Zwischen Ehrgeiz und Alltag
Am 18. Oktober erhalten mehr als 200 Profis im Leipziger Gewandhaus ihren Meisterbrief nach erfolgreichem Abschluss des Meisterstudiums bei der Handwerkskammer. Sie haben ihre Zukunft auf ein stabiles Fundament gestellt und können stolz auf sich sein. Mit dem Abschluss gehören sie zu den Leistungseliten unseres Landes und werden unsere Gesellschaft voranbringen.
Wie tickt die neue Generation von Meisterinnen und Meistern?
Wie tickt die neue Generation von Meisterinnen und Meistern? Wie sind Sie zum Beruf gekommen? Was bringt Sie im Job auf die Palme? Welche Themen sollten angepackt werden, damit das Handwerk gut aufgestellt ist?
Einige Persönlichkeiten des Meisterjahrgangs 2026 haben sich auf den Zahn fühlen lassen. Die Interviews und Porträts malen ein facettenreiches Bild der Spitzenkräfte von morgen.
Beschreiben Sie Ihren Beruf mit drei Worten.
Abwechslungsreich, anspruchsvoll, schön.
Wie kamen Sie auf die Idee, den Beruf des Dachdeckers zu erlernen?
Eigentlich hatte ich schon von Kindesbeinen an den Wunsch, Handwerker zu werden. Jedenfalls gehörte ich nie zu denen, die Fußballprofi oder YouTuber werden wollten. Den Ausschlag gab dann ein Praktikum, bei dem mich der Beruf auf ganzer Linie überzeugt hat. Ich konnte sofort sehen, dass meine Arbeit wichtig ist. Jeder Handgriff trägt dazu bei, dass etwas Nützliches entsteht oder repariert wird. Das hat mich begeistert. Also ging es beruflich hoch hinaus – aufs Dach.
Was waren bisher die schönsten Projekte im Beruf?
Jedes Bauvorhaben hat seinen eigenen Reiz, aber es gibt schon ein paar, die ich nicht vergessen werde – beispielsweise die Aufträge am Schloss Poppelsdorf in Bonn oder an der Basilika Sankt Martin in Bingen am Rhein. Ich bin stolz, dass ich hier mitwirken und die Arbeiten vorangegangener Generationen erneuern durfte. Das sind imposante Objekte, denen man ansieht, was das Handwerk kann. Wir schaffen Werte, die Jahrhunderte überdauern können.
Und weil Sie davon so begeistert waren, haben Sie die Meisterfortbildung in Angriff genommen?
Jein. Natürlich spornen solche Baustellen an, aber mir war schon in der Lehre klar, dass ich meiner beruflichen Entwicklung nicht stehen bleiben will. Mir liegt daran, meine beruflichen Handlungsspielräume stetig zu erweitern. Da ist die Fortbildung mit dem vielen Zusatzwissen natürlich ideal. Außerdem wollte ich mir den Weg zum Unternehmertum mit allen Verpflichtungen, aber auch Vorzügen offen halten.
Die Vorstellung, mein eigener Herr zu sein, war für mich verlockend. Vor einigen Monaten habe ich deshalb das Unternehmen Dachbau Wahsner gegründet und arbeite nun daran, mir einen festen Platz am Markt zu etablieren.
Bleibt während des Meisterkurses Zeit für Hobbys?
Nicht besonders viel. Eigentlich gehe ich meiner Musik-Leidenschaft als Schlagzeuger in zwei Bands nach. Die Kollegen von »Die KultPiloten« und »DŒRT« – gern mal googeln – mussten während der Meistervorbereitung aber oft auf mich verzichten. Insgesamt war die Zeit schon irrer Stress. Auch manche andere Freizeitaktivität musste ich einschränken. Aber ich wusste, dass die Strapazen nicht von Dauer sind und am Ende der Meistertitel wartet. Geholfen hat mir auch, dass wir eine großartige Meisterklasse waren, die zusammengehalten und sich gegenseitig motiviert hat.
Apropos, wer hat Sie während des Kurses unterstützt?
Ganz klar meine Eltern und meine ganze Familie. Sie standen voll hinter dem Projekt und haben zu dessen Gelingen beigetragen. Manchmal hilft da schon eine Einladung zum Mittag oder etwas Zuspruch, um die Motivation zu sichern. Vielen Dank an dieser Stelle.
Was denken Menschen über das Handwerk und speziell Ihren Beruf, das nicht stimmt?
Mich nerven pauschale Meinungen, dass man im Handwerk wenig verdient und vorrangig Menschen mit einfachem Gemüt ins Handwerk gehen. Das entspricht nicht meiner Erfahrung. Natürlich ist ein Handwerksunternehmen weniger akademisch geprägt als eine Juristenfakultät. Das liegt in der Natur der Sache, aber keinesfalls daran, dass Handwerker geistig unbeweglich sind. Praxisorientierte Arbeit ist auf andere Weise anspruchsvoll. Trotzdem verlangt sie die Kenntnis komplexer Zusammenhänge und enormes Fachwissen. Und was die Entlohnung im Handwerk angeht, kann ich zwar nicht mit Fondsmanagern mithalten, habe aber – vor allem durch den Meisterabschluss – die gleichen Verdienstmöglichkeiten wie mit einem Studienabschluss. Besser wäre natürlich, wenn Jobs entsprechend ihres tatsächlichen gesellschaftlichen Nutzens bezahlt würden. Aber dann wären Handwerker, Rettungssanitäter, Erzieher & Co. bald unbezahlbar.
Was wollten Sie als Kind werden?
Fußballprofi. Aber dafür hat es nicht gereicht. Das spiele ich nur noch selten auf der Playstation.
Warum die Lehre zum Maler und Lackierer?
Ich bin praktisch veranlagt und wollte nicht am Schreibtisch sitzen. Aber einen konkreten Traumjob hatte ich nicht. Als mir der Beruf damals vorgeschlagen wurde, habe ich ihn einfach ausprobiert und während der Lehre lieben gelernt.
Sie sind einer der »alten Meister« des Jahrgangs. Warum haben Sie sich spät für den Meisterkurs entschieden?
Besser spät als nie. Ich wollte mich später nicht darüber ärgern, dass ich diese Chance nie ergriffen habe. Also habe ich mit Mitte 40 nochmal in meine Qualifikation investiert, um mir alle beruflichen Optionen offen zu halten.
War das Lernen dadurch schwieriger?
Es war auf jeden Fall eine Herausforderung. Ich musste erst wieder in den Lernmodus kommen. Jüngeren Kollegen fiel manches leichter, dafür hatte ich mehr Berufserfahrung. Trotzdem war ich manchmal am Limit, wenn ich nach der Arbeit noch im Klassenraum oder in der Lehrwerkstatt war.
