Fiete Grählert / Schornsteinfegermeister

graehlert
Robert Iwanetz
 

Warten auf den richtigen Kehrbezirk

 

Nach Eilenburg, rund 25 Kilometer nordöstlich von Leipzig, verschlug es Fiete Grählert eher zufällig. Ursprünglich stammt er aus Barth, direkt an der Ostseeküste. Nach seinem Abitur wollte er Tischler werden. Doch ein passender Ausbildungsbetrieb, der mehr bot, als im Akkord zu fräsen oder Kunststofffenster zu montieren, fand sich nicht.
 

Täglich in unterschiedliche Lebenswelten eintauchen

So landete er bei Ronny Seidewitz, Schornsteinfegermeister und Bekannter seiner Eltern, wo er seitdem sein gesamtes Berufs-
leben als Schornsteinfeger verbracht hat.

Als frischgebackener Jungmeister besucht er am Tag bis zu 20 Kunden. Er reinigt für sie die Schornsteine, überprüft Heizungsanlagen und führt Abgas- und Immissionsschutzmessungen durch. Die Daten trägt er direkt in eine spezielle Software auf seinem Tablet ein. "Man taucht jeden Tag in völlig unterschiedliche Lebenswelten ein, dadurch ist es ein sehr abwechslungsreicher Job", erzählt Fiete Grählert.

Auch die große Tradition in seinem Handwerk gefällt ihm gut. So ist der 26-Jährige – zumindest in der kälteren Jahreshälfte – in Zunftkleidung unterwegs. Da Schornsteinfeger seit Jahrhunderten als Glücksbringer gelten, komme es deshalb schon mal vor, dass ihn wildfremde Menschen anfassen wollen.

Dass er am Ende Schornsteinfeger und nicht Tischler geworden ist, hat ihn nie gestört – auch wenn er in seiner Freizeit noch immer gern mit Holz arbeitet. "Ich habe hier viele Freiheiten im Alltag, kann mir meine Arbeit selbst einteilen und wurde in meiner Entwicklung immer unterstützt", sagt Fiete Grählert über seine Anstellung in Eilenburg, bei der er 2014 nach seiner verkürzten Lehre direkt übernommen wurde. 

Sein Chef Ronny Seidewitz bekräftigte ihn auch in seinem Entschluss, ein Jahr später direkt mit der Meisterausbildung zu beginnen.

 

Eine lehrreiche, aber auch sehr anstrengende Zeit

Den theoretischen Teil des Meisterkurses absolvierte er nebenberuflich in Erfurt, den praktischen Teil anschließend in Vollzeit in Leipzig. "Es war eine sehr lehrreiche Zeit, aber auch sehr anstrengend", sagt Fiete Grählert. Teilweise musste er mehrere Monate im Vorfeld herausarbeiten und seinen gesamten Urlaub hergeben, um durch die Zeit an der Meisterschule keine Lohnausfälle zu riskieren. Doch das alles ordnete er seinem großen Wunsch unter, sich einmal selbstständig machen zu können.

Dafür bildet sich Fiete Grählert auch jetzt noch ständig weiter. Der Jungmeister ist mittlerweile selbst Dozent an der Handwerksschule Erfurt, engagiert sich ehrenamtlich im Berufsverband der Schornsteinfeger und ließ sich als Gebäudeenergieberater zertifizieren – auch um am Ende möglichst viele Befähigungspunkte zu haben, wenn es darauf ankommt. Denn eigene Kehrbezirke im Schornsteinfegerwesen werden nach einem speziellen Bewertungsschlüssel vergeben, für den neben Berufserfahrung und Abschlussnoten auch Weiterbildungsmaßnahmen relevant sind.

Für Fiete Grählert heißt jetzt erstmal abwarten. Bis ein geeigneter Kehrbezirk frei wird. "Der kann in Sachsen sein, aber noch lieber wäre mir einer in meiner Heimat an der Ostsee." Es muss im Gesamtpaket passen. 

 Von Robert Iwanetz