Gestalten Sie die Selbstverwaltung im Handwerk mit!

Im Sommer wird die nächste Vollversammlung der Handwerkskammer gewählt. Für das »Parlament des Handwerks« werden Arbeitgeber und Arbeitnehmer gesucht, die maßgeblich Einfluss auf die Ausrichtung der Politik ihrer Handwerkskammer nehmen möchten. Mitglieder der aktuellen Vollversammlung geben im Interview Einblicke in deren Arbeit.

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Engagierte Arbeitnehmer und Arbeitgeber gesucht

Im Sommer endet die Amtsperiode der Vollversammlung der Handwerkskammer. Es stehen Neuwahlen für das oberste Organ der Kammer an. Das »Parlament des Handwerks« besteht aus 36 Mitgliedern und setzt sich zu zwei Dritteln aus selbstständigen handwerklichen Unternehmerinnen und Unternehmern und zu einem Drittel aus Vertretern der Arbeitnehmerseite zusammen.

Im »Parlament des Handwerks« nehmen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gemeinsam Einfluss auf die Ausrichtung der Politik ihrer Handwerkskammer.

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 Wahlaufruf

Offizieller Wahlaufruf zur Wahl der Mitglieder der Vollversammlung der Handwerkskammer zu Leipzig 2026 mit der Aufforderung zur Einreichung von Wahlvorschlägen. / Amtliche Bekanntmachung vom 14. November 2025Wahlaufruf: Wahl der Mitglieder der Vollversammlung 2026

Über die Beteiligung der Arbeitnehmer werden – im Unterschied zu anderen Wirtschaftskammern – auch die Interessen der angestellten Meister, Gesellen und Lehrlinge in den Betrieben gebührend berücksichtigt. Dies ist logisch, wenn man bedenkt, dass nicht nur die Betriebsinhaber Mitglieder der Handwerkskammer sind, sondern auch alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.

Schon Ende 2025 wurden im Newsletter zwei Vollversammlungsmitglieder zu ihrem ehrenamtlichen Engagement in diesem Gremium interviewt. In dieser Ausgabe kommen zwei weitere Personen zu Wort und geben Einblicke in die Arbeit der Vollversammlung.
 

Anika Dollmeyer

Kerstin Frühauf | Vertreterin der Arbeitnehmerseite und Mitglied im Berufsbildungsausschuss, Zahntechnikerin aus Krostitz

Wie lange sind Sie schon Mitglied in der Vollversammlung?

Seit der letzten Wahl im Jahr 2021.
 

Wie sind Sie dorthin gekommen?

Ich war damals noch im Betriebsrat bei einem anderen Unternehmen. Dort hatte ich viel Kontakt mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund. Von dem kam eines Tages die Anfrage, ob sich jemand von uns für die Vollversammlung als A-Ersatzmitglied zur Wahl stellen würde. Ich hatte mich dann bereiterklärt und bin dann für die Wahl aufgestellt worden. Und dann ging alles seinen normalen Weg. 
 

Dann war die Mitgliedschaft in der Vollversammlung Neuland für Sie. Wie schnell oder wie gut haben Sie die anderen Mitglieder kennengelernt?

Ich habe vor dieser Arbeit tatsächlich niemanden gekannt. Es war also alles Neuland. Ich habe durch die Sitzungen und die Klausurtagung der Arbeitnehmer viel gelernt. Dort wurde dann aufgeschlüsselt, was eigentlich wie funktioniert und wer wo Mitspracherecht hat. Und am Anfang musste ich natürlich viel nachfragen, um auch in unserem Sinne Entscheidungen mit treffen zu können. Aber das hat auch gut geholfen, miteinander zu reden und sich gegenseitig kennenzulernen. Es ging also recht
schnell, dass ich da reinwachsen konnte und dann auch selbstständiger geworden bin.

»Am Anfang musste ich natürlich viel nachfragen, um auch in unserem Sinne Entscheidungen mit treffen zu können.«

Sie müssen auch über fachfremde Themen abstimmen. Wie schwer oder leicht fällt das?