Der Unterricht hat aber Spaß gemacht. Dozenten und Mitschüler waren ein gutes Team. Und meine Frau hat sich während des Kurses zum Glück um vieles andere gekümmert. Ohne ihre Rückendeckung wäre das Projekt gescheitert.
Was macht Sie nach einem Arbeitstag stolz?
Zufriedene Kunden und ein professionelles Arbeitsergebnis. Dann habe ich abends das gute Gefühl, etwas Sinnvolles getan zu haben.
Und was bringt Sie im Berufsleben auf die Palme?
Wenn eine frisch gestrichene Fassade sofort mit grässlichen Schmierereien ruiniert wird.
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Wenn alles passt, arbeite ich weiter mit netten Kollegen an tollen Projekten. Aber ich bin auch offen für Neues. Hauptsache, meine Familie und ich bleiben gesund und munter. Alles andere wird sich zeigen.
Wollen Sie schon als Kind »was mit Autos« machen?
Autos waren zwar interessant, aber als Kind war ich eher Team Traktor. Ich konnte mich für alles rund um die Landwirtschaft, Erntemaschinen & Co. begeistern. Wenn mich damals jemand nach dem Traumberuf gefragt hätte, wäre die Antwort ganz klar gewesen: Landwirt.
Warum haben Sie dem Traumberuf den Rücken gekehrt?
Mit der Zeit ändern sich Vorstellungen vom Berufsleben. Bei mir ging es sogar so weit, dass ich nach der Schule auf dem besten Weg zu einem Verwaltungsjob war. Also quasi das Gegenteil vom traktorfahrenden Bauern. Klang in der Theorie nach einem sicheren, entspannten Berufseinstieg. War in der Realität aber eine Sackgasse. Starre Abläufe, wenig Entscheidungsspielraum und kaum Möglichkeiten, selbst etwas zu bewegen. Da habe ich mich fehl am Platz gefühlt. Mein Stiefvater, der eine Autowerkstatt führt, hat mich schließlich dazu ermutigt, noch eine Kfz-Lehre zu starten. Er hielt das für eine gute Karriereoption.
Ich hatte im Familienbetrieb oft ausgeholfen und handwerkliches Geschick bewiesen. Also habe ich noch eine Kehrtwende hingelegt. Gelernt habe ich aber nicht im Familienbetrieb, sondern in einer Volkswagen-Fachwerkstatt in Torgau.
Das hätten Sie auch eher haben können.
Auf jeden Fall. Aber durch den Umweg weiß ich meinen Beruf wirklich zu schätzen. Hier gibt es die Abwechslung, die ich brauche. Ich muss mitdenken, ganz konkrete Probleme lösen und manchmal auch improvisieren. Das kann zwar hin und wieder dreckig und stressig sein, macht aber Spaß und gibt mir das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.
Sie haben also Ihre berufliche Heimat gefunden. Wo soll Ihr Weg als Kfz-Meister Sie nun hinführen?
In die Selbstständigkeit. Ich will auf einen Generationswechsel im Familienbetrieb hinarbeiten und in einigen Jahren die Zügel von meinem Stiefvater übernehmen. Ohne diese Entwicklungsperspektive hätte ich die Meisterfortbildung vermutlich gar nicht gemacht.
Würden Sie die Meisterfortbildung anderen Profis empfehlen, die keine Unternehmerkarriere anstreben?
Unbedingt. Wer diesen Weg geht, erarbeitet sich eine Bandbreite an Möglichkeiten. Die Selbstständigkeit ist nur eine davon. Aber ebenso werden angestellte Meister als Betriebsleiter oder Führungskräfte gebraucht. Wer einen Ausgleich zur praktischen Arbeit sucht, kann mehr Verantwortung in den Bereichen Betriebsorganisation, Kalkulation und Planung übernehmen oder als Ausbilder, Sachverständiger beziehungsweise Prüfer seine Brötchen verdienen. Der Aufwand lohnt sich also in jedem Fall.
Was wird aus dem Meisterkurs in Erinnerung bleiben?
Hoffentlich das Fach- und Führungswissen. Aber auch die tollen Menschen und der gute Zusammenhalt. Wir waren eine 1-A-Truppe, und während des Kurses sind wertvolle Freundschaften entstanden.
Was denken Sie, macht einen guten Meister aus?
Der Meisterabschluss selbst steht für eine gewisse Güte. Wer den Abschluss erreicht hat, hat bewiesen, dass er fachlich und persönlich einiges mitbringt. Optimal ist es natürlich, wenn man in der Lage ist, Fachwissen mit Führungsstärke zu verbinden. Gute Meisterinnen und Meister brauchen außerdem Empathie. Sie müssen Menschen motivieren, gut mit Kunden kommunizieren und notwendige Veränderungen im Betrieb anstoßen. Dabei muss man aber nicht perfekt sein. Entscheidend ist die Fähigkeit, die eigenen Stärken wirksam einzusetzen und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Beschreiben Sie Ihren Beruf mit drei Worten.
Schön. Sinnvoll. Langlebig.
Warum sind Sie Fliesenleger geworden?
Eigentlich wollte ich was mit Holz machen. Zimmerer oder Tischler. Fliesenleger bin ich eher aus Versehen geworden. Ich habe den Tipp bekommen, dass mein späterer Betrieb einen Fliesenleger-Azubi gesucht hat. Also habe ich nicht lange überlegt und mich vorgestellt.
Offenbar mit Erfolg.
Mein Lehrmeister hat gleich erkannt: Der Junge ist praktisch veranlagt und kann zupacken. Also sind es für mich Fliesen statt Bretter geworden. Klingt vielleicht etwas komisch, aber ich bin ja schon etwas älter und komme aus einem Jahrgang, für den es nicht selbstverständlich war, dass es mit der Lehrstelle im Wunschberuf klappt. Ich habe einfach meine Chance gesehen und zugegriffen.
Warum haben Sie sich relativ spät – mit Mitte 40 – für die Fortbildung zum Handwerksmeister entschieden?
Es war die Voraussetzung für die Selbstständigkeit. Rückblickend hätte ich das früher machen sollen, aber ich hatte lange keine Lust auf eine große Fortbildung. An eine eigene Firma hab ich auch nicht gedacht. Ich war jung und da waren private Interessen relevanter als ein Meisterkurs. Als Geselle habe ich auf diversen Baustellen gearbeitet und in der Praxis viel dazugelernt. Das hat für mich gepasst.
Aber irgendwann habe ich mir Gedanken über die Zukunft gemacht. Immer nur Befehlsempfänger sein? Nee! Ich wollte mehr selbst entscheiden. Über Kunden, Projekte und die Richtung meines Berufslebens. Also habe ich – jetzt oder nie – den Meisterkurs absolviert.
War es schwierig?
