten ihre Kunden dafür Verständnis. "Die 'Patienten' schätzten einfach die familiäre Atmosphäre bei mir", sagt Winkler. Für sie war das die schönste Anerkennung ihrer Arbeit.

Robert Iwanetz

 

In die Fußstapfen des Vaters treten

Marco Schneider hatte bereits einen Vorgeschmack auf die Meisterfeier des Handwerks. Vor einigen Jahren begleitete er einen Freund und Kollegen ins Leipziger Gewandhaus zu dessen Meisterbriefverleihung.

Damals dachte der heute 29-Jährige: "Dieses unbeschreibliche Gefühl will ich irgendwann selber haben." Nun hat sich dieser Traum erfüllt: Marco Schneider darf sich nach erfolgreichem Absolvieren aller vier Teile der Meisterprüfung seit November 2017 offiziell Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierermeister nennen.

Er wandelt damit auf den Spuren seines Vaters Steffen – ebenfalls Meister im gleichen Gewerk –, der ihn als Chef im Familienbetrieb, aber auch als Dozent an der Handwerkskammer förderte. "Mein Vater ist mein Vorbild", sagt Marco Schneider, der schon als Kind im elterlichen Betrieb mithalf. Gemeinsam führen beide heute den Familienbetrieb mit sieben Mitarbeitern, der bereits 20-jähriges Bestehen feierte.

Steffen und Marco Schneider haben sich auf Lösungen im Wärme-, Brand- und Kälteschutz in ganz Deutschland spezialisiert. So konstruiert Marco Scheider beispielweise Kühlbehälter aus Stahlblechen oder isoliert Heizungs- und Belüftungssysteme mit Dämmwolle. Zu ihren größten Projekten gehören unter anderem Arbeiten am Neuen Rathaus in Leipzig, am Trias-Hochhaus oder am Einkaufszentrum "Höfe am Brühl" im Zentrum der Messestadt.

"Die Entscheidung in die Firma einzusteigen, habe ich nie bereut", erzählt Marco Schneider, der 2005 seine Berufsausbildung im Unternehmen begann und sich heute vor allem auf Kälteschutz spezialisiert hat.

"Ich mag die handwerkliche Arbeit auf der Baustelle sehr. Vor allem, dass man dort jeden Tag neue Probleme lösen muss. Diese Herausforderung macht es spannend", sagt der Jungmeister.
 

 
"Die Meisterausbildung war unglaublich lehrreich und das Verhältnis in unserer Klasse untereinander sehr kameradschaftlich."
 

Für seinen Meistertitel drückte er fast zwei Jahre die Schulbank neben der normalen Arbeit. Für Marco Schneider eine harte, aber erfüllende Zeit im Rückblick: "Die Meisterausbildung war unglaublich lehrreich und das Verhältnis in unserer Klasse untereinander sehr kameradschaftlich. Wir treffen uns alle noch immer wenigstens einmal im Jahr." Das dort entstandene Netzwerk will der gebürtige Leipziger nicht mehr missen.

Durch die erfolgreiche Meisterausbildung sind nun auch die Weichen für die zukünftige Betriebsübergabe gestellt. Doch noch ist dafür Zeit: "Wir haben ausgemacht, dass die Übergabe frühestens in zehn bis fünfzehn Jahren stattfindet", erzählt Marco Schneider. Bis dahin soll er nach und nach in die Rolle des Geschäftsführers hineinwachsen können.

Robert Iwanetz

 

Was wollten Sie als Kind werden?

Meine Mutter meinte, ich hätte als Berufswünsche "Schmückerin" oder "Schminkerin" geäußert. Letzteres ist es dann schließlich auch geworden.
 

Warum haben Sie die Meisterschule besucht?

Auf der einen Seite wollte ich meine Fähigkeiten erweitern. Andererseits haben mich Marketingüberlegungen zur Fortbildung "getrieben". Das Kosmetikerhandwerk ist ja zulassungsfrei, deshalb darf (leider) jeder Leistungen anbieten, selbst wenn er nur einen Drei-Tages-Kurs absolviert hat. Mit dem Meisterbrief wollte ich gegenüber meiner Kundschaft unterstreichen, dass sie bei mir allerhöchste Qualität erwarten dürfen.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Gemeinsam mit meiner Geschäftspartnerin führe ich dann weiterhin einen florierenden Friseur- und Kosmetiksalon, der aufgrund meisterlicher Leistungen einen exzellenten Ruf genießt. Trotzdem will ich mir dann aber noch die Zeit nehmen, mich ehrenamtlich vor Ort zu engagieren. Auch das steht einer Unternehmerin gut zu Gesicht, finde ich.

 

Das wollte ich als Kind werden: Traktorist beziehungsweise Landwirt.
 

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen und haben sich dann für den "Meister" entschieden?

Schon als Kind und Jugendlicher habe ich mich für alles Handwerkliche interessiert. Sachen zerlegen, zusammenfügen und etwas mit den eigenen Händen bauen. Das war schon damals mein Ding. Aber bei so vielen Berufen war es nicht leicht, eine Wahl zu treffen.

Wegen der Vielseitigkeit, die ich mir vom Malerberuf versprach, habe ich mich schließlich um eine Ausbildung in diesem Handwerk bemüht.

Später flackerte dann während der Arbeit als Geselle immer mal wieder der Gedanke auf, beruflich nach Höherem zu streben. Schließlich habe ich mir einen Ruck gegeben, um mir zu beweisen, dass ich das Zeug zum Meister habe.
 

Wem wollen Sie für die Unterstützung während des Meisterstudiums besonders danken?

Ohne den Rückhalt meiner Familie wäre das Projekt "Meister" schwieriger geworden. Mein Bruder und seine Frau mussten beispielsweise in einer Nacht-und-Nebel-Aktion meine Meistermappe korrekturlesen.

Und meine Eltern haben immer aufs Neue den Ehrgeiz in mir geweckt. Schließlich hat man schon mal ein Motivationstief. Ein ganz besonderes Dankeschön gebührt meiner Frau, um die ich mich während der Fortbildung nicht optimal kümmern konnte, obwohl sie schwanger war.
 

Blieb während der Meisterschule überhaupt Zeit für Hobbys? Wenn ja, für welche?

Ich angle leidenschaftlich gern, um den Kopf vom Alltagsstress freizubekommen. Das fiel während der Meisterschule aber meistens ins Wasser.

Auch die ehrenamtliche Tätigkeit als Feuerwehrmann musste manchmal hinten anstehen, wenn ich im Vorbereitungskurs saß oder über Fachliteratur gebrütet habe. Aber ich wusste ja, dass das nur eine Episode ist, an deren Ende der Meisterbrief steht und nach der ich wieder durchatmen kann.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

In zehn Jahren möchte ich so arbeiten und leben, dass ich immer aufs Neue merke, dass sich die Ausbildung zum Malermeister für mich gelohnt hat. Idealerweise will ich an verantwortlicher Stelle in einem regionalen Unternehmen tätig sein und vielfältige sowie kreative Aufgaben erledigen, die mein ganzes fachliches Know-how fordern.



