Felix Carsten Zieger / Fleischermeister

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Warum haben Sie für eine Lehre im Fleischerhandwerk entschieden?

Eine schwere Entscheidung war es nicht, denn im Grunde wurde ich in den Beruf hineingeboren. Mein Vater ist ebenfalls Fleischermeister. Ihm wollte ich schon als Kind nacheifern. Der kindliche Wunsch ist aber nicht verblasst, wie bei vielen anderen, die vielleicht Astronaut oder Baggerfahrer werden wollten. Vielmehr konnte ich regelmäßig hinter die Kulissen des Fleischerhandwerks blicken.

Die Mischung aus Tradition und Innovation mit den leckeren Resultaten hat mir immer mehr gefallen. Also habe ich beruflich nicht experimentiert, sondern die Berufsausbildung absolviert. Hinterher hätte ich mich immer noch umorientieren können.

Das war aber nicht nötig. Die Lehre hat Spaß gemacht und in der Gesellenprüfung konnte ich mit Fleiß und etwas Glück dann offenbar alle Prüfer überzeugen. Ich erzielte das beste Prüfungsergebnis der Fleischer meines Jahrgangs.
 

Und dann haben Sie gleich die Meisterausbildung angehängt?

Der gute Abschluss hat mich mit Stolz erfüllt und mir klar gemacht, dass ich im Beruf viel erreichen kann. Also habe ich Nägel mit Köpfen gemacht und mir die Zeit freigeschaufelt, um mich den Vorbereitungskursen und Prüfungen zu unterziehen.

Mit Erfolg. Nun bin ich Abteilungsleiter einer Fachfleischerei. Das ist mit gerade 22 Jahren eine große Verantwortung. Der fühle ich mich aber gewachsen. Ich kann mich schließlich auf ein erfahrenes Team und die Kenntnisse verlassen, die mir im Meisterkurs vermittelt wurden.
 

Die Anzahl der Fleischerbetriebe sinkt seit Jahren. Wie könnte man hier gegensteuern? 

Schade, dass es diesen Trend gibt und dass viele Betriebe Probleme haben, Nachwuchs und Fachkräfte zu finden. Mit jedem Fleischergeschäft verschwindet schließlich auch etwas Tradition, regionale Identität und handwerkliches Know-how. Die Entwicklung ist eigentlich ziemlich paradox, denn wir sind international bekannt für "German Wurst", viele Kunden wünschen Qualitätsprodukte von Anbietern, denen sie vertrauen und es gibt exzellente Berufsperspektiven.

Als Meister kann ich hoffentlich dazu beitragen, diesem Trend etwas entgegenzuwirken und Menschen für das Lebensmittelhandwerk zu begeistern. Ich will mein Wissen und Know-how weitergeben und künftigen Gesellen zeigen, dass sie das Fleischerhandwerk mit Ehre und Stolz ausüben dürfen. Um die Lehre attraktiv zu machen, wäre es sicher auch gut, den Lohnabstand zwischen ungelernten und gelernten Arbeitnehmern im Blick zu behalten. Ist der zu gering, wollen weniger eine Lehre machen.
 

Was zeichnet für Sie gute Handwerksmeisterinnen beziehungsweise -meister aus?

Sie stellen Qualität ganz in den Vordergrund ihrer Arbeit und finden trotzdem immer Wege, das Ergebnis zu verbessern. Sie sind stets offen für Neuerungen und auch mal bereit, sich Rat bei Kollegen einzuholen. Schließlich ist man auch mit Meistertitel nicht allwissend.