Ein Spaziergang war es jedenfalls nicht. Auf der Baustelle zählt das praktische Können, im Meisterkurs war plötzlich wieder Theorie gefragt. Ich musste das Lernen erst wieder lernen. Manchmal habe ich mich echt gefragt, warum ich mir das antue. Wenn es nicht gut lief, musste meine Familie meine schlechte Laune ertragen, bis ich mir wieder den Durchblick bei Kalkulation oder Mathe erarbeitet habe. Zum Glück habe ich mich durchgebissen und nicht hingeworfen. Dadurch bin ich vielleicht sogar stolzer als mancher andere auf diese Leistung.
Wie geht es jetzt weiter?
Ich fange als Unternehmer bei null an. Mein Job ist dadurch nie langweilig. Zur Arbeit auf der Baustelle kommen jetzt Angebote, Kundengespräche und leider auch Bürokratie dazu. Davor habe ich gerade mehr Respekt als vor der Meisterprüfung. Aber ich komme klar.
Letzte Frage. Was bringt Sie im Job auf die Palme?
Pfusch. Unordnung. Kaputtes Werkzeug. Da werde ich schnell ungemütlich.
»Ich möchte jeden Tag dazulernen«
Elisa Langer steht vor der Räucherei auf dem Rößler-Hof in Burkhardtsdorf südlich von Chemnitz und geht noch einmal die Gewürze durch. Ein bisschen Kümmel fehlt noch, dazu eine Prise Zwiebelaroma. Gerade tüftelt die Fleischermeisterin an einer Paprikaknacker, zuvor hat sie mit Schwarzbier-Rostern experimentiert.
»Mir macht es total Spaß, neue Rezepte auszuprobieren und die Reaktion der Kunden zu sehen«, sagt die 25-Jährige.
Auf dem Bauernhof mit Direktvermarktung trägt Elisa Langer inzwischen allein die Verantwortung für die gesamte Fleisch- und Wurstproduktion. Verkauft werden die Erzeugnisse im eigenen Hof-Café und auf den Wochenmärkten der Umgebung, die mit zwei Verkaufswagen angefahren werden.
Damit sie das Pensum bewältigt, hat sich die junge Meisterin ihre Woche genau eingeteilt. Montags wird zerlegt, dienstags stehen Knacker auf dem Plan, mittwochs und donnerstags beginnt die Wurstproduktion, freitags wird Salami hergestellt. Verarbeitet werden Rind, Schwein, Lamm und Wild, gelegentlich auch Geflügel. Ein Großteil der Tiere stammt aus eigener Aufzucht. Mehrere Tonnen Fleisch bewegt sie jede Woche.
Ehrgeiz war früh geweckt
Der Zwönitzerin ist sehr bewusst, wie körperlich anspruchsvoll der Beruf ist. Mit Sport und regelmäßiger Physiotherapie versucht sie deshalb vorzubeugen. »Ich habe Kollegen erlebt, die körperlich total durch waren. Das will ich mir unbedingt ersparen.« Dass ihr manch ein Kollege den Beruf aufgrund der körperlichen Belastung nicht zutraute, spornte sie erst recht an: »Das hat mich richtig angestachelt, wirklich Gas zu geben.«
Dabei sah ihr ursprünglicher Plan ganz anders aus. Nach dem Abitur wollte Elisa Langer zunächst Lehramt studieren. Doch schnell merkte sie, dass sie lieber praktisch arbeitet. Nach einem kurzen Abstecher in eine Tischlerei begann sie 2020 ihre Ausbildung zur Fleischerin – und trat damit gewissermaßen in die Fußstapfen ihres Vaters, der ebenfalls als Fleischer arbeitet. »Wir haben früher schon immer zusammen Hasen geschlachtet und selbst Leber- und Blutwurst hergestellt.«
Von der Jahrgangsbesten zur Fleischermeisterin
Während ihrer Lehre war sie in der Berufsschule zunächst die einzige Frau unter 17 Auszubildenden. »Da kamen oft blöde Kommentare, dass ich bevorteilt werde und es sowieso nicht schaffen würde.« Elisa Langer reagierte darauf mit Ehrgeiz.
Weil im Betrieb nur einmal pro Woche zerlegt wurde, kam sie an diesem Tag zwei Stunden früher und blieb länger, um möglichst viel praktische Erfahrung zu sammeln. Lange Tage waren keine Seltenheit.
Der Einsatz zahlte sich aus: Elisa Langer schloss ihre Ausbildung als Jahrgangsbeste im Fleischerhandwerk in Sachsen ab und erreichte beim Bundeswettbewerb der Fleischer den vierten Platz.
Als Auszeichnung erhielt sie ein Stipendium für die Meisterausbildung. »Eigentlich wollte ich damit noch etwas warten. Aber durch die Förderung konnte ich dann sofort loslegen.«
In den folgenden Jahren sammelte sie Erfahrungen in mehreren Betrieben und absolvierte dazwischen die einzelnen Teile ihrer Meisterausbildung jeweils in Vollzeit. Nach drei Jahren hatte sie alle Prüfungen geschafft. Für ihr Meisterstück baute sie sogar den Tisch zur Präsentation selbst. »Ich war so glücklich, dass ich alles bestanden hatte«, erinnert sie sich.
In ihrem neuen Job auf dem Rößler-Hof, wo sie seit dem Frühjahr 2025 arbeitet, geht sie nun richtig auf, weil sie weiter viel ausprobieren darf. Stillstand mag die 25-Jährige nämlich überhaupt nicht. »Ich will jeden Tag dazulernen und neue Rezepte ausprobieren.« Besonders die Herstellung luftgetrockneter Schinken reizt sie gerade, weil sie auf diesem Gebiet bislang wenig Erfahrung sammeln konnte.
Mehr Augenhöhe und Empathie
Und noch ein Ziel hat die Fleischermeisterin: Irgendwann möchte sie selbst junge Menschen ausbilden und ihnen das Fleischerhandwerk vermitteln. Dabei will sie manches anders machen, als sie es während ihrer eigenen Lehrzeit erlebt hat. »Mehr Augenhöhe und Empathie – das hätte ich mir damals auch gewünscht.«
Beschreiben Sie Ihren Beruf mit drei Adjektiven.
Abwechslungsreich, detailverliebt, langlebig.
Wieso sind Sie Parkettleger geworden?
Eigentlich durch Geburtsrecht. Klingt scherzhaft, trifft es aber. Viele meiner Schulfreunde mussten erst herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Ich war in der glücklichen Lage, mir darüber kaum Gedanken machen zu müssen. Lange vor dem Schulabschluss habe ich mich damit angefreundet, dass ich nach der Lehre in den Familienbetrieb, die Zehr Parkett GmbH, einsteige. Das Unternehmen gibt es schon seit 1885.
