Ruben Endler / Fliesen-, Platten- und Mosaiklegermeister

endler
Robert Iwanetz
 

Fünf-Jahres-Plan für die Zukunft

 

Seine spätere Berufung fand Ruben Endler bei einem Ferienjob in seiner Heimatstadt Mittweida. Bei einem benachbarten Fliesenleger durfte er als 14-Jähriger einen ganzen Sommer mitarbeiten, lernte Grundieren und Verfugen. "Ich merkte sofort, wie vielfältig der Beruf ist und dass man sich auch gestalterisch ausleben kann", erzählt der heute 33-Jährige. Seine Leidenschaft für das Handwerk war geweckt. Was fehlte, war jedoch ein Ausbildungsbetrieb.

Kurz nachdem Ruben Endler seine Lehre beginnen wollte, ließ der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Meisterpflicht unter anderem bei den Fliesenlegern fallen. Eine Entwicklung, die dieser Tage glücklicherweise korrigiert wird. In den unsicheren Zeiten damals wollte jedoch kaum ein Betrieb ausbilden. "Ich verschickte etliche Bewerbungen, aber niemand hatte Interesse", erinnert sich der Hobby-Fußballer von der SG 47 Wolkenstein im Erzgebirge, wo er mit seiner Frau und den beiden Töchtern seit ein paar Jahren lebt. Damals blieb ihm nur die Lehre in einem überbetrieblichen Ausbildungszentrum.

Nach seinem Grundwehrdienst und einem Einstiegsjob bei einem Hausmeisterservice klappte es 2007 endlich mit einer Anstellung als Fliesenleger in Wittgensdorf. Das Problem: Ruben Endler musste auf Montage arbeiten, war vier Tage die Woche unterwegs in ganz Deutschland. Eine Belastungsprobe für die junge Familie. Nachdem 2009 seine zweite Tochter geboren wird, trifft er mit seiner Frau die Entscheidung, in der nahen Zukunft einen Job zu suchen, der ihm mehr Zeit zu Hause ermöglicht. "Außerdem wollte ich mich auch beruflich weiterentwickeln", sagt Endler.

Diese Chance bot ihm der Baukonzern Heinrich Schmied, der in Deutschland 130 Niederlassungen betreibt und über 5.000 Mitarbeiter beschäftigt. Endler fing 2012 am Standort Chemnitz im Fliesen-Team an. 

 
"Das war eine unglaublich anstrengende Zeit, aber der Einsatz hat sich gelohnt, weil er mir völlig neue berufliche Perspektiven eröffnet hat."
 

Zwar bedeutete das für ihn, in den ersten beiden Jahren wieder in der Montage zu arbeiten, doch dafür winkten zahlreiche Qualifizierungsmöglichkeiten.

Sein Abteilungsleiter entwickelte mit ihm zusammen einen Fünf-Jahres-Plan für die Zukunft. Dieser sah so aus: Endler sollte zunächst seinen Meistertitel machen, dann als Teamleiter der 30-köpfigen Fliesenleger-Mannschaft Berufserfahrung sammeln, ehe er 2023 die Nachfolge des Abteilungsleiter antritt, der dann in Rente geht.

Momentan ist er dafür zwei Tage im Büro und arbeitet sich dort in die Auftragsakquise und Planung ein. Drei Tage überprüft er vor Ort den Stand auf den Baustellen. Manchmal findet er sogar noch die Zeit, selbst kleine Stücke zu fliesen. "Die Liebe zum Handwerk ist immer noch da", sagt der Jungmeister, der auf den Baustellen auch teilweise zwei der fünf Lehrlinge betreut.

"Ich empfinde es als meine Pflicht, mein Wissen weiterzugeben", sagt Endler, der den theoretischen Teil seiner Meisterausbildung in Form von Videokonferenzen absolvierte und dann den praktischen Teil in Vollzeit. "Das war eine unglaublich anstrengende Zeit für mich und meine Familie, aber der Einsatz hat sich gelohnt, weil er mir völlig neue berufliche Perspektiven eröffnet hat."

 Von Robert Iwanetz