Ich finde das nicht besonders schwierig. Es gibt im Vorfeld Material zum Einlesen, mit dem man sich auch als fachfremde Person eine Meinung bilden kann. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, im Vorfeld oder während der Vollversammlung auch noch einmal nachzufragen. Aber eigentlich ist immer ganz gut erklärt, worum es genau geht. Man muss vorher aber auf jeden Fall in die Unterlagen reinschauen. Und wenn es um eigene Fachthemen geht, ist man ja sowieso sattelfest.
 

Wie sieht es mit der Nachbereitung aus? Wie aufwändig ist das?

Das hält sich sehr in Grenzen. Ich lese die Protokolle im Nachgang durch, und das reicht in der Regel aus. Manchmal gibt es Einzelfälle, die noch ein bisschen Nacharbeit verursachen, aber das ist eher die Ausnahme.
 

Was macht Ihnen Spaß an der Arbeit in der Vollversammlung, und warum lohnt sich das Engagement?

Ich finde es gut, dass man sich einbringen kann, dass man das Gefühl hat, etwas bewirken zu können. Und man erweitert seinen Horizont, trifft andere Leute, hört, wie es bei ihnen auf Arbeit läuft und ist damit auf dem aktuellen Stand der Dinge. Man schwebt nicht mehr so in seiner eigenen Blase.
 

Haben Sie Wünsche oder Verbesserungsvorschläge?

Ich fände es gut, wenn wir in der Vollversammlung – wie bereits im Berufsbildungsausschuss – noch mehr mit der Cloud arbeiten würden und dadurch den Papierkram noch mehr reduzieren.

 

Anika Dollmeyer

Jens Schäffer | Vertreter der Arbeitgeberseite, Dachdeckermeister aus Leipzig

Wie sind Sie Vollversammlungsmitglied geworden?

Seit 1990 bin ich in unserer Region für das Handwerk aktiv. Angefangen habe ich mit der Meisterausbildung, später habe ich mich zum Gutachter qualifiziert und auch bei der Ausbildung engagiert. So war ich immer im Kontakt mit der Innung und der Handwerkskammer und kannte die Abläufe und Regularien. Ich habe beispielsweise die Beschlüsse immer sehr aufmerksam verfolgt. Für mich gilt stets: Ich reagiere ungern, ich bin lieber jemand, der handelt. Deshalb möchte ich auch aktiv Einfluss nehmen. Eines Tages hat mich Claus Gröhn (ehemaliger Handwerkskammerpräsident) gefragt, ob ich mich nicht noch direkter einbringen möchte – und ich habe nicht lange gezögert, sondern schnell zugesagt.
 

Sie erwähnen das Thema Einfluss: Ist es das, was Ihnen hauptsächlich Spaß an der Arbeit macht?

Ich sehe mich als Vertreter meiner Berufskolleginnen und -kollegen und setze mich mit großer Leidenschaft für ihre Belange ein. Gerade das Thema Pflichtmitgliedschaft ist oft Anlass für lebhafte Diskussionen – dabei ist es mir ein echtes Anliegen, alle dazu zu motivieren, sich aktiv einzubringen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. Die Aufgabe empfinde ich als echte
Berufung, insbesondere, weil mir meine Kollegen so viel Vertrauen schenken. In der Vollversammlung habe ich die Chance, die Sichtweise des Dachdeckers stellvertretend für unser gesamtes Handwerk einzubringen und gemeinsam die Zukunft zu gestalten.
 

Erfahren Sie auch viel von anderen Gewerken?

Wir sind ein kleiner Teil im Gefüge des gesamten Handwerksverbands. Mein Handwerksberuf prägt natürlich meinen Arbeitsalltag, doch darüber hinaus fühle ich mich dem gesamten Handwerk verbunden. Daher sehe ich es als meine Aufgabe an, mich aktiv in die verschiedenen Gremien einzubringen – insbesondere auch hier in der Vollversammlung. Dabei richte ich meinen Blick stets auf die Zukunft des Handwerks. An dieser Entwicklung mitwirken zu dürfen, empfinde ich als eine große
und verantwortungsvolle Aufgabe.

»Es ist essenziell, dass wir den verschiedenen Parteien unsere Anliegen und Herausforderungen offenlegen.«

Was ist Ihnen sonst noch wichtig an dieser Arbeit?

Die politische Mitgestaltung zugunsten des Handwerks ist für mich von großer Bedeutung. Es ist essenziell, dass wir den verschiedenen Parteien unsere Anliegen und Herausforderungen offenlegen und uns konsequent für die Interessen des Handwerks einsetzen. Ebenso halte ich es für wichtig, bei der Ausgestaltung von Förderprogrammen, bei wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und bei der Handwerksordnung aktiv mitzuwirken und unsere Stimme einzubringen.
 

Wie viel Zeit planen Sie für die Arbeit in der Vollversammlung ein?

Für die Vorbereitung benötige ich in der Regel drei bis fünf Stunden, um sämtliche Unterlagen gründlich zu lesen. Hinzu kommt dann noch die eigentliche Sitzungszeit. Ich würde mir wünschen, dass die Abläufe weiter digitalisiert werden, sodass ich keine Papierdokumente mehr mitbringen muss, sondern alle Unterlagen digital ablegen und bearbeiten kann.
 

privat

Andreas Stiller | Vertreter der Arbeitnehmerseite im Vorstand und Kraftfahrzeugmechanikermeister aus Leipzig

Herr Stiller, Sie sind ja nicht nur Mitglied der Vollversammlung, sondern auch Vorstandsmitglied. Welche Aufgaben hat man da und was kommt auf einen zu?

Erst einmal hat man ja schon die Erfahrung aus der Vollversammlung. In der Regel sind das ein paar Jahre Vollversammlungsarbeit. Damit kennt man schon die Strukturen der Handwerkskammer. Im Vorstand selbst werden dann alle Entscheidungen getroffen, die die Zukunft der Kammer betreffen. Diese sind vom Hauptamt vorbereitet und betreffen Themen wie Personalentscheidungen, Themen der Ausbildung oder Prüfung.
 

Wie kommt man in die Vollversammlung? Muss man Wahlkampf betreiben?

Stiller: Nein. Das ist unkompliziert. Es funktioniert alles über die Bereitschaft, sich gesellschaftlich fürs Handwerk zu engagieren – egal ob Arbeitnehmer oder Arbeitgeber. Mein Weg in die Vollversammlung kam durch meine Mitarbeit im Prüfungsausschuss. Ich habe dann einfach Kontakt zur Handwerkskammer aufgenommen und mich um einen Platz auf der Wahlliste beworben.
 

Wie viel Zeit wenden Sie für diese Arbeit auf?

Wir haben in der Regel zwei Sitzungen im Jahr, die wir in Präsenz durchführen und eine Klausur. Dazu kommt die Vor- und die Nachbereitung und Abstimmung hinsichtlich – in meinem Fall – arbeitnehmerrelevanter Themen. Wenn wir ein ganzes Jahr betrachten, sind das dann maximal fünf bis zehn Tage. Die Sitzungen beginnen in der Regel nachmittags gegen 15 Uhr, sodass man sie in einen normalen Arbeitstag mit einbauen kann. Es ist also machbar.

»Mein Ratschlag: Einfach machen, weil es eine spannende Tätigkeit ist.«

Welchen Ratschlag haben Sie für potenzielle Kandidaten der nächsten Wahl?

Da fällt mir der Handwerks-Hashtag ein: #einfachmachen. Es gibt Unterstützung, es ist kein Haifischbecken, in das man reingeht. Es ist ein Miteinander in der Leipziger Struktur zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Natürlich gibt es auch einmal Dispute, aber am Ende finden wir eine gute Lösung für alle. Deswegen mein Ratschlag: einfach machen, weil es eine spannende Tätigkeit ist.
 

Was macht Ihnen am meisten Spaß an der Aufgabe?

Meine Arbeit im Berufsbildungsausschuss, weil es da um eine originäre Aufgabe der Kammer geht. Ein Stück weit die Ausbildung für die Betriebe zu übernehmen, Prüfungsausschüsse zu bilden, das ist wichtig für die Zukunft des Handwerks. Und es ist abwechslungsreich durch wechselnde Gesetzgebung oder aktuelle Entwicklungen, wie die Integration von Geflüchteten.
 

Anika Dollmeyer

Heidrun Weiße | Vertreterin der Arbeitgeberseite, Kosmetikerin und Mitglied im Rechnungsprüfungsausschuss

Wie hoch ist der Zeitumfang oder der Aufwand, den man als Mitglied der Vollversammlung im Laufe eines Jahres investiert?

Das sind tatsächlich nur zwei Versammlungstermine im Jahr plus die Zeit der Vor- und gegebenenfalls Nachbereitung. Das ist also überschaubar. Man erhält im Vorfeld die Unterlagen zu allen Themen, die dann besprochen werden. Da lese ich mich ein. Aber das ist in ein oder zwei Stunden auch getan.
 

Wie sind Sie selbst in die Vollversammlung gekommen?

Das ist mehr oder weniger über meinen Vater entstanden. Er war damals Vizepräsident und hat altersbedingt sein Amt abgegeben. Da junge Leute als »Nachwuchs« gebraucht wurden, hat er mich eines Tages angesprochen, ob ich mir nicht vorstellen könnte, mich zur Wahl für die Vollversammlung aufzustellen. Da mein Sohn zu dem Zeitpunkt schon älter und selbstständiger war, habe ich die Herausforderung angenommen. Ich habe mich dann auf die Wahlliste setzen lassen und bin auch gewählt worden.
 

»Damals« klingt schon nach einem längeren Zeitraum …?

Ich bin mir gar nicht so sicher, aber ungefähr zwanzig Jahre müssten es jetzt schon sein. Ich habe dann auch noch den Rechnungsprüfungsausschuss unterstützt und das mache ich auch ungefähr so lange.
 

Heißt das, es gibt eine ungeschriebene Regel, wenn man in der Vollversammlung ist, dass man auch immer noch in irgendeinem der Ausschüsse sitzt?

Nein. Das habe ich angefangen, weil das Amt eben auch noch zu besetzen und die Termine gut planbar sind, sodass ich das mit den beruflichen Terminen und meiner Familie gut vereinbaren kann.
 

Was macht Ihnen Spaß an dieser Arbeit?

Man kommt einfach mal aus der eigenen Sichtweise raus und sieht auch mal das große Ganze hinter dem, was jeder so macht. Auch der Austausch mit anderen Gewerken und wie es anderen mit ihrem Handwerk so geht, ist immer interessant.

»Es ist unheimlich wichtig, dass sich möglichst viele verschiedene Menschen einbringen.«

Haben Sie noch eine Botschaft, die Sie künftigen Kandidaten für die Vollversammlung auf den Weg geben möchten?

Es ist unheimlich wichtig, dass sich möglichst viele verschiedene Menschen einbringen, denn sonst funktioniert die ganze Kammer und die Ausbildung nicht. Das Ehrenamt ist im Prinzip das Fundament dieses ganzen Hauses.
 

Videoclip: Die Vollversammlung der Handwerkskammer kurz erklärt


Zu den Aufgaben der für fünf Jahre gewählten Vollversammlung gehören insbesondere die Wahl der Hauptgeschäftsführung, das Einsetzen von Ausschüssen sowie das Aufstellen des Wirtschaftsplanes. Arbeitsschwerpunkte der Vollversammlung sind unter anderem die Berufsausbildung und ihre Überwachung, das Prüfungswesen sowie Gewerbeförderungsmaßnahmen der Handwerkskammer.

Die Vollversammlung hält jährlich zwei ordentliche öffentliche Sitzungen ab. Die Tätigkeit in der Vollversammlung erfolgt ehrenamtlich, Zeitaufwand wird jedoch über Aufwandsentschädigungen kompensiert. Ist ein Mitglied der Vollversammlung verhindert, hat es zwei Stellvertreter.

Kontakt

Marco Kitzing

Anett Fritzsche

Pressesprecherin

Dresdner Straße 11/13

04103 Leipzig

Tel. 0341 2188-155

Fax 0341 2188-25155

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Markus Richter

Abteilungsleiter Recht und Organisation

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