Mein Vater, mein Opa, mein Urgroßvater und auch dessen Vater als Firmengründer haben den Betrieb sicher und erfolgreich durch die Jahre manövriert. Und schon als Kind durfte ich meinen Papa auf so manche Baustelle begleiten. Außerdem wurde bei uns am Kaffeetisch auch regelmäßig auch über Kunden und Baustellen gesprochen. Das Parkettlegerhandwerk war in unserer Familie also immer präsent. Deshalb musste ich nicht lange überlegen, was ich einmal machen möchte.
Folglich bereiten Sie sich mit dem Meisterabschluss auf die Übernahme des elterlichen Betriebs vor?
So schnell geht es hoffentlich nicht. Auf dem Papier habe ich mit meinem Vater gleichgezogen, aber der Abschluss macht aus niemandem automatisch einen Unternehmer. Der Gedanke, die Verantwortung für Mitarbeiter, Kunden und den Familienbetrieb zu tragen, flößt mir Respekt ein. Die Verpflichtung, das Lebenswerk von fünf Generationen fortzuführen, verspüre ich trotzdem.
Mit 21 Jahren stehe ich aber erst am Anfang meiner Laufbahn. Jetzt geht es darum, Erfahrung zu sammeln und langsam in Führungsaufgaben hineinzuwachsen. Aktuell koordiniere ich schon einige Baustellen und versuche, Know-how an einen Azubi weiterzugeben. Wenn mein Vater – hoffentlich erst in vielen Jahren – kürzertreten möchte, bin ich dann hoffentlich bereit, die Familientradition fortzuführen und unternehmerische Entscheidungen zu treffen.
Haben Sie eigentlich auch im elterlichen Betrieb gelernt?
Nein. Das war eine bewusste Entscheidung. Außerdem kannte ich hier das meiste schon aus dem Effeff. Die Ausbildung habe ich beim ebenfalls familiengeführten Unternehmen Parkett Schattke absolviert. Die Zeit war sehr wertvoll. Ich konnte über den Tellerrand hinaus- und mir einiges abschauen.
Welche Inputs aus der Meisterschule waren ganz besonders wertvoll für Sie?
Fachlich war ich – meiner Meinung nach – schon ganz gut unterwegs. Trotzdem habe ich noch viele zusätzliche Impulse bekommen. Man konnte beispielsweise mal andere Verlegetechniken und historische Parkettmuster ausprobieren.
Besonders inspirierend waren aber die Dinge, die über Fachpraxis und -theorie hinausgehen. Das Wissen zum Umgang mit Mitarbeitern und Azubis ist im Alltag schon jetzt nützlich. Und dann natürlich der ganze betriebswirtschaftliche Aspekt. Da musste ich mich als Praktiker zwar ziemlich quälen, aber jetzt kann ich zum Beispiel Bilanzen lesen. Wahnsinn. Last but not least war es großartig, dass ich in der Meisterschule tolle Typen kennengelernt habe und viel Spaß hatte.
Was unterscheidet »gut« und »meisterhaft« gemacht?
Für mich sind das oft kleine Details, die der Kunde erst auf den zweiten Blick oder gar nicht oder wahrnimmt. Etwa wenn ein Parkettstück zur Seite gelegt wird, weil die Struktur nicht ganz passt. Zudem strahlen meisterhafte Arbeiten für mich Harmonie und Einzigartigkeit aus.
Das Handwerk klagt über fehlenden Berufsnachwuchs. Warum entscheiden sich aus Ihrer Sicht zu wenige junge Menschen für einen Berufsstart im Handwerk?
Meine Theorie: Jugendliche haben zu wenig Berührungspunkte mit dem Handwerk. Ich bin damit aufgewachsen, aber wer aus keiner Handwerksfamilie kommt, kann selten erleben, wie erfüllend es ist, am Ende des Tages das Ergebnis der eigenen Arbeit zu sehen.
Wer einmal in einer Werkstatt oder auf einer Baustelle mitarbeitet, entdeckt vielleicht Fähigkeiten und Interessen, von denen er vorher gar nichts wusste. Ich weiß auch nicht, ob am Gymnasium ausreichend betont wird, dass für ein erfülltes Berufsleben nicht unbedingt ein Studium nötig ist. Karriere geht auch im Handwerk. In den Betrieben werden hochqualifizierte Fachkräfte ausgebildet, die mit moderner Technik arbeiten und komplexe Aufgaben lösen.
Wie kamen Sie auf die Idee, ins Kfz-Handwerk zu gehen?
Wenn man mich nach meinem Wunschberuf gefragt hat, wusste ich lange keine Antwort. Der entscheidende Impuls kam erst beim Schülerpraktikum in der neunten Klasse. Die Arbeit in einer Kfz-Werkstatt hat mir gut gefallen – einerseits wegen der abwechslungsreichen, technischen Aufgaben und andererseits wegen der sympathischen Kollegen. Also habe ich nicht länger nach Alternativen gesucht, sondern mich beworben und hatte kurz danach den Ausbildungsvertrag als Kfz-Mechatroniker in der Tasche.
Warum haben Sie sich für die Fortbildung zum Karosseriebauermeister entschieden?
Mir war schon in der Lehre klar, dass ich keinesfalls bis zur Rente nur vorgegebene Aufgaben abarbeiten möchte. Ich hatte den Ehrgeiz, Verantwortung im Job zu übernehmen und will nicht wegen jeder Entscheidung einen Vorgesetzten um Erlaubnis fragen.
Das geht natürlich nur, wenn man kompetent genug ist. Darum habe ich erst die Fortbildung zum Kfz-Servicetechniker absolviert, mir dann Know-how im Bereich Karosserie- und Fahrzeugbau angeeignet und mich schrittweise bis zum Meister weiterqualifiziert.
Wer hat Sie auf dem Weg zum Abschluss unterstützt?
Eine ganze Reihe von Leuten – vor allem bin ich Familie und Freunden dankbar. Ein besonderer Dank geht an Tom Bochmann – der ausschlaggebenden Person für die Fortbildung.
Was haben Sie auf Ihrem Karriereweg gelernt, das jungen Handwerkern (unabhängig vom Gewerk) helfen kann?
Fachliches Wissen und Können sind Erfolgsbausteine für Profis. Aber ebenso wichtig sind Teamfähigkeit, Offenheit für Neues und ein Blick über den eigenen Aufgabenbereich hinaus. Profis, die mit anderen gut und konstruktiv zusammenarbeiten können, machen oft den Unterschied.
Was zeichnet einen guten Handwerksmeister aus?
Er verbindet handwerkliche Exzellenz mit unternehmerischem Denken. Er arbeitet lösungsorientiert, wirtschaftlich und nachhaltig. Gleichzeitig behält er das Gesamtbild im Blick, führt Mitarbeiter souverän und sorgt dafür, dass Qualität und Kundenzufriedenheit im Fokus bleiben.
