Martin Hientzsch / Zimmerermeister

Wie sind Sie zum Zimmererberuf gekommen?

Nach dem Abitur stand für mich fest, dass ich nicht studieren will. Zu viel Theorie, zu wenig Praxis. Zum Glück habe ich bei der Ferienarbeit in einer Spenglerei und bei einem Dachdecker festgestellt, dass mir die praktische Arbeit Freude macht. Aber ich habe auch schnell festgestellt, dass mir Metall und Stein als Werkstoffe nicht besonders zusagen. Aber Holz ist einfach nur geil. Außerdem haben mir das Geschick, das Können, die Kraft und der Mut, den ein Zimmermann braucht, imponiert. Ich wollte auch einer von ihnen sein, mir ihre Werte und Traditionen aneignen.
 

Was ist für Sie das Schönste an Ihrem Beruf?

Der Duft des Holzes. Die ehrliche Erschöpfung. Die Anerkennung der erbrachten Arbeit und das Gefühl, etwas Sinnvolles und Dauerhaftes erschaffen zu haben. Das Hochgefühl, das man empfindet, wenn man an historischen Bauwerken arbeitet, weil man sich in eine Reihe von Handwerkern einordnet und Teil der Geschichte wird. Es ist schwierig einen Einzelaspekt zu benennen. Ich habe den Großteil meiner Zeit im Beruf auf Dächer von Kirchen, Schlössern und Klöstern verbracht, vom Theater in Celle bis zum Schloss Salem am Bodensee. Jedes einzelne Dach, an dem man gemeinsam mit Kollegen gearbeitet hat, macht mich ein wenig stolz.

Was hat Ihnen die Meisterausbildung gebracht?

Neben den Fachkenntnissen natürlich Stress, Schulden und graue Haare. Man hat sich aber auch persönlich weiterentwickelt, weil man an seine Grenzen gestoßen ist und sie überwinden musste. Außerdem hat man Kontakte geknüpft, auf die man später vielleicht zurückgreifen kann, wenn man fachliche Hilfe benötigt.
 

Welche Themen sollte die Politik anpacken, damit das Handwerk künftig gut aufgestellt ist?

Man sollte nicht alles auf die Politik abwälzen und die Verantwortung bei anderen zu suchen. Es gilt, eigene Ideen und Lösungen zu entwickeln, nur so ist man glaubhaft und interessant. Qualitätsarbeit gepaart mit Weltoffenheit und Mut zur Innovation sollten dafür sorgen, dass das Handwerk auch für die Zukunft gut gerüstet ist.

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