Marcel Ahrenholz / Tischlermeister

Wie kamen Sie auf die Idee, Tischlermeister zu werden?

Das lief bei mir nicht ganz nach dem geradlinigen Schema "Schule – Lehre – Berufsabschluss – Meisterqualifikation" ab, weil sich der Berufswunsch bei mir erst mit der Zeit manifestiert hat. Nach dem Abitur habe ich nämlich ein Filmstudium absolviert und war als freischaffender Filmregisseur und Autor tätig. Das war eine sehr schöne und kreative Zeit.

Irgendwann erschien mir die Filmbranche aber zu weit weg vom echten Leben. Und so habe ich mich entschlossen, etwas Realeres anzugehen. Das Erlangen des Meistertitels war und ist wichtig für mich, um gestalterische Visionen gut umsetzen zu können. Außerdem will ich meine Leidenschaft für dieses einzigartige Handwerk gern an künftige Tischler weitergeben können – am liebsten in meiner eigenen Möbelwerkstatt.
 

Was ist für Sie das Schönste am "neuen" Beruf und auf welche Dinge könnten Sie verzichten?

Das Schönste ist auf jeden Fall die Arbeit mit dem Werkstoff. Ich bin jeden Tag aufs Neue fasziniert von der Vielfältigkeit, der Schönheit aber auch von den Herausforderungen, die das Holz bereithält.

Als Tischler habe ich die Chance aber auch die Pflicht, einem Baum ein zweites Leben zu schenken – und zwar in Form eines außergewöhnlichen und einmaligen Möbels. Dieser Prozess des Gestaltens und Herausarbeitens gibt mir viel Freiheit aber auch Verantwortung.

Was mir weniger gefällt, ist der allgemeine Trend der Technisierung – nicht nur im Tischlerhandwerk. Traditionelle handwerkliche Fertigkeiten werden vor dem Hintergrund immer günstigerer Produktionsmethoden seltener angewandt. Dadurch entsteht viel Massenware und jahrhundertealtes Wissen geht Stück für Stück verloren.
  

Blieb während der Meisterausbildung überhaupt Zeit für Hobbys?

Ich interessiere mich sehr für die japanische Geschichte, Kultur und Ästhetik. Dieser Passion konnte ich im Jahr der Meisterfortbildung nur eingeschränkt nachgehen.

Im handwerklichen Bereich haben sich die fernöstlichen Einflüsse dafür umso intensiver ausgewirkt. Ich konnte vieles in mein Meisterstück einbringen. Und ich habe vor zwei Jahren mit dem Drechseln begonnen. Durch den Kurs hat auch hier die Zeit gefehlt, aber das soll sich jetzt wieder ändern.
 

Was hat Ihnen die Meisterschule (bisher) zusätzlich zur Fachqualifikation gebracht?

Ich habe viele Denkanstöße für meine Arbeit bekommen. Außerdem habe ich viele neue Menschen mit spannenden Lebensgeschichten kennengelernt – aus meinem und aus fremden Gewerken. Manche sind sogar zu neuen Freunden geworden. Das war und ist persönlich sehr bereichernd.

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