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Ich hoffe, dass ich und meine Familie dann gesund und zufrieden sind. Darüber hinaus wäre es klasse, wenn ich mir in meinem Beruf einen Rang als Experte erarbeitet habe.
Zwischen rotem Teppich und Friseursalon
Ein paar Mal im Jahr tauscht Moritz Thede seinen Arbeitsplatz in Grimma gegen den roten Teppich. Kurz vor seiner Meisterfeier arbeitete der 29-Jährige beispielsweise als Friseur in der Styling-Lounge des Deutschen Fernsehpreises in Köln. Dort bereitete er unter anderem Stars wie Tom Schilling, Pierre M. Krause und Annette Frier auf die Preisverleihung vor. Er war auch schon beim Deutschen Filmpreis im Einsatz. »Das ist eine tolle Abwechslung zum Alltag im Salon und gleichzeitig eine spannende Herausforderung«, sagt Thede.
Wenn er keine Schauspieler oder andere Prominente frisiert, arbeitet der frischgebackene Friseurmeister im Salon »ArtvanHe« in seiner Heimatstadt Grimma. Der Betrieb entstand aus dem ehemaligen Team von Gerd Streitberg Frisuren, nachdem dessen Geschäftsführer 2021 ganz überraschend gestorben war. Auch Thede hatte dort seine Berufsausbildung absolviert. »Kurz vor dem Tod unseres damaligen Chefs hatte ich bereits mit dem Gedanken gespielt, meinen Meister zu machen. Aber dann mussten wir auf einmal ein neues Geschäft aufbauen. Das hatte Priorität.«
Lieblingsort Friseursalon
Zwei Leidenschaften begleiten ihn seit der Kindheit. Seine Begeisterung für das Friseurhandwerk begann früh. Seine Mutter, ebenfalls Friseurin, nahm ihn oft mit in den Salon, in dem sie arbeitete. »Für mich war das einer meiner absoluten Lieblingsorte und ich durfte immer mit den Frisierpuppen spielen«, erinnert er sich.
Ebenfalls in der Kindheit entwickelt sich noch die zweite große Leidenschaft in seinem Leben: das Tanzen. Nach seinem Realschulabschluss visiert er deshalb zunächst eine Karriere als Musicaldarsteller an. Doch als es stimmlich nicht reicht, fällt die Entscheidung für das Friseurhandwerk.
Dem Tanzen ist Thede trotzdem treu geblieben. Viermal pro Woche trainiert er gemeinsam mit seiner Partnerin beim Tanzsportverein Excelsior in Dresden. In diesem Jahr erreichten beide bei den Deutschen Meisterschaften in den lateinamerikanischen Tänzen den zweiten Platz. Das nächste Ziel steht bereits fest: Im kommenden Jahr wollen sie erstmals bei einer Weltmeisterschaft antreten. »Irgendwann würde ich gerne eine internationale Medaille gewinnen«, sagt Moritz Thede.
Tanzen und Friseurhandwerk haben für ihn mehr gemeinsam, als es zunächst scheint. Beides verlange Kreativität, Präzision und viel Hingabe, findet der Jungmeister. Vor allem aber brauche es in beiden Bereichen großen Ehrgeiz, um voranzukommen. »Ich mag es, wenn ich mich neuen Herausforderungen stellen muss», sagt er.
Eine dieser Herausforderungen war die Meisterausbildung. Dafür drückte er noch einmal in Vollzeit die Schulbank und stand zusätzlich an drei Nachmittagen pro Woche nach der Meisterschule noch im Salon. »Das war eine anstrengende Zeit, aber ich habe unglaublich viel gelernt.« Umso größer war der Stolz, als er schließlich seinen Meisterbrief in den Händen hielt. »Seitdem spüre ich eine Handwerker-Ehre, von der ich vorher gar nicht wusste, dass sie in mir steckt.«
Als Meister Wissen weitergeben
Mit dem Meistertitel übernimmt Moritz Thede nun auch mehr Verantwortung im Salon. Besonders wichtig ist ihm, dass er die beiden Auszubildenden des Betriebs jetzt offiziell ausbilden darf.
»Wissen weiterzugeben, finde ich super wichtig«, sagt der 29-Jährige. Dabei möchte er nicht nur Techniken vermitteln, sondern auch die Begeisterung für seinen Beruf.
Er selbst will auch immer dazulernen. Deshalb besucht er an der ORGÆNIC Academy in Dresden regelmäßig Weiterbildungen. Über dieses Netzwerk entstanden auch die Kontakte zu Veranstaltungen aus Film und Entertainment, bei denen er inzwischen regelmäßig hinter den Kulissen arbeitet. Auch im kommenden Jahr stehen in seinem Kalender bereits die nächsten Einsätze auf roten Teppichen fest.
Wie sind Sie ins SHK-Handwerk gekommen?
Das hatte ich eigentlich gar nicht geplant. Ich bin in Australien aufgewachsen und erst 2013 hierhergekommen, weil die Mama meines Sohnes aus Deutschland kommt. Deshalb habe ich meinen Lebensmittelpunkt nach Leipzig verlegt. Anfangs habe ich vor allem in Hotels, Bars und Kneipen gejobbt. Aber als ungelernter Quereinsteiger hat man eher schlechte Verdienst- und Aufstiegsmöglichkeiten. Das war also keine Dauerlösung. Ich brauchte eine Basis, auf der sich eine Karriere aufbauen lässt. Also habe ich mich mit 27 neu orientiert und eine Lehre zum Anlagenmechaniker begonnen.
Das war offensichtlich die richtige Wahl.
Auf jeden Fall. Am Anfang wusste ich zwar noch gar nicht genau, was die Ausbildung alles umfasst – mir war nur wichtig, dass ich nicht im Büro sitze. Und der Job sollte Zukunft haben. Da war der Beruf zum Anlagenmechaniker natürlich der Jackpot. Durch die Energie- und Wärmewende wird es SHK-Leuten nicht so schnell langweilig.
Und für mich war es vom ersten Tag an spannend und abwechslungsreich. Badumbau, Klimaanlagen, Wärmepumpen – ich war gleich mittendrin. Und auch unser Team war echt super. Davon hängt ja auch viel ab.
Gibt es Momente, in denen Sie die Berufswahl bereuen?
Nein. Natürlich machen schlecht zugängliche Heizungsanlagen die Arbeit manchmal unnötig aufwendig. Auch Baustellenprotokolle gehören nicht unbedingt zu meinen Lieblingstätigkeiten. Und verstopfte Toiletten sind sicher kein Highlight. Aber das sind nur Kleinigkeiten. Insgesamt ist der SHK-Beruf super. Deshalb habe ich schließlich auch den Meisterkurs belegt.
