Phillipp Hesse / Maler- und Lackierermeister

Wie sind Sie zu Ihrem Beruf gekommen und haben sich dann für "den Meister" entschieden?

Weil ich mich für den Realschulabschluss und nicht für den Weg zum Abitur entschieden habe, fiel der Berufswunsch Arzt, den ich als Kind hatte, schon mal aus. Mit dieser Entscheidung habe ich aber sicher mehr Leben gerettet als mancher Doktor.

Aber Scherz beiseite. Den Weg zum Maler- und Lackiererhandwerk fand ich über die Berufsberatung der Arbeitsagentur. Die hat jeder durchlaufen, der damals unsicher war, wohin die Reise gehen könnte. Autolackierer war gleich der erste Beruf, der aufgrund meiner Interessen vorgeschlagen wurde. Das hat super gepasst, denn ich konnte mein Hobby, die Graffitikunst, mit dem Beruf verbinden. Also habe ich mich um eine Ausbildung bemüht.

Später flackerte während der Arbeit als Geselle immer mal der Gedanke auf, beruflich nach Höherem zu streben. Schließlich habe ich mir einen Ruck gegeben, um mir zu beweisen, dass ich das Zeug zum Meister habe.
 

Blieb während der Meisterschule überhaupt Zeit für Hobbys? Wenn ja, für welche?

Freizeitaktivitäten mussten natürlich hinten anstehen, wenn ich im Meisterkurs saß oder über Skripten gebrütet habe. Aber ich wusste ja, dass das nur eine Episode ist, an deren Ende der Meistertitel steht.

Wenn dann doch mal Zeit war, hatten meine Freizeitaktivitäten trotzdem Bezug zum Beruf. Ich unterstütze Projekte, die Jugendlichen die Graffitikunst nahebringen und gebe meine Kenntnisse und meine Leidenschaft für Farbe und Gestaltung gern weiter. Letzteres mache ich aktuell übrigens auch beruflich. Seit Oktober darf ich als Meister Kurse in einem Bildungszentrum leiten.
 

Was ist das Schönste an Ihrem Beruf

Farbe ist einfach fantastisch. Man kann mit verschiedenen Techniken eine enorme Palette an Farbnuancen erzeugen. Und wenn man sich clever anstellt, werden aus Alltagsgegenständen echte Kunstwerke mit Charakter. Ist der Kunde dann noch zufrieden, bin ich es auch.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Konkrete Planungen bis dahin habe ich nicht, aber vielleicht wartet ja irgendwann die Selbstständigkeit auf mich. Es wäre schon irgendwie reizvoll, einen eigenen Betrieb zu führen, am liebsten im Premiumsegment. Vor meinem inneren Auge sehe ich ein kleines Team, das klassische Lackierungen gepaart mit hochwertigen Smart-Repair-Lösungen und Airbrush-Lösungen anbietet.
 

Welche Themen sollten angepackt werden, damit das Handwerk künftig gut aufgestellt ist?

Das Handwerk bietet abwechslungsreiche Aufgaben und sympathische Teams. Weil Fachleute trotzdem rar sind, wäre es gut, wenn viele Betriebe gegensteuern und sich attraktiver machen, beispielsweise mit modernen Arbeitszeitmodellen, guter Bezahlung und exzellenter Unternehmenskultur.
 

Wem wollen Sie für die Unterstützung während der Meisterschule besonders danken?

Hendrik für die Fahrgemeinschaft und den Support während der Kurse; Bianca, Eric und Sascha für das gemeinsame Lernen. Wolle für den Aufbau der "Meisterwand" und Genc für die Hilfe bei der Kalkulation. Außerdem natürlich meiner Familie. 

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