 

Wie kamen Sie auf die Idee, den Beruf des Brunnenbauers zu erlernen?

Für mich stand schon früh fest, dass ich mit und in der Natur arbeiten wollte. Eine Tätigkeit, bei der man nur im Büro sitzt, ist für mich eine gruselige Vorstellung.

Natürlich gibt es Leute, die so etwas gern machen – und Bürotätigkeiten gehören natürlich auch zum Beruf eines Brunnenbauers, aber um zufrieden zu sein, brauche ich einfach auch die Außeneinsätze und die praktische Arbeit mit der Technik.

Wann ich genau über den Beruf gestolpert bin, kann ich gar nicht mehr sagen. Auf jeden Fall haben mich Bohrgeräte und ähnliche Großtechnik immer interessiert, also habe ich mich für die Ausbildung entschieden. Und der Job ist einfach toll.

Es erfüllt mich mit Stolz zu wissen, dass ich den Menschen mit meiner Arbeit einen der wichtigsten Rohstoffe zur Verfügung stelle.
 

Warum haben Sie sich für die Fortbildung zum Meister entschieden?

Nach der Lehre wollte ich erst einmal Erfahrungen sammeln und sah keine Notwendigkeit, nochmal die Schulbank zu drücken. Zudem erfordert die Fortbildung ja größere Investitionen. Dazu war ich damals noch nicht bereit.

Seit sich jedoch abzeichnete, dass mein Chef darüber nachdenkt, kürzerzutreten, wurde das Thema präsenter. Also haben wir vereinbart, dass ich mich weiterqualifizieren soll, damit ich in der Firma, der ich mich seit meinem ersten Tag der Ausbildung verbunden fühle, mehr Verantwortung übernehmen kann – auch im kaufmännischen Bereich.

Bei diesem Vorhaben hat mich der Chef dann großzügig unterstützt. Mir war aber trotzdem zunächst etwas mulmig. Fachlich bin ich durch meine Tätigkeit als Bauleiter und Bohrgeräteführer zwar up to date, aber es ist noch eine größere Herausforderung, auch die kaufmännischen Aspekte eines Betriebes im Blick zu behalten.
 

Was hat Ihnen die „Meisterschule“ gebracht?

Zunächst einmal viel Stress, denn die Anforderungen, die an uns gestellt wurden, waren nicht gerade gering. Aber man wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben und nun bin ich vor allem froh, dass ich mir viel kaufmännisches Hintergrundwissen aneignen konnte.

Mit dem Meisterbrief in der Tasche fühle ich mich langsam bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen, um in ein paar Jahren als technischer Leiter des Brunnenbaubetriebes erfolgreich zu sein.

 

In einer Sphäre, in der Abweichungen untragbar sind

Ein bisschen fremd fühlte sich Cornelia Kurze schon in der Meisterschule. Als die anderen angehenden Metallbauermeister aus ihrem Alltag erzählten – von Gartenzäunen, Schweißvorrichtungen und Brandschutztreppen –, wurde ihr schnell klar, dass sie in einer eigenen Sphäre arbeitet: in einem Berufsumfeld, in dem Löcher mit dem Durchmesser menschlicher Haare gebohrt werden müssen und Millimeterabweichungen nicht tragbar sind.

"Präzision ist bei uns entscheidend", sagt die 55-Jährige, die seit 1992 am Leibnitz-Institut für Troposphärenforschung (Tropos) arbeitet: in einem Wissenschaftspark im Leipziger Osten, wo die Wirkung von Wolken und Aerosolen untersucht werden, wie in der Luft schwebende Partikel heißen. Die gelernte Mechanikerin für wissenschaftlich-technischen Gerätebau ist dort in der mechanischen Werkstatt beschäftigt.

"Wir bauen hier alles, worum uns die Forscher für ihre Arbeit bitten." Ihr momentan größtes Projekt ist das "Polly". Ein sogenanntes Lidar-Messsystem, mit dem Aerosol-Schichten charakterisiert werden können – und dessen Laser allein so viel wie ein Mittelklassewagen kostet.

Bis zu sechs Monate arbeitet sie an einem der Geräte, die demnächst in Zypern, Israel und auf den Kapverdischen Inseln installiert werden.

Cornelia Kurze interessiert sich schon seit ihrer Jugend für Technik. Am liebsten verbrachte sie Zeit in der mechanischen Werkstatt ihres Großonkels. "Dort waren überall Zahnräder, Generatoren und Riemen. Eine fantastische Welt", erinnert sich die gebürtige Leipzigerin. Damals reifte in ihr der Entschluss, nicht in die Industrie, sondern in die Forschung zu gehen.
 

"Überall Zahnräder, Generatoren und Riemen. Eine fantastische Welt."
 

"Für mich war die Entscheidung immer richtig. Mein Job stellt mich ständig vor neue Herausforderungen und ist bis heute anspruchsvoll", sagt Kurze, die 1979 an der Akademie der Wissenschaften – dem Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung – ihre Ausbildung begann.

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Immer der Jüngste

Für Oliver Pabst war immer klar, wohin die berufliche Reise einmal gehen sollte. Schon als Jugendlicher hatte er – zusammen mit seinem Zwillingsbruder Philipp – schleifen und lackieren an den gemeinsamen BMX-Rädern geübt.

"Die hatten praktisch jeden Monat eine neue Farbe", scherzt der gebürtige Torgauer. Um sein Wissen zu erweitern, durchforstete er in seiner Freizeit fast täglich Technik-Foren im Internet.

Sein Ehrgeiz viel auch anderen schnell auf. So sagt beispielsweise sein ehemaliger Kollege und Ausbilder Niklas Harbach von der Leipziger Daffner Car Group GmbH, wo Pabst in der angeschlossenen Lackiererei seine Lehre absolvierte:

"Man hat bei ihm gleich in der ersten Woche gesehen, dass er kein normaler Lehrling ist." Eine Einschätzung, die sich bestätigen sollte. Nach drei Jahren Ausbildung wurde Pabst als bester Fahrzeuglackierer-Geselle des Jahrgangs ausgezeichnet und durfte am anschließenden Bundesleistungswettbewerb teilnehmen. Dort belegte er den zweiten Platz und erhielt eine Begabtenförderung über 7.000 Euro und damit eine Steilvorlage für die Meisterausbildung.

"Eigentlich war mein Plan, erst einmal ein paar Jahre Berufserfahrung zu sammeln, aber diese Gelegenheit konnte ich nicht auslassen", erzählt Pabst. Es folgte eine Auszeit von seinem Job, um sich fast das ganze Jahr 2017 hinter die Schulbank zu klemmen. Nach der letzten bestandenen Prüfung war er mit 21 Jahren der jüngste Meister im Jahrgang.