Und was haben Sie mit dem Abschluss vor?
Erstmal bin ich froh, dass ich einen Job habe, der mir Spaß macht und mit dem ich auch in 20 Jahren noch eine Familie ernähren kann. Dem deutschen Handwerk bleibe ich auf jeden Fall erhalten. Ich habe mir hier etwas aufgebaut und Anschluss gefunden. Dieses Jahr habe ich mich sogar einbürgern lassen. Also gibt es kein Zurück mehr. Irgendwann wage ich vielleicht noch den Schritt in die Selbstständigkeit. Aber das möchte ich gut vorbereiten.
Aktuell bin ich mit der Doppelrolle als angestellter Meister und als junger Papa aber voll ausgelastet. Außerdem will ich meine Familie – ohne deren Unterstützung ich die Meisterschule nie geschafft hätte – nicht gleich ins nächste Abenteuer stürzen.
Die wichtigsten Menschen in meinem Leben mussten schließlich schon während des Kurses zurückstecken. Viel Unterricht, ständig lernen und üben. Die freien Wochenenden konnte ich an einer Hand abzählen. Und meinem Arbeitgeber, der mich toll gefördert hat, fühle ich mich ebenfalls verpflichtet und will erstmal etwas zurückgeben.
Wenn Sie einen Gesellen von der Meisterfortbildung überzeugen müssten: Welche Argumente hätten Sie?
Erstens hört sich der Titel gut an. Aber viel wichtiger ist: Der Meisterbrief schafft Sicherheit und Freiheit. Er eröffnet neue berufliche Möglichkeiten, egal ob man Angestellter bleibt oder die Unternehmerlaufbahn anstrebt.
Was gab den Ausschlag für die Karriere im Handwerk?
Der Misserfolg an der Uni, könnte man sagen. Viele aus meinem Abi-Jahrgang sind zum Studium gegangen. Auch bei mir war ein BWL-Studium die erste Wahl. Aber diese Wahl war nicht meine beste. Als ich das Studium nicht beenden konnte, war daher eine Kurskorrektur nötig. Mein Bruder ist Elektroniker, und ich bin über ihn dann schnell zur Elektrotechnik gekommen. Im Handwerk habe ich gemerkt: Auch hier kann ich Leistung bringen – aber nicht nur im Sitzen. Dass ich nach der Lehre nicht auf dem Gesellenstatus verharren möchte, war mir da schon klar.
Was begeistert Sie heute an Ihrem Beruf, und was bringt Sie im Job auf die Palme?
Die Vielfalt ist toll. Ich arbeite mit Technik und mit Menschen, entwickle am Rechner Lösungen für ganz konkrete Probleme und kann diese dann beim Kunden installieren. Das macht mir einfach Spaß, weil etwas vorangeht. Was hingegen nerven kann, sind spontane Kundenwünsche, die alles durcheinanderbringen, weil kein Zeitpuffer da ist und natürlich keine Zusatzkosten entstehen sollen. Das ist ein Klassiker – nicht nur in meinem Gewerk.
Wie haben Sie die Fortbildung zum Meister und später zum Betriebswirt erlebt?
Es war eine stressige Zeit, in der man sich mal auf den Hosenboden setzen musste. Aber es hat Spaß gemacht, sich mit anderen Fachleuten auszutauschen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln und in den Pausen auch mal Skat zu spielen. Insgesamt war das ein tolles Miteinander – auch mit den Dozenten. Die haben außerdem nicht ewig theoretisiert, sondern fachlich auf den Punkt die Dinge rübergebracht, auf die es später ankommt. Ganz effizient und praxisnah. Genau mein Ding. Deshalb habe ich nach der Meisterprüfung die Aufstiegsfortbildung zum »Geprüften Betriebswirt nach der HwO« absolviert. Ich war ja ohnehin gerade im Lernmodus. Für mich hat sich damit auch der Kreis zum abgebrochenen BWL-Studium geschlossen. Ich fühle mich sogar besser auf die Zukunft vorbereitet, weil ich nicht nur Fach- und Führungsaufgaben übernehmen kann, sondern auch den handwerklich-fachlichen Teil aus dem Effeff beherrsche.
Wie geht es für Sie jetzt weiter?
Wer stehen bleibt, fällt zurück. Mit dem Know-how, über das ich jetzt verfüge, will ich mitgestalten und Einfluss auf Projekte und auf produktive sowie betriebswirtschaftliche Prozesse nehmen – in ein paar Jahren hoffentlich im eigenen Unternehmen. Außerdem will ich dazu beitragen, dass die Fachleute des Handwerks fit für die Zukunft sind. Deshalb engagiere ich mich ehrenamtlich im Elektrotechnik-Meisterprüfungsausschuss der HWK.
Was müsste sich gesellschaftlich ändern, damit das Handwerk besser dasteht?
Eine Berufsausbildung darf nicht das Image »Plan B« aufgedrückt bekommen. Für viele ist dieser Weg der optimale Start. Dafür bin ich das beste Beispiel. Und es braucht mehr Wertschätzung. Wer Häuser baut oder PV-Anlagen installiert, verdient den gleichen Respekt wie jemand, der juristische Gutachten erstellt, Software entwickelt oder Menschen therapiert. Unsere Gesellschaft funktioniert nur im Zusammenspiel von Menschen mit verschiedenen Talenten und Bildungswegen.
Was wollten Sie als Kind und als Jugendlicher werden?
Irgendwas mit Strom, mit Computern oder Eisenbahn. Hauptsache Technik. Das hat mich schon immer fasziniert. Ich habe früh bei meinem Opa und bei Verwandten – alle mit elektrotechnischem Background – über die Schulter geschaut, dann selbst gebastelt und experimentiert. Mit meinem Vater habe ich eine Modelleisenbahn mit allen elektronischen Raffinessen aufgebaut. Das waren so meine ersten Schritte, bevor ich später Schaltungen entwickelt habe – von der Garagentor-Automatisierung bis zur smarten Beleuchtung daheim.
Karrierestart im E-Handwerk also vorprogrammiert?
Lag zumindest nahe. Es hätte vielleicht auch noch eine Informatikerausbildung werden können. Aber ich konnte beim Vorstellungsgespräch für die Elektronikerausbildung sofort überzeugen. Dann lief alles wie am Schnürchen und ziemlich geradlinig. Lehrvertrag unterschrieben. In ein tolles Team gekommen. Im Handwerk durchgestartet. Auf Baustellen gearbeitet, die Berufsschule besucht, den Gesellenbrief gemacht. Anschließend ging es zügig in den Meisterkurs. Nicht wegen des Titels, sondern weil ich wirklich anspruchsvolle Projekte übernehmen wollte.
