Timo Beyer / Dachdeckermeister

An die Zukunft gedacht

 

Der ein oder andere Spruch fiel schon in der Meisterschule. Und natürlich kam die immer gleiche Frage, ob er es sich wirklich antun wolle, mit Mitte 40 noch einmal die Schulbank zu drücken. Dabei war Timo Beyer, mit seinen mittlerweile 47 Jahren, noch nicht einmal der Älteste in seinem Gewerk bei den Dachdeckern. Bereut hat er seine Entscheidung nie, obwohl seine Meisterausbildung fast vier Jahren dauerte – parallel zu seinem Job als Vorarbeiter bei der Leipziger Dachdeckerfirma Reinwart & Lindner.

"Für mich war es eine tolle Abwechslung, eine Art positiver Stress, der mich richtig geistig gefordert hat", sagt der gebürtige Leipziger, der seine Karriere im Handwerk noch kurz vor der Wende, im September 1989, im Kombinat für Baureparaturen und Rekonstruktion begann. Damals lernte er seinen heutigen Chef Wolfgang Reinwart als Brigadier kennen. Und der Kontakt riss auch in den folgenden Jahrzehnten nie völlig ab.

So kam er 2007 als erfahrener Geselle in die Firma, die aktuell zwölf Mitarbeiter beschäftigt. Timo Beyer ist dort als "Jungmeister" einer der beiden Vorarbeiter und kümmert sich um die Ausbildung der Lehrlinge. Er betreut viele spektakuläre Baustellen – wie die Bleichert-Werke, die Globus-Werke oder die Sanierung der Kasernen im Kaisergarten-Viertel. "Ich liebe meine Arbeit sehr wegen der hohen Abwechslung und weil ich es genieße, immer an der frischen Luft zu sein", sagt der Fachmann.

Trotzdem plant er mittelfristig, mehr Zeit im Büro zu verbringen. "Der Job ist körperlich sehr anstrengend und ich will mir langfristig nicht meine Gesundheit ruinieren", erklärt der frischgebackene Dachdeckermeister. Schon jetzt übernimmt er mehr Verantwortung auf den Baustellen als zuvor und darf eigene Entscheidungen treffen. Der Hintergrund: Beide Geschäftsführer der Firma sind über 60 – eine Betriebsübergabe steht schon länger im Raum. Die Gespräche dafür haben bereits begonnen. "Das wäre noch einmal eine tolle Herausforderung für mich", sagt Timo Beyer.
 

 
"Die Meisterschule war eine tolle Abwechslung, ein positiver Stress, der
mich richtig geistig gefordert hat."
 

Er selbst wollte übrigens bereits um die Jahrtausendwende – damals war er gerade einmal Mitte 20 – seinen Meistertitel machen. Doch in den unsicheren Zeiten der Baukrise gab es keine Unterstützung seiner damaligen Vorgesetzten. "Da hieß es, unter 30 kann man sowieso kein Meister sein und damit war das Thema erledigt", erinnert sich Beyer. Nun hat es fast 20 Jahre später doch geklappt – und die Freude darüber ist riesig. "Für die Meisterfeier habe ich mir sogar extra brandneue Zunftkleidung gegönnt." 

 Von Robert Iwanetz
 

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Robert Iwanetz