"Die Dozenten waren immer für uns da und haben uns mit vielen praktischen Hinweisen unterstützt", sagt Oliver Pabst.

Zudem nutzte er die Zeit während der Meisterausbildung, um sich klar zu machen, wie es beruflich für ihn weiter gehen soll. So hat er vor kurzem einen neuen Job als Jungmeister in einer freien Lackiererei in Dresden angenommen. "Dort will ich noch mehr Erfahrung sammeln, danach stehen mir alle Türen offen." Denn im Hinterkopf hat er noch einen großen Traum aus Kindheitstagen: "Vielleicht kriege ich meinen Bruder, der als Kfz-Mechatroniker arbeitet, irgendwann dazu, dass wir eine eigene Werkstatt mit Lackiererei aufmachen."

Robert Iwanetz

 

Wieso sind Sie Friseur geworden?

Als ich auf den Schulabschluss zusteuerte und mir - zugegeben nur sehr oberflächlich - Gedanken gemacht habe, wohin die Reise für mich gehen soll, war für mich eigentlich nur klar, dass ich nicht jeden Tag im Büro sitzen möchte. Dann hat eine Bekannte erwähnt, dass ihr Chef in seinem Salon Lehrlinge sucht.

Bis dahin hatte ich kaum große Anstrengungen hinsichtlich der Lehrstellensuche unternommen. Also habe ich gedacht: "Warum nicht?" Ich bin ein kreativer, kommunikativer Typ und liebe den Umgang mit Menschen. Da ist der Friseurberuf doch ideal.

Die Lehrstelle habe ich bekommen und bin durchgestartet. An die weitere Zukunft oder gar den Meistertitel habe ich damals jedoch keine Gedanken verschwendet.
 

Warum haben Sie sich schließlich doch noch für die Meisterausbildung entschieden?

Nach der Lehre habe ich einige Zeit als Geselle gearbeitet und bin dann Fachtrainer für die Friseurmarke "Estel" geworden. Die Organisation von Salonworkshops und das Vorstellen neuer Produkte machen mir nach wie vor viel Spaß. Aber mit der Zeit haben mich die persönlichen und fachlichen Entwicklungsmöglichkeiten gereizt, die sich bieten, wenn ich in die Königsklasse des Handwerks aufsteige.

Ich möchte gern mehr entscheiden, selbst auf Trends reagieren und wieder direkt am Kunden arbeiten. Also plane ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Dafür ist "der Meister" nun einmal die geforderte Basisqualifikation, an der kein Weg vorbei führt.

Außerdem will ich ja auch keinen Schiffbruch erleiden und bin deshalb vor allem dankbar für die vielen betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, die mir vermittelt wurden.
 

Was zeichnet einen guten Meister aus?

Ich kenne Handwerker, die auch ohne Meisterbrief echte Könner auf ihrem Gebiet sind. Deshalb bin ich der Meinung, dass die Liebe zum Beruf ein Schlüsselfaktor für einen guten Handwerker ist – egal, ob Meister oder nicht. Wer seinen Beruf als Berufung versteht, wird stets nach persönlichem Fortschritt und noch besseren Leistungen in seinem Metier streben.
 

Wem wollen Sie für die Unterstützung während des Meisterstudiums besonders danken?

Da weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Natürlich hat mich mein privates Umfeld, wie Familie und Freunde, toll unterstützt. Ganz besonders möchte ich aber auch meinen Modellen danken, die sich für meine Projekte zur Verfügung gestellt haben. Die waren und sind nicht mit Geld zu bezahlen.

 

Das wollte ich als Kind werden: Traktorfahrer.
 

Wieso haben Sie sich nach der Schule entschlossen, eine Berufsausbildung zum Gas- und Wasserinstallateur zu machen?

Das lief bei mir klassisch und eher unspektakulär ab. Ich wusste, dass ich praktisch veranlagt bin und startete mit dieser Grundlage in die Berufsorientierungsphase. Nach Praktika in einer Kfz-Werkstatt und einem SHK-Betrieb gefiel mir letzteres besser und ich entschied mich für diese Richtung. Das war es auch schon.
 

Warum haben Sie sich für die Meisterausbildung entschieden?

Mittlerweile bin ich seit 16 Jahren in meinem Ausbildungsbetrieb tätig und habe erst als Lehrling und dann als Geselle auf vielen Baustellen Erfahrungen gesammelt. Irgendwann hat sich aber eine gewisse Routine eingestellt. Zwar war jedes Projekt anders, aber die berufliche Herausforderung war oft nicht mehr so groß, weil ich viele Handgriffe einfach im Schlaf konnte.

Da wusste ich, dass ich mich beruflich weiterentwickeln sollte, um dauerhaft den Spaß am Beruf zu behalten und zufrieden zu sein.

Die Meisterfortbildung war für mich die Möglichkeit, anspruchsvollere Tätigkeiten auszuüben und mehr Einfluss auf die Planung zu nehmen. Ich wollte nicht mehr nur der ausführende Installateur sein, sondern auch Auftraggeber beraten und Lösungen konzipieren.
 

Was hat Ihnen die Meisterschule gebracht?

Vorher habe ich mich als Fachpraktiker verstanden. Dank des Inputs der Meisterschule sehe ich mich nun eher als Technikprofi mit betriebswirtschaftlichem und pädagogischem Rüstzeug.

 
"Da wusste ich, dass ich mich beruflich weiterentwickeln sollte, um dauerhaft den Spaß am Beruf zu behalten und zufrieden zu sein."
 

Ich habe hilfreiche Kompetenzen im kaufmännischen und rechtlichen Bereich erworben, die gut sind, um Bauprojekte unabhängig von den fachpraktischen Aspekten einzuordnen. Und auch der Input für die Anleitung von Lehrlingen dürfte hilfreich sein.

Kurzum fühle ich mich nun gut gewappnet, um selbst komplexe Projekte so zu managen, dass optimale Resultate entstehen.
 

Was zeichnet gute Handwerksmeister aus?

Für einen guten Meister gilt – wie für Lehrling und Geselle auch –, dass er unabhängig von der Größe des Auftrags bemüht sein muss, perfekte Arbeit abzuliefern. Ich sage meinen Kollegen gern, dass es bei der Kundschaft so gemacht werden muss, wie man es bei sich zu Hause machen würde.

Des Weiteren sind Meister, stärker als andere Handwerker verpflichtet, up to date zu bleiben. Es gilt, mit den rasanten Entwicklungen am Markt – Digitalisierung, Energiewende usw. – Schritt zu halten. Wenn Meister dies vernachlässigen, schaden sie dem hervorragenden Image des Meistertitels.

 

Das wollte ich als Kind werden: Tierärztin.
 

Wie kamen Sie auf die Idee zu Ihrem Beruf?

Eigentlich hatte ich schon immer ein Faible für alles Schöne und Ästhetische und wollte mich beruflich auch in diese Richtung orientieren.

Bevor ich jedoch in die Kosmetiklehre gestartet bin, habe ich eine Ausbildung zur Bekleidungstechnischen Assistentin gemacht. Dort konnte ich mich beim Designen von Kleidung und Schnittmustern verwirklichen. Das war eine kreative und lehrreiche Zeit, aus der ich viele Impulse erhalten habe, die mir jetzt noch nützlich sind.

Danach habe ich mich noch einmal umorientiert, denn der Funke ist nicht so richtig übergesprungen. Ich wollte näher am Kunden arbeiten und entschied mich schließlich für eine Ausbildung im Kosmetikbereich.
 

Warum haben Sie sich dafür entschieden, Meisterin zu werden?

Während der Ausbildung durfte ich ein Praktikum bei Birgit Patzer, einer DDR-Kosmetikmeisterin, absolvieren. Sie wär eine echte Könnerin, hatte pädagogisches Talent und Spaß dabei, ihre Kenntnisse weiterzugeben. Das fand ich toll.

Leider war es zu diesem Zeitpunkt nicht möglich, einen Meisterabschluss als Kosmetiker machen. Deshalb musste ich mir mit Eigeninitiative, Fachlektüre und Seminaren Zusatzwissen aneignen.

Als der Kosmetikerberuf mit der Wiedereinführung des Meisters aufgewertet wurde, war die Richtung für mich klar.

Es war mir wichtig, dass ich gegenüber der Kundschaft nachweisen kann, höchste Ansprüche zu erfüllen und nach medizinischen Standards zu arbeiten. So ein Alleinstellungsmerkmal ist im Beautybereich von Vorteil, schließlich dürfen auch ohne Ausbildung Leistungen angeboten werden.

Außerdem wollte ich mir selbst etwas beweisen, mein Können auf ein neues Level bringen und eine Art Ritterschlag für meine Kompetenzen erhalten.

Und last but not least ging es mir um eine gründliche Vorbereitung, mit der ich später als angestellte Salonleiterin und Ausbilderin aktiv werden kann.
 

Was hat Ihnen die Fortbildung neben dem fachlichen Input noch gebracht?

Viele tolle Erfahrungen. Im Beautykabinett des Bildungszentrums der Handwerkskammer wurden wir zwar von Experten angeleitet, für Fragen standen aber nicht nur Lehrkräfte, sondern auch die Meisterschülerinnen zur Verfügung. Wir haben unsere Erfahrungen ausgetauscht und bleiben untereinander vernetzt.
 

Blieb während der Fortbildung Zeit für Hobbys?

Ich koche gern und habe mir dafür auch Zeit genommen. Mehr war aber nicht drin, denn das Lernpensum ist schon sehr herausfordernd.

 

Hinein ins Abenteuer Selbstständigkeit

Zeit zum Durchatmen blieb Sebastian Lorenz-Tietz in den vergangenen Monaten kaum. Im Sommer ackerte er 60, manchmal 70 Stunden pro Woche – anders ging es nicht. "In unserer Hochsaison könnte ich 24 Stunden am Tag in der Werkstatt stehen. Da bleibt wenig Zeit, das Erreichte zu reflektieren", sagt er.

Dabei hat sich im Leben des gebürtigen Sachen-Anhaltiners im vergangenen Jahr ein rasanter Wandel vollzogen: Sebastian Lorenz-Tietz kündigte seinen Job im Qualitätsmanagement des Leipziger BMW-Werkes, nutzte die freie Zeit um seinen Meistertitel als Kfz-Mechatroniker in Vollzeit zu machen und übernahm – keine vier Wochen nach der Prüfung – einen traditionsreichen Betrieb für Garten- und Kommunaltechnik in Delitzsch.

Nun ist er zum ersten Mal in seiner beruflichen Laufbahn sein eigener Chef. Seit Februar 2018 leitet er die Geschicke der Firma Gartentechnik Delitzsch & EngineTech Motobike.

 
Die Idee das Geschäft zu übernehmen, entstand bereits Anfang 2017. Die bisherigen Inhaber, darunter sein Schwiegervater, wollten altersbedingt kürzer treten. Mit der Handwerkskammer zu Leipzig und der Existenzgründerabteilung der Sparkasse Leipzig hatte Lorenz-Tietz Partner an seiner Seite, mit denen er den Schritt akribisch vorbereitete und letztlich auch vollzog.

"Ohne diese Hilfe wäre alles deutlich schwerer, vielleicht gar nicht machbar gewesen", erklärte der alleinige Geschäftsführer, der voller Ideen ist.

Übernommen hat er alle sechs Mitarbeiter und gleich einen weiteren eingestellt, um das Portfolio der Firma zu erweitern: Neben den bisherigen Dienstleistungen, wie Wartung und Verkauf von Rasenmähern, Kettensägen und Vertikutierern, bietet das Unternehmen jetzt auch einen Reparaturservice für Motorräder an.
 

 
"Manch einer aus meinem Bekanntenkreis hat nicht verstanden, warum ich ohne Not meinen sicheren Job bei BMW aufgegeben habe. Aber ich wollte mich weiterentwickeln und hier lerne ich jeden Tag dazu."
 

Als nächstes will er das eigene Sortiment der Vertragspartner Stihl und Alko vermehrt um Akku-Elektrogeräte erweitern: "Der Absatz von benzinbetriebenen Rasenmähern ist rückläufig. Darauf werden wir uns im Interesse unserer Kunden einstellen", sagt der Geschäftsführer, der die Firma für eine langfristige Zukunft rüsten will. Dazu gehört auch ein kompletter Generationswechsel – denn mit seinen 38 Jahren ist er mit Abstand der Jüngste im Betrieb.
 

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Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Eigentlich wollte ich Tischler werden. Mit der Lehre klappte es aber nicht, denn in der Region waren diese Ausbildungsplätze schon vergeben. Also bin ich realistisch an die Sache herangegangen. Klar war, dass ich kreativ arbeiten und etwas mit meinen Händen erschaffen wollte. Ein Bekannter wies mich auf eine freie Lehrstelle im Malerhandwerk hin, mit der es dann klappte. Der Rest ist Geschichte. Mittlerweile bin ich sogar mein eigener Chef.
 

Was hat Ihnen die Meisterausbildung gebracht?

Sie hat mir den Schritt in die Selbstständigkeit ermöglicht. In meinem Unternehmen "Raum- und Objektgestaltung Oliver Jahn" kann ich nun selbst entscheiden. Ich bin nicht nur Ausführender, sondern kann Kunden beraten und tolle Konzepte entwickeln. Dank der Meisterausbildung weiß ich auch, worauf es im kaufmännischen Bereich zu achten gilt, um am Markt zu bestehen.

 

Niemals aufgegeben

Hinter Oleksandr Marants liegt kein leichter Weg. Seinen Traum, als Kfz-Mechatroniker zu arbeiten, hätte er beinahe frühzeitig an den Nagel hängen müssen. Drei Monate lief seine Lehre erst, als er kurz davor stand hinzuschmeißen.

In seinem ersten Ausbildungsbetrieb wollte ihn niemand fördern, nicht einmal Arbeitssachen wurden gestellt. Stattdessen sollte er tagein, tagaus die Werkstatt fegen. "So hatte ich mir den Beruf natürlich überhaupt nicht vorgestellt", erzählt der heute 25-Jährige.

Erst durch den Wechsel in die freie Werkstatt Behrend und Linke, die ihn mitten im Lehrjahr übernahmen, wurde es besser. Gleich am ersten Tag half er, ein Getriebe zu tauschen – und merkte, warum er sich für diesen Beruf entschieden hatte. "Ich schraube einfach unglaublich gern", sagt der Leipziger.

Am liebsten wäre er auch nach der Ausbildung im Betrieb geblieben. Geplant war er als Ersatz für einen Kollegen, der in Rente gehen wollte. Doch dann schied dieser früher aus als gedacht. Da war Marants erst im zweiten Lehrjahr und zu unerfahren. "Das war natürlich schade", erinnert er sich heute, "aber das eröffnete mir auch ganz neue Möglichkeiten."

Der zweifache Familienvater entschließt sich damals, seine Meisterausbildung direkt an die Lehre anzuschließen. Eine harte, aber unglaubliche intensive Zeit: Oleksandr Marants tauchte in neue Gebiete, wie Buchhaltung oder Umweltschutz, ein.

"Das alles habe ich meiner Frau Katja zu verdanken, die mir trotz unserer kleinen Kinder immer den Rücken freigehalten hat." Am Ende besteht er die Prüfung als einer der Jüngsten in seiner Klasse.

"Ich bin sehr dankbar, dass ich in Deutschland diese Möglichkeiten erhalten habe", sagt Marants. Mit zwölf Jahren kam er als Kontingentflüchtling aus einer ukrainischen Kleinstadt nach Leipzig – zusammen mit seinen Eltern, Großeltern, Tanten und Onkeln. Damals sprach er nur zwei, drei Worte Deutsch.

Heute hört man von seiner Vergangenheit nichts mehr. Was jedoch blieb und immer größer wurde, ist sein Interesse für Technik.
 

"Ich bin dankbar, dass ich diese Möglichkeiten erhalten habe."

 
Ursprünglich wurde seine Leidenschaft für Autos bei einem Praktikum in der Verwertungsanlage seines Onkels geweckt. Seitdem ist es Marants’ großer Traum, irgendwann auch ein Unternehmen zu führen. Eigentlich wollte der junge Profi direkt nach der bestandenen Meisterprüfung eine Werkstatt eröffnen. Doch eine geeignete Halle und eine Finanzierung für die Anfangsinvestitionen zu finden, war schwieriger als gedacht.

Aber als Meister lernt man nicht nur fachliche Probleme zu lösen, sondern auch Geduld zu haben und unternehmerische Ziele langfristig zu verfolgen.
 

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Was wollten Sie als Kind werden?

Mein Traumjob war Tiermedizinische Fachangestellte, doch da gab es kaum Stellen. Also habe ich ein Berufsgrundbildungsjahr absolviert und tolle, kreative Einblicke ins Friseurhandwerk bekommen. Da ist der Funke übergesprungen und es kam nichts anderes mehr in Frage.
 

Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf?

Es ist schön, wenn man durch seine Fähigkeiten Menschen in ihrem Auftreten bestärken kann, ihr Selbstbewusstsein aufwertet und dazu beiträgt, dass sie sich wohlfühlen. Da geht man mit einem guten Gefühl in den Feierabend.
 

Warum haben Sie sich für die Meisterausbildung entschieden und was hat Sie gebracht?

Mit einigen Jahren Berufserfahrung wollte ich die Basis schaffen, dass kein beruflicher Stillstand eintritt. Das hätte mich nicht glücklich gemacht. Also habe ich den höchsten Bildungsabschluss im Friseurbereich angepeilt und einen enormen Sprung nach vorn gemacht. Ich weiß, dass ich mit dem Zusatzwissen fast alle kreativen und kaufmännischen Herausforderungen meistern kann. Und das ist auch ein gutes Gefühl.

 

Vom Sohn zum Lehrling und zum Meister ...

Mit dem Meisterbrief hat das Firmenglück bei der Haustechnik Sickert GmbH in Dreiheide (Region Torgau) Einzug gehalten. Sebastian, Sohn des Firmenchefs Uwe Sickert, bestand im Februar 2018 die Prüfung zum Installateur- und Heizungsbauermeister vor der Handwerkskammer.

Damit ist die Zukunft der mittelständischen Firma gesichert. So mancher Chef dürfte Sickert senior beneiden, denn schließlich müssen hierzulande regelmäßig Handwerksfirmen schließen, wenn der "Boss" in Pension geht, weil es keinen Nachfolger gibt.


Das Quäntchen Glück gehört dazu

Der 33-jährige Sebastian hat die Prüfungen in den Bereichen Fachpraxis, Fachtheorie, Betriebswirtschaft und Recht sowie Berufs- und Arbeitspädagogik auf Anhieb bestanden, was bei den hohen Ansprüchen der Meisterprüfung keineswegs selbstverständlich ist. Immer wieder scheitern Berufskollegen von Sickert junior im ersten Anlauf – manchmal mehr als knapp.

"Ich habe mich zusammengerissen während der Meisterschule, um meinerseits alles zu tun, damit ich die Prüfungen möglichst auf Anhieb schaffe", sagt er. Ein Quäntchen Glück gehöre jedoch auch bei der besten Vorbereitung noch dazu.

Nach dem erfolgreichen Meisterkurs wird Sebastian jedoch nicht sofort auf dem Chefsessel Platz nehmen. Er möchte in die Rolle als Unternehmer hineinwachsen.

Vater Uwe ist erst 54 Jahre alt, sodass er noch einige Jährchen das Zepter im Betrieb schwingen wird. "Ich werde auf alle Fälle unter der Regie meines Vaters in unserem Haustechnik-Betrieb weiterarbeiten, bis ich irgendwann die Firma übernehme", spricht der Junior Klartext.

Den fachlichen Input für die Prüfungen hat sich der Jungmeister während seiner Dienstzeit bei der Bundeswehr angeeignet. "Ich habe zwölf Jahre gedient und die Chance genutzt, das Lehrgangspensum während meines Dienstes als Zeitsoldat bei der Bundeswehr voll durchzuziehen. Nur die Prüfungen musste ich bei der Handwerkskammer zu Leipzig ablegen, was mir ganz gut gelungen ist", erzählt er bescheiden.

Dass der Vater ihn zu diesem Berufsweg gedrängt hat, denkt Sebastian nicht. "Ich bin in den Job eher reingerutscht, habe dann immer mehr Gefallen an der Arbeit gefunden. Manchmal beschäftige ich mich sogar an den Wochenenden mit betrieblichen Dingen. Das ist aber kein Stress, denn es macht mir Spaß, die fachlichen Probleme zu lösen."

Auch mit einem weiteren Meister im Unternehmen wird sich zunächst nicht viel ändern in der Firma. Schwerpunktmäßig wird sich das Leistungsportfolio weiter auf die Gebiete Gas-, Wasser-, Heizungs- sowie Lüftungs- und Klimainstallation konzentrieren.
 

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Wieso sind Sie Schornsteinfeger geworden?

Das war eher Zufall. Ich hatte keine besonderen Berufspräferenzen und habe in diversen Onlinebörsen gestöbert. Die angebotene Lehrstelle schien mir sympathisch, meine Noten passten und ich hatte kein Problem damit, mir die Hände schmutzig zu machen. Bewerbung geschrieben. Ausbildungsplatz bekommen. Durchgestartet. So ging es los und ich habe es konsequent durchgezogen. Bis zum Meister.
 

Und wie geht es jetzt weiter?

Zunächst bin ich froh, einen Abschluss erreicht zu haben, der im In- und Ausland hoch angesehen ist. Nach der Fortbildung brauche ich aber erst mal Zeit, um durchzuatmen. In ein paar Jahren denke ich vielleicht über den Schritt in die Selbstständigkeit nach.
 

Wer hat Sie bei der Meisterausbildung unterstützt?

Das waren einige Leute, aber der größte Dank geht an meine Frau und meinen Chef für die Rückendeckung.

 

Wieso sind Sie Metallbauer geworden?

Als die kindlichen Hirngespinste von einer Karriere als Profisportler verflogen waren und ich einen realistischen Blick auf die Welt gewonnen hatte – sofern man das nach dem Abitur von sich behaupten kann – bot mir mein Vater an, bei ihm zu lernen. Gedrängt hat er mich nie, aber insgeheim schwebte ihm sicher vor, dass ich einmal seine Nachfolge als Unternehmer antrete. Vielleicht wollte er mich aber auch nur im Auge behalten, damit ich keinen Unfug anstelle. Nach einigem Zögern – die Konstellation Vater/Ausbilder und Sohn/Lehrling birgt ja auch Zündstoff in sich – habe ich eingewilligt.
 

Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf?

Zu sehen, wie Dinge entstehen.
 

Was zeichnet gute Handwerksmeister aus?

Sie geben sich nicht mit halbherzigen Lösungen zufrieden, sondern geben immer ihr Bestes. Außerdem sind sie bereit, Verantwortung zu übernehmen – für den Betrieb und für ihr Umfeld.

 

Der Tresor-Öffner

Lucas Markwitz stand als Jugendlicher vor der Wahl: Steinmetz oder Metallbauer werden. Die Entscheidung fiel, als er seinem späteren Ausbilder beim Schmieden zusehen durfte.

"Das wollte ich auch können", erinnert sich der heute 32-Jährige. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung in seiner Heimatstadt Naumburg (Saale) folgte der nächste Schritt. Markwitz wollte sich weiter spezialisieren und nahm ein Jobangebot bei der Hamburger Stahltresor GmbH an. In der Hansestadt bekam er einen tiefen Einblick in die Welt der Sicherheitstechnik und arbeitete sich schnell zum Werkstattleiter hoch.
 

 
"Das wollte ich auch können"
 

Als sich jedoch das erste Kind ankündigte, war für ihn und seine Frau Kerstin schnell klar, dass der eigene Nachwuchs nicht in einer Großstadt aufwachsen sollte. Stattdessen wurde der Entschluss gefasst, in die Heimat an der Saale zurückzukehren. Dort lebt die junge Familie gemeinsam mit den Großeltern von Lucas Markwitz in einem Mehrgenerationenhaus. Dazu gehört auch ein riesiger Garten, in dem der Metallbauer seinen Hobbys, wie der Imkerei oder dem Bierbrauen nachgehen kann.

"Wir wollten weg aus dem anonymen Großstadtleben und mehr Natur haben", sagt der zweifache Vater, der den Schritt auch beruflich nicht bereut hat. Kurz vor dem Umzug gründete er 2014 sein eigenes Unternehmen.

Unter dem Namen "Tresortechnik Mitteldeutschland" verkauft, transportiert und wartet er Tresore und Waffenschränke. Spezialisiert hat er sich auf die Notöffnung von Panzerschränken. So wird Lucas Markwitz beispielsweise gerufen, wenn ein Privatkunde seinen Zugangscode vergessen hat oder ein Bankautomat beschädigt wurde. "Einbrecher sind meine besten Mitarbeiter", scherzt er.

Für solche Kundendienstaufträge ist er überall in Deutschland unterwegs. Mehrere Stunden sitzt er in der Regel, bis er einen Tresor erfolgreich aufgebohrt hat – ohne ihn zu beschädigen.

"Das ist eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die viel Präzision und Geschick verlangt", sagt Markwitz. Bislang hat er noch jeden Tresor zerstörungsfrei aufbekommen.
 

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Das wollte ich als Kind werden: Polizist.
 

Warum haben Sie den "Meister" gemacht?

Vielleicht ergibt sich irgendwann die Möglichkeit, einen etablierten Isolierbetrieb zu übernehmen oder ich entscheide mich, mit einer neuen Firma an den Markt zu gehen. Auf beide Umstände wollte ich vorbereitet sein, auch wenn ich als angestellter Meister aktuell sehr zufrieden bin. Außerdem spielte neben dem Willen, mich selbst weiterzuentwickeln auch der finanzielle Aspekt bei meiner Entscheidung eine Rolle. Eine höhere Qualifikation verspricht schließlich eine höhere Entlohnung.
 

Wem wollen Sie für seine Unterstützung
während der Meisterschule danken?

Eigentlich allen, die mich auf dem Weg zum Meistertitel unterstützt haben, vor allem meinen Arbeitgebern Jens Gommlich und Jörg Nitsch von der Wärme- und Kälte-Schutz GmbH sowie den Kollegen, die während der Meisterschule meine Aufgaben übernommen haben. Und dann natürlich meiner Familie.

 

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen?

Die Begeisterung für Fahrzeuge ist mir scheinbar angeboren. Schon als Kleinkind hätte mich nach Aussage meiner Eltern alles fasziniert, was auch nur im Ansatz Räder besaß. Diese Faszination ist nie verloren gegangen, sondern hat sich eher noch gesteigert.

Im Kindergarten und in der Grundschule habe ich dann ständig gespielt, dass ich Automechaniker bin und meinen stattlichen Fuhrpark an Spielzeugautos repariert. Später musste es demzufolge beruflich unbedingt etwas mit Autos, Benzin und Motoren sein. Etwas anderes konnte ich mir kaum vorstellen.

Ich wusste in etwa, welche Leistungen gefragt waren und strengte mich in diesen Schulfächern besonders an. Mit Erfolg. Als ich in meinem ersten Bewerbungsgespräch gefragt wurde, für welchen der beiden freien Ausbildungsplätze als Kfz-Mechaniker und Karosseriebauer ich mich entscheiden würde, habe ich spontan auf meinen Bauch gehört.
 

Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf?

Dass die Arbeit enorm abwechslungsreich ist. Selten verläuft etwas nach Schema F, weil jeder Schaden anders ist. Jede Instandsetzung ist eine neue Herausforderung.

Manchmal ist es fast schade, dass Fahrzeuge nicht repariert werden, weil es sich um einen wirtschaftlichen Totalschaden handelt. Je größer der Schaden, desto größer ist schließlich die Herausforderung und umso größer ist mein Ehrgeiz und gleichzeitig die Genugtuung, wenn das Fahrzeug am Ende wieder wie neu aussieht.

Warum haben Sie sich für die Ausbildung zum Handwerksmeister entschieden?

Mit dem Gesellenbrief in der Tasche habe ich in der Werkstatt Berufserfahrungen gesammelt und schrittweise mehr Verantwortung übernommen. Dann hat mich nach einigen Jahren schlicht der Ehrgeiz gepackt.

Ich musste mir beweisen, dass ich mir sämtliches fachliche und betriebswirtschaftliche Wissen aneignen kann, um Führungsaufgaben zu übernehmen und mit den Zusatzfähigkeiten in neue Gehaltsregionen vorzustoßen. Außerdem war es eine ermutigende Vorstellung, das eigene Wissen und die eigenen handwerklichen Fähigkeiten an Lehrlinge weiterzuvermitteln und in ihnen dieselbe Begeisterung für Fahrzeugtechnik zu wecken, wie ich sie verspüre.
 

Was hat Ihnen die Meisterschule gebracht?

Ich konnte meinen beruflichen Horizont deutlich erweitern, kann beispielsweise Schäden noch besser einschätzen und besser gegenüber Kunden und Fachkollegen argumentieren. Auch die Kontakte zu anderen Meisterschülern möchte ich nicht missen. Insgesamt ist es ein gutes Gefühl, diese Herausforderung im wahrsten Sinne des Wortes gemeistert zu haben.

 

Wie kamen Sie zu Ihrem Beruf?

Für mich stand früh fest, dass ich auf keinen Fall "Schreibtischtäter" werden will. Handwerkliche Begabung liegt bei uns in der Familie.

Trotzdem konnte ich mich nicht so schnell für einen Beruf entscheiden, den ich vielleicht mein Leben lang ausübe. Zwischenzeitlich zählten auch Metallbauer und Bäcker zu meinen Berufswünschen. Aber der Rohstoff Holz mit seiner tollen Haptik gab schließlich den Ausschlag.

Außerdem fand ich es genial, dass mit Kreativität und Präzision unter den eigenen Händen Unikate entstehen, die lange Freude bereiten und Seele haben. Das unterscheidet Handwerksarbeit eben von Mainstream-Produkten. Mitunter sehen die zwar nicht schlecht aus, aber sie sind und bleiben Massenware ohne sonderlichen Charakter. Man kann sie nach ein paar Jahren einfach durch neue ersetzen, ohne ihnen nachzutrauern. Ich wollte lieber Nachhaltiges schaffen. Also habe ich mich der Herstellung hochwertiger Möbel mit Liebe zum Detail verschrieben.
 

Warum haben Sie sich für die Meisterausbildung entschieden und was planen Sie nun?

Ich musste in die Königsklasse des Handwerks aufsteigen, weil ich mein eigener Chef sein will – mit allen Chancen und Risiken.

Mit dem Meisterbrief in der Tasche habe ich ein Unternehmen gegründet und arbeite nun eifrig daran, mir einen Kundenstamm aufzubauen, dessen Devise "lieber gut, statt möglichst billig" ist. Das Individuelle ist glücklicherweise wieder
im Kommen.

Dank der niedrigen Zinsen, wollen viele Leute ihr Geld nicht mehr auf dem Sparbuch lassen. Sie sind bereit, in ihr Heim zu investieren. Hier will ich mit Meisterqualität und individuellem Service punkten. Wenn sich mein Betrieb gut entwickelt, kann ich vielleicht auch selbst ausbilden und meine Leidenschaft für den Beruf an junge Leute weitergeben. Auch sie sollen den herrlichen Geruch von frisch gehobeltem Holz lieben lernen.
 

Was hat Ihnen die Meisterschule zusätzlich zur Fachqualifikation gebracht?

Erstens habe ich tolle Kollegen kennen- und schätzengelernt. Zweitens ist mir richtig bewusst geworden, dass man sich als Handwerker nie auf
der erreichten Kompetenz ausruhen darf – besonders nicht auf dem Meistertitel. Kunden erwarten, dass Meister up to date sind. Man muss Neuem gegenüber also aufgeschlossen bleiben.
 

Was zeichnet in Ihren Augen gute Meister aus?

Erstklassige Meisterpersönlichkeiten müssen nicht nur in der Fachpraxis und -theorie mit allen Wassern gewaschen sein, auch "Büro" muss sitzen. Darüber hinaus kommt ein guter Meister nie ohne soziale Kompetenzen und Empathie aus. Wie soll er sonst gut führen, ausbilden und mit Kunden kommunizieren?
 

Wem wollen Sie für die Unterstützung während der Meisterausbildung danken?

Auf jeden Fall meiner Freundin, die mich wahnsinnig unterstützt hat. Und das war sicher nicht einfach, wenn man zwei Kinder und einen manchmal schlecht gelaunten Partner hat.

 

Im Handwerk aufgeblüht

An seinem Arbeitsplatz kann André Saitschik eine gewisse Verantwortung nicht leugnen. Der 36-Jährige ist im Unternehmen Holl in Markkleeberg zuständig für die Bedienung und Wartung der CNC-Laserschneide-Maschinen. Jede der drei Hightechanlagen, die sich im Maschinenpark des Unternehmens befinden, ist mehr als 800.000 Euro wert – und arbeitet im Dauerbetrieb.

Sobald Mängel an den Zuschnitten für die Kunden auffallen oder gar technische Probleme die Maschinen ausbremsen, kann der wirtschaftliche Schaden schnell enorm werden. Doch derlei Herausforderungen bringen André Saitschik nicht aus der Ruhe: "Daran darf man nicht zu lange denken", sagt der routinierte Metallbauer, der seit 2005 im Unternehmen tätig ist.

Begonnen hatte er einst als Praktikant – während seiner Lehre in einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum. Schon damals fiel er durch hohes Engagement auf und durfte fortlaufend während der Berufsschule im Betrieb mitarbeiten.

Als Anerkennung und weil das Management einen hochmotivierten Fachmann nicht ziehen lassen wollte, erhielt er drei Jahre später einen Anschlussvertrag als Geselle. Nun hat er sich mit viel Ehrgeiz sogar bis zum einzigen Metallbauermeister unter den insgesamt 40 Mitarbeitern hochgearbeitet.

Für den Titel opferte Saitschik viel. Fast vier Jahre lang stand der Familienvater vor der Herausforderung, Arbeit, Ausbildung und Familie unter einen Hut zu bekommen, schließlich lief die Meisterschule neben dem normalen Schichtdienst. Oftmals stand er nach nur wenigen Stunden Schlaf wieder an den CNC-Maschinen. Und dann hatte er auch noch einen Nebenjob in einem Paketsortierzentrum angenommen, um seinen Kredit schneller abzahlen zu können.

 
"Ich bin extrem stolz, dass ich alles geschafft habe."
 

"Zwei Jobs und die Meisterausbildung
– da blieb wenig Zeit für die Familie", sagt Saitschik. Trotzdem haben sich die Mühen für ihn gelohnt: "Ich bin extrem stolz, dass ich alles geschafft habe", erzählt der gebürtige Kasache, der mit seinen Eltern im Jahr 2003 nach Deutschland übersiedelte.

In seiner Heimat hatte er bereits ein Studium im Bereich Hotelwesen abgeschlossen. Doch mit dem Umzug nach Deutschland wagte er einen Neuanfang im Handwerk – wegen seiner Leidenschaft für Technik.

"Mein Vater war Schweißer und hat mir schon früh viel beigebracht", sagt André Saitschik. Mit zwölf Jahren baute er sein erstes Motorrad aus diversen Einzelteilen zusammen. "Am liebsten wäre ich Schmied geworden, aber da war mir die Perspektive zu unsicher." So wurde er das, was dem am nächsten kam: Metallbauer.

Wie sehr er in diesem Gewerk aufgeht, merkten auch die Prüfer während der Meisterausbildung. Als Meisterstück baute er eine funktionierende Sonnenuhr voller filigraner Details. "Wenn ich mich in so ein Projekt vertiefen kann, blühe ich total auf", sagt André Saitschik.

Robert Iwanetz

 

Wieso sind Sie Kosmetikermeisterin geworden?

Eigentlich habe ich meine Laufbahn als Friseurin gestartet, denn ich hatte immer den Spleen, die Schönheit der Menschen zur Geltung zu bringen. Und ich komme gern mit Leuten ins Gespräch, was für den Beruf natürlich günstig ist. Weil mir Waschen, Stylen und "Seelsorge" aber nicht gereicht hat, habe ich mein Aufgabenfeld in Richtung Schönheitspflege ausgeweitet. Aber auch hier war mein Wissensdurst noch nicht gestillt.

Überdies hat mich gestört, dass dem Kosmetikerberuf viele Vorurteile entgegengebracht werden. Da wollte ich beweisen, dass ich richtig was auf dem Kasten habe. Mit Erfolg.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Auch wenn der Meisterbrief Perspektiven eröffnet, werde ich meinem Arbeitgeber treu bleiben – dann aber als Salonleiterin. Auf jeden Fall werde ich meinen Beruf weiter mit viel Leidenschaft ausüben.

 

Das wollte ich als Kind werden: Schlosser.
 

Warum haben Sie sich für die Meisterausbildung entschieden?

Erstens ist Bildung in unserer Gesellschaft eine lohnenswerte Kapitalanlage, die kaum an Wert verliert. Also habe ich in den Meisterbrief investiert, um meinen Marktwert zu erhöhen. Zweitens blieb mir nichts anderes übrig, wenn ich als Selbstständiger eigene Projekte und Ideen verwirklichen will.
 

Was zeichnet einen guten Meister aus?

Ein guter Handwerksmeister sollte in der Lage sein, fast jeden Auftrag in seinem Fachbereich zu bewältigen. Bei kniffligen Projekten muss er vielleicht nicht alles selbst wissen und können, aber er sollte Wege und Mittel kennen, um gemeinsam mit anderen Handwerkern Fachprobleme zu lösen.

 

 

Das wollte ich als Kind werden: Polizist.
 

Wie kamen Sie auf die Idee, Ihren Beruf zu erlernen?

Mein Vater ist Meister im Kfz-Bereich und mein älterer Bruder IT-Spezialist. Dadurch kam ich schon früh mit allerlei Technikthemen in Berührung. Es hat sich dann schnell herauskristallisiert, dass auch ich einen technischen Beruf ergreifen möchte.

Als es für mich dann an die Berufswahl ging, zeichnete sich ab, dass Automatisierung, Digitalisierung und Themen wie "smarte Gebäude" an Bedeutung gewinnen würden. Das fand ich spannend.

Ich war überzeugt, dass clevere Fachleute bei der Installation und Wartung solcher Anlagen gebraucht würden. Eine Ausbildung in der Elektrotechnik versprach also interessante Aufgaben mit sicherer Perspektive.
 

Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf?

Technik ist dazu da, um Aufgaben zu bewältigen und den Alltag zu erleichtern. Der beste Teil meines Jobs ist es deshalb, wenn ich Ideen entwickeln und umsetzen kann, die zur Verbesserung eines Produktes oder zur Lösung eines Problems dienen.
 

Warum haben Sie sich für die Meisterausbildung entschieden?

Da spielten verschiedene Faktoren eine Rolle. Zum einen war mir schon während der Lehre klar, dass ich meinen Horizont über das Erlernte hinaus erweitern muss, um nicht nur Standardaufgaben zu bearbeiten, sondern an die wirklich interessanten Herausforderungen zu kommen und mehr Verantwortung zu übernehmen.

Dann war der finanzielle Aspekt nicht zu unterschätzen, denn die Einkommensperspektiven steigen bekanntlich mit zunehmender Qualifikation.

Und drittens war da mein eigener Qualitätsanspruch. Ich wollte nicht nur im fachlichen Bereich Dinge besser machen – auch bei der Wissensvermittlung an Auszubildende, beim Umgang mit Kunden oder bei der Zusammenarbeit mit Kollegen, will ich mindestens ein Quäntchen besser sein als andere. Ich hoffe, dass mir das bei meinem neuen Arbeitgeber, der NEL Neontechnik Elektroanlagen Leipzig GmbH, gelingt.
 

 
"Mir war klar, dass ich meinen Horizont erweitern muss, um nicht nur Standardaufgaben zu bearbeiten, sondern an die wirklich interessanten Herausforderungen zu kommen."
 

Wo sehen sie sich in zehn Jahren?

Im besten Fall leite ich dann mein eigenes Team oder sogar eine Abteilung, bin verantwortlich für die Abwicklung von Aufträgen und habe einen guten Draht zu meinen
Mitarbeitern.

Besonders stolz würde es mich machen, wenn Auftraggeber mit meinen Leistungen so zufrieden sind, dass sie explizit nach mir verlangen, um ein neues Projekt für sie zu realisieren.