Also haben Sie die Entscheidung nie bereut?
Bislang jedenfalls nicht. Klar gibt es auch nervige Tage mit falschen Plänen, Abstimmungsproblemen oder erfahrungsresistenten Kollegen. Aber der Job ist trotzdem toll, macht Spaß und hat viele Facetten. Von komplexen Steuerungen für die Industrie über die Installation von PV-Anlagen bis zum einfachen Anschließen von Steckdosen ist alles dabei. Leider wird man manchmal nur auf die Steckdosen und aufs »Strippenziehen« reduziert.
Klingt, als wünschen Sie sich mehr Anerkennung.
Ich weiß zum Glück, was ich kann. Das gibt Selbstvertrauen. Aber es wäre gut, wenn wir als Gesellschaft weniger in Klischees denken. Wir sollten davon wegkommen, dass die Berufswahl vom vermeintlichen Prestige eines Jobs dominiert wird. Eltern dürfen ihre Kinder nicht mit Vorurteilen wie »Handwerk lohnt nicht und ist dreckig« davon abhalten, sich überhaupt mal auszuprobieren.
Was hat im Meisterkurs Spaß gemacht und was nicht?
Das freundschaftliche Miteinander in unserer Meisterklasse und mit dem Dozententeam war super. Und wenn es darum ging, im Kurs ganz konkrete Probleme aus der Praxis zu lösen, habe ich gern geplant, gerechnet und geackert. Genervt hat mich dagegen, wenn wir uns stundenlang nur mit VDE-Vorschriften, Normen, Dokumentationspflichten und so weiter beschäftigen mussten. Diese trockene Theorie muss zwar auch in den Kopf eines Meisters, aber für mich gibt es Schöneres.
Was machen Sie gern, wenn Sie nicht auf Arbeit sind?
Natürlich gehören Sport, Freunde treffen oder Essen gehen dazu. Aber auch privat dreht sich in meiner Freizeit vieles um IT und Elektrotechnik. In meinem Verein kümmere ich mich um die technische Infrastruktur und die Elektrik. Dort kann ich mein Wissen sinnvoll einbringen. Außerdem engagiere ich mich bei Veranstaltungen des Chaos Computer Clubs. Mich begeistert alles, was mit Technologie, Digitalisierung und intelligenten Lösungen zu tun hat.
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Netzleitstelle, Umspannwerk oder Eisenbahntechnik: Ich würde gern Verantwortung im Bereich der kritischen Infrastruktur übernehmen. Mal schauen, wo mich der Abschluss hinführt. Aktuell sieht es so aus, als hätte ich die Weichen richtig gestellt. Ich starte bei der Deutschen Bahn und kann mein elektrotechnisches Know-how dafür einsetzen, dass der ÖPNV sicher und zuverlässig funktioniert. Schon mal ein guter Anfang, auf den ich mich freue.
Wie sind Sie im Handwerk gelandet?
Über Umwege. Während der Schule habe ich mir wenig Gedanken über die Zeit danach gemacht. Mein Plan war: Abitur machen und studieren. Aufgrund meiner Schwierigkeiten mit der französischen Sprache konnte ich die Hochschulreife aber nicht erlangen und musste mich plötzlich mit meiner beruflichen Zukunft auseinandersetzen. Es folgten unzählige Bewerbungen und viele Absagen. Ich begann zu glauben, dass aus mir nichts Ordentliches werden kann. Eine Ausbildungszusage über die Bundeswehr bei Volkswagen war zunächst mein letzter Strohhalm. Parallel dazu bekam ich die Möglichkeit, bei einem Mercedes-Benz-Partner meine Lehre zu beginnen. Mein Opa hatte einen Mercedes in der Garage – für mich fühlte sich wie ein Zeichen an. Also habe ich die Chance ergriffen.
Wie hat sich der Berufsstart dann angefühlt?
Ich war bis zum ersten Ausbildungstag davon ausgegangen, dass ich am Pkw arbeiten würde. Stattdessen wurde ich in eine andere Filiale eingeteilt und stand plötzlich in einer riesigen Nutzfahrzeugwerkstatt – mit Lkw, Anhängern und sogar Militärfahrzeugen. Ich war perplex und habe mich gefragt: »Was mache ich hier eigentlich? Willst du das? Schaffst du das?« Gleichzeitig wollte ich meine Familie nicht noch einmal enttäuschen. Also habe ich mich zusammengerissen und mich auf die Situation eingelassen. Ich habe versucht, bei den Kollegen genau hinzuschauen, Abläufe aufzunehmen und immer schon an den nächsten Schritt zu denken. Rückblickend war dieser unerwartete Start genau der Moment, in dem ich mich wirklich auf den Beruf eingelassen habe.
Was war das Schwierigste im Meisterkurs?
Nicht warten zu wollen. Wegen meiner Arbeit konnte ich den Vollzeitkurs für die Fachtheorie nicht besuchen. Die Alternative wäre ein Teilzeitkurs gewesen. Der hätte deutlich länger gedauert.
Ich habe beschlossen, mich neben der Arbeit im Selbststudium auf die Prüfung vorzubereiten – eine Herausforderung. Ich musste selbst herausfinden, welche Themen besonders wichtig sind und worauf in der Prüfung Wert gelegt wird. Eine große Unterstützung war mein Freund Martin, der zu dieser Zeit ebenfalls die Meisterschule besucht hat. Wir haben uns jedes Wochenende zum Lernen zusammengesetzt.
Hand aufs Herz: Ist der Meistertitel den Aufwand wert?
Ja, davon bin ich überzeugt. Der Abschluss kostet Zeit und Geld und erfordert Durchhaltevermögen. Für mich war er aber nicht nur eine fachliche Weiterbildung. Natürlich habe ich fachlich viel dazugelernt. Gleichzeitig habe ich aber mehr Vertrauen in meine eigenen Fähigkeiten entwickelt. Der Meistertitel ist für mich deshalb eine solide Grundlage für die weitere berufliche Zukunft und eröffnet neue Möglichkeiten.
Wie geht es mit dem Abschluss für Sie weiter?
Perspektivisch übernehme ich in meinem Betrieb die Rolle des Werkstattmeisters. Darauf freue ich mich, weil ich gern Verantwortung übernehme und mit dem Team die Abläufe in der Werkstatt gestalten möchte. Gleichzeitig kann ich mir vorstellen, mich später nebenberuflich als Sachverständiger oder mit einer eigenen Geschäftsidee selbstständig zu machen. Wo mich der Abschluss langfristig hinführt, bleibt also offen.
Was ist für Sie DER Schlüsselfaktor für Erfolg im Job?
Neben dem Fachwissen ist für mich eine gute, offene und präzise Kommunikation entscheidend. Wenn man mit Kunden und Kollegen klar kommuniziert, lassen sich viele Missverständnisse vermeiden und Abläufe funktionieren besser. Und wenn man zusätzlich mit einer positiven Einstellung an die Dinge herangeht, kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen.
Zum Schluss: Drei Worte für Ihren Beruf?
Technik. Entwicklung. Verantwortung.
Welche Eigenschaft ist unverzichtbar, um im Friseurhandwerk durchzustarten?
Empathie ist aus meiner Sicht das Wichtigste. Die handwerklichen Techniken lassen sich erlernen. Wirklich entscheidend ist jedoch die Fähigkeit, Menschen zuzuhören, ihre Wünsche zu verstehen und Vertrauen aufzubauen. Genau das macht oft den Unterschied in meinem Beruf.
Haben Sie ein Lieblingswerkzeug?
Ja, tatsächlich gleich zwei. Natürlich die Schere, weil sie für Präzision steht. Aber auch die Rundbürste. Mit ihr kann man richtig gutes Volumen ins Haar bringen.
Erinnern Sie sich noch daran, wann Ihre Leidenschaft für das Friseurhandwerk geweckt wurde?
Dass ich gern etwas Kreatives machen will, wusste ich schon in der Schule. Dieser Wunsch hat sich nach einem Praktikum im Büro bestätigt. Ein Arbeitstag vor dem Computer passte einfach nicht zu mir. Ich brauche viel Kontakt zu Menschen und mag es auch, wenn nebenbei gelacht und erzählt wird. Also habe ich es einfach mal im Friseursalon vor Ort versucht. Das lag nahe. Dort hat es dann sofort Klick gemacht. Die Atmosphäre, die Gespräche mit der Kundschaft haben mich begeistert. Außerdem gab es die Möglichkeit, mich kreativ einzubringen. Besonders beeindruckt hat mich, wie meine Lehrmeisterin den Menschen mit ihrem Handwerk ein gutes Gefühl vermittelt hat. Das wollte ich auch können.
Gibt es Momente aus der Ausbildung und der Zeit als Gesellin, die besonders in Erinnerung geblieben sind?
Besondere Momente erlebe ich eigentlich fast jeden Tag. Menschen zu beraten und am Ende ihr strahlendes Lächeln zu sehen, ist toll.
Wenn ich zurückblicke, freue ich mich auch sehr darüber, wie ich mich selbst entwickelt habe. Wenn beispielsweise eine Hochzeitsfrisur fertig ist, die im ersten Lehrjahr ein unerreichbares Ergebnis schien, macht mich das unglaublich stolz.
Es gibt doch sicher auch Dinge, die Sie im Beruf nerven?
Ich gehe jeden Tag gern auf Arbeit und darf an ganz vielen lieben Menschen mein Handwerk ausüben. Trotzdem gibt es auch Herausforderungen. Dazu gehören Kundinnen und Kunden, die Termine nicht pünktlich wahrnehmen. Das kann nerven, weil der nächste Kunde dann warten muss. Außerdem gibt es die Leute mit einem »Wackelkopf». Wenn jemand ständig zuckt, habe ich Bedenken, dass ich etwas vermassle oder sogar ins Ohr schneide. Ist zwar noch nie passiert, aber man weiß ja nie. Und dann natürlich Haare. Sie sind wirklich überall.
Was hat Ihnen an der Fortbildung zur Friseurmeisterin besonders gefallen?
Dass ich viele neue Dinge lerne, war klar. Da wurde ich auch nicht enttäuscht. Manchmal war es sogar fast zu viel Input. Am meisten Spaß gemacht hat es aber, neue Menschen kennenzulernen. Zu Beginn jeder neuen Unterrichtsphase war immer das Gefühl da: Wir sitzen alle in einem Boot und unterstützen uns gegenseitig, um auf ein gemeinsames, großes Ziel hinzuarbeiten. Dieses tolle Miteinander hat vieles leichter gemacht.
Demnach gab es auch schwierige Phasen?
Definitiv. Ich denke, dass jede angehende Meisterin und jeder angehende Meister hin und wieder Zweifel hat. Bin ich in der Prüfung gut genug? Schaffe ich es, mir den ganzen Stoff anzueignen? Wie lange muss ich mir den Stress noch antun? Aber gerade dann waren die Familie, mein Partner, der Freundeskreis und meine Mitschüler eine enorme Unterstützung. Dafür bin ich sehr dankbar. Rückblickend weiß ich: Man muss nicht alles allein schaffen.
Hat sich Ihr Leben nach dem Meisterabschluss verändert?
Ich bin gefühlt fünf Zentimeter gewachsen. Manchmal denke ich voller Selbstvertrauen: »Hallo, ich bin einfach Meisterin!« Ein gutes Gefühl. Und im Salon fühle ich mich fähiger, weil ich auf das zurückgreifen kann, was ich fachlich und persönlich dazugelernt habe. Mein Wissen darf ich außerdem an Auszubildende weitergeben. Last but not least verstehe ich die betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge besser. Dieser Überblick, der mir als Gesellin gefehlt hat, eröffnet ganz neue Perspektiven. Falls es irgendwann mal heißt »Cynthia macht ihren eigenen Salon auf«, bin ich gewappnet. Im Augenblick bin ich aber als angestellte Friseurmeisterin sehr zufrieden.
Was unterscheidet »gut« von »meisterhaft gemacht«?
Gut gemacht bedeutet, die Erwartungen zu erfüllen. Meisterhaft bedeutet, sie zu übertreffen.
Wie sind Sie ins Maurerhandwerk gekommen?
Ich brauchte jedenfalls keine Berufsorientierung. Seit fast 150 Jahren ist meine Familie im Baugewerbe aktiv. Viele Gebäude in und um Leipzig tragen die Handschrift von »Forßbohm und Söhne«. Damit bin ich groß geworden.
Also gab es nie die Freiheit, etwas anderes zu werden?
Mein älterer Bruder hat seine Maurerkarriere vor mir gestartet. Deshalb vermute ich, mein Vater und mein Opa hätten auch damit leben können, wenn ich Zimmermann oder Lokführer geworden wäre. Aber ich habe in den Schulferien schon viel auf unseren Baustellen mitgearbeitet.
Ich musste ordentlich anpacken, aber ich konnte auch sehen, wie ein Bauwerk wächst. Das war super. Also habe ich nicht rumexperimentiert und bin in ihre Fußstapfen getreten.
Was denken Leute über den Maurerberuf, das nicht stimmt?
Manche glauben, man würde ständig Bier trinken und dabei ein paar Steine übereinander stapeln. Nach dem Motto: »Das kann jeder.« Das ist Unsinn. Der Beruf ist in Wirklichkeit deutlich komplexer, als viele denken. Damit Gebäude entstehen, die Generationen überdauern, kommt es auