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Gesellenbrief "to go" für den "Corona-Jahrgang"

487 junge Leute aus 46 Berufen haben die Ausbildung im Handwerk der Region erfolgreich abgeschlossen

19. August 2020 | Endspurt zum Gesellenbrief trotz Pandemie bewältigt? Das muss gefeiert werden. Doch wie kann das Handwerk in Coronazeiten zeigen, dass es stolz auf die Leistungen des Berufsnachwuchses ist? Die Handwerkskammer organisiert deshalb eine Open-Air-Freisprechungsfeier in Form eines Autokinos.

"Ein klassischer Festakt mit vielen Menschen auf engem Raum, Gratulationen von Kollegen und Umarmungen von Freunden sind bis auf weiteres ausgeschlossen. Aber gerade der 'Corona-Jahrgang' verdient eine besondere Würdigung", kommentiert Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig. Trotz Betriebsschließungen, Kontaktsperren und eingeschränkter Prüfungsvorbereitung hätten sich die jungen Wilden durchgekämpft und unter schwierigen Bedingungen bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen.

"Es wäre unwürdig gewesen, Gesellenbriefe und Abschlusszeugnisse einfach anonym per Post zu versenden. Hier geht es um unseren Nachwuchs im Handwerk, um die Macher und Unternehmer von Morgen. Deshalb wagen wir ein außergewöhnliches Eventkonzept und führen die Freisprechung in Form eines Autokinos durch", sagt Gröhn.

Für das Event wird auf dem Gelände der Leipziger Kleinmesse ein Autokino aufgebaut. So kann trotz der Corona-Einschränkungen eine Feier stattfinden, die für die 487 jungen Leute aus 46 Gewerken lange in positiver Erinnerung bleibt. Die frisch gebackenen Gesellinnen und Gesellen reisen per Pkw an und bringen ihre Liebsten mit. Showprogramm und Grußworte - unter anderem von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer - werden live auf Großbildleinwänden übertragen. Für die Übergabe der Prüfungszeugnisse und Gesellenbriefe muss nur kurz die Seitenscheibe heruntergekurbelt werden.

Unter den Gesellinnen und Gesellen, die im Sommer ihre Ausbildung in einem Unternehmen der Region erfolgreich abgeschlossen haben, sind die jungen Fachkräfte in den Berufen Maler und Lackierer (47), Friseur (42), Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk (29), Schornsteinfeger (25), Tischler (26) und Gebäudereiniger (18) am stärksten vertreten. Ein Drittel der jungen Fachleute (166) des Jahrgangs ist weiblich.

Die Tradition der Freisprechung stammt übrigens noch aus der Zeit der Zünfte und hat sich im Handwerk bis auf den heutigen Tag gehalten. Schon damals wurden Lehrlinge am Ende der Ausbildung "frei von Lehre und Vertrag" gegeben und damit in den Gesellenstand erhoben.

Pressemitteilung vom 19. August 2020

Kurzporträts von Gesellinnen und Gesellen des Jahrgangs

 
Ausbildungsbetrieb:
Frank Seidel / Heizung-Sanitär-Wartung (Borsdorf)
 

Dass Sebastian Hanzig jetzt Handwerksgeselle im Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikerhandwerk ist, war eher Zufall. Eigentlich startete seine Karriere mit einer Lehre in einem anderen Job. Doch das funktionierte irgendwie nicht. Also musste er sich gleich zu Beginn ganz neu orientieren.

Als er den kurzen Schock überwunden hatte, rief er eine SHK-Firma im Nachbarort an, die gerade auf der Suche nach motiviertem Nachwuchs war. Bingo! "Nach einer Woche Praktikum wurde mir gleich der Ausbildungsvertrag in die Hand gedrückt. Seitdem bin ich im Betrieb", sagt der junge Fachhandwerker.

Bei aller Leidenschaft für den Job, stellten die Abschlussprüfungen aber dennoch eine ziemlich harte Nuss dar. "Vor allem der schriftliche Teil hat mir einiges abverlangt, weil es in der Berufsschule etwas schwierig lief." Mitunter gab es Ausfall und manchmal war auch die Klasse ziemlich laut. Aber mit viel Lernbereitschaft und dem Ziel vor Augen, bald den Gesellenbrief in der Tasche zu haben, hat er sich durchgekämpft.

Jetzt ist Hanzig froh, als Mann der Praxis endlich wieder reale Probleme auf den Baustellen lösen zu können. "Das macht viel Spaß, man weiß am Ende des Tages, was man gemacht hat und es ist immer sehr abwechslungsreich."

Anlagenmechaniker Sebastian Hanzig 2020. Bild: www.nikado.de
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Ausbildungsbetrieb:
Unternehmen Bernd Bubnick (Trebsen)
 

Als junge Frau in einem männerdominierten Bereich hat sich die 21-jährige Stuckateurin Virginia Venohr bewiesen.

"Wir waren zwei Mädchen in der Berufsschulklasse, der Rest war männlich, aber das hat mich nie gestört. Ich habe mich auch schnell daran gewöhnt, dass man auf den Baustellen schon mal ordentlich mit anpacken muss", sagt sie. "Außerdem war ich schon immer handwerklich begabt und habe früh gemerkt, dass Büroarbeit nichts für mich ist. In meiner Jugend hatte ich deshalb eigentlich den Traum, im Zoo zu arbeiten. Aber wegen der besseren Jobchancen habe ich mich dann anders orientiert", sagt sie.

Bei der Handwerksmesse in Leipzig hat sie den Kontakt zum Ausbildungsbetrieb geknüpft und gleich ein Praktikum vereinbart. Anschließend ging die dreijährige Lehrzeit los, nach der sie übernommen wurde.

"Die Lehre war sehr abwechslungsreich. In unserer Firma mauern wir, machen Lehmputz, stellen Stuck her oder restaurieren. Wir machen wirklich besondere Sachen und viel altes Zeug, das nur noch wenige Betriebe beherrschen. Das macht uns auch ein bisschen besonders", sagt Venohr und ist stolz darauf, dass sie während der Ausbildung an vielen Bereichen von Schlössern und Kirchen mitarbeiten durfte, an die man nicht so leicht hinkommt.

Der Weg zu den Abschlussprüfungen wurde durch die Coronapandemie zum Glück nur wenig beeinflusst. Zwar sei die Schule oft ausgefallen, aber die Lehrer hätten versucht, alles nachzuholen und die Themen wirklich gut erklärt. Ansonsten wären im Berufsalltag hauptsächlich die Abstandsregelungen auf den Baustellen zu beachten gewesen.

Stuckateurin Virginia Venohr 2020. Bild: www.nikado.de
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Ausbildungsbetrieb:
Zahntechnik Leipzig Inhaber Henry Goepel e.K. (Leipzig)
 

Eigentlich dauert die Ausbildung zum Zahntechniker 3,5 Jahre und Jonas Schneider hätte seine Gesellenprüfung erst im Winter absolvieren können. Weil er aber ein echtes Talent für seinen Job hat und die Zwischenprüfung mit Note 1 absolvierte, konnte er seine Lehrzeit um ein halbes Jahr verkürzen.

Aber auch bei aller Begabung und viel Fleiß waren die Prüfungsvorbereitung und der Gesellenabschluss während der Corona-Pandemie kein Selbstläufer. "Ich war eigentlich die ganze Zeit arbeiten. Weil einige Kollegen in Kurzarbeit waren, musste ich deshalb auch mal einige ihrer Aufgaben übernehmen. Aber auch das ist nicht weiter schlimm, wenn einem die Arbeit Spaß macht", sagt der 24-Jährige.

Das Interesse für den Beruf hat Schneider im Pflichtpraktikum während der Schulzeit entdeckt. Er schaute hinter die Kulissen einer Zahnarztpraxis und machte dabei eine Stippvisite in einem Zahntechniklabor. Von der Abwechslung, die der Beruf mit sich bringt, war er hellauf begeistert. Also ging es nach dem Abitur nicht zum Studium, sondern ins Handwerk.

"Ich habe überlegt, ob ich Zahnmedizin studiere, habe mich aber dafür entschieden eine Ausbildung zu machen. Damit habe ich erstmal eine solide Grundlage. Ob ich irgendwann doch noch studieren will, entscheide ich später."

Zahntechniker Jonas Schneider
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Ausbildungsbetrieb:
Katrin Seemann und Karolin Köhler-Scholz GbR (Leipzig)
 

Auch Jenny Thaßler ist eine von 487 jungen Handwerkerinnen und Handwerkern, die in der Region Leipzig im Corona-Sommer ihre Lehre erfolgreich abgeschlossen haben. Dass sie in einem Job im Friseur- und Beautysegment ihre berufliche Erfüllung finden würde, war ihr seit Klasse 7 klar. Dieses Ziel hat sie nach dem Schulabschluss fest im Blick behalten.

„Ich bin einfach nicht der Mensch, der den ganzen Tag im Büro arbeiten könnte. Das stelle ich mir zu langweilig vor. Mir liegt eher das Kreative und der Kontakt zu anderen Menschen. Deshalb gefällt es mir auch besonders, wenn sich Kundinnen eine Coloration wünschen und ich dann Verschiedenes kombinieren kann.

Unterschiedliche Farbnuancen oder Strähnen können einen Menschen einen ganz neuen Look verpassen. Am Anfang hatte ich dabei aber etwas Lampenfieber und habe immer gehofft, dass beim Färben alles klappt. Mit etwas Erfahrung weiß man aber, welche Farben zu einem Menschen passen und kann diese routiniert mischen“

Jetzt hat Jenny Thaßler einen Arbeitsvertrag im Salon unterschrieben, der sie auf der Zielgerade zum Abschluss als Gesellin begleitet und unterstützt hat. Sie will Erfahrungen sammeln und mit stetiger Weiterbildung ihre Kenntnisse ausbauen – auch in den Bereichen Kosmetik, Make-up, Nageldesign und -pflege. Und irgendwann steht vielleicht die Meisterschule auf der Agenda.

Friseurin Jenny Thaßler
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Ausbildungsbetrieb:
Audi Leipzig GmbH (Leipzig)
 

Gleich den zweiten Gesellenbrief hat Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker Patrick Janitzki ab sofort in der Tasche. Die Erstausbildung zum Bodenleger hat ihm viele Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt. Doch nachdem er seine erste Lehre als bester Lehrling in ganz Sachsen abgeschlossen hatte, öffneten sich plötzlich neue Türen.

Von da an standen Karosserieinstandsetzung, Schweißen, Richtbank aufbauen usw. auf dem Programm. Zudem besuchte der aufstrebende Fahrzeugexperte diverse Lehrgänge im Bildungs- und Technologiezentrum der Leipziger Handwerkskammer, die ihn mit essentiellem Know-how für den Beruf versorgten.

Patrick Janitzki hat seine Ausbildung vorzeitig erfolgreich abgeschlossen. Mit dem Abschluss hat der 28-Jährige auch schon eine neue Perspektive vor Augen.

Seine berufliche Zukunft hat er bei einem Autohaus mit Werkstatt in der Messestadt gefunden. Dort wird er sich nicht auf den Lorbeeren des Gesellenabschlusses ausruhen können, sondern sich zum Kfz-Mechaniker weiterqualifizieren und eine Karosserieabteilung aufbauen. Das nötige Rüstzeug und Selbstvertrauen hat der sympathische Fachmann auf jeden Fall im Gepäck.

Und weil scheinbar Benzin in seinen Adern fließt, geht Patrick Janitzki auch künftig nach getaner Arbeit Motorrad fahren, engagiert sich im Motorradclub oder schraubt in der eigenen Hobbywerkstatt an seinen Fahrzeugen.

Patrick Janitzki Karosserie- und Fahrzeugbaumechaniker 2020. Bild: www.nikado.de
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Ausbildungsbetrieb:
Bäckerei Krätzer GmbH (Leipzig)
 

Seit der Gewöhnung an den Tagesrhythmus einer Bäckerei sorgen Marie Großmann und Bich-Thao Van bei nächtlichen Arbeitseinsätzen dafür, dass Doppelbrötchen, Roggenbrote, Sandtaler, Bienenstich uvm. auf die Tische der Leipziger kommen.

"Gerade zur Faschingszeit mussten wir schon am Vortag 23 Uhr in der Backstube stehen, damit wir die vielen Pfannkuchen rechtzeitig fertigbekommen", sagt Van. "Aber wegen der tollen Arbeitsatmosphäre im Betrieb kann man auch solche Stresszeiten leicht verschmerzen", ergänzt Großmann.

Die beiden frisch gebackenen Gesellinnen wurden vom Lehrbetrieb übernommen. Doch während Marie Großmann, die während eines Praktikums in der Bäckerei auf den Geschmack gekommen ist, der Backstube treu bleibt, darf Bich-Thao Van künftig etwas länger schlafen.

Sie wechselt hinter den Backwarentresen und kann der Kundschaft im Detail erklären, was die süßen und herzhaften Produkte enthalten.

Auch das Lehrlingsduo hatte auf dem Weg zum Berufsabschluss kleinere Rückschläge durch die COVID-19-Pandemie zu bewältigen. Während sich in der Backstube nur wenig geändert hat, fielen die Berufsschule und damit Teile der Prüfungsvorbereitung natürlich aus. Für die gesamte Prüfungsklasse hieß es deshalb, intensiv im Selbststudium pauken, um im Theorieteil zu bestehen. Im praktischen Teil der Prüfung mussten dann beispielsweise zwei zufällig zugeloste Brotsorten und eine Torte gebacken werden.

Die ersten Gehälter als ausgebildete Fachkräfte wollen beide nun in den Führerschein beziehungsweise in ein eigenes Auto investieren.

Marie Großmann und Bich-Thao Van Bäckerinnen. Bild: www.nikado.de
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Hagen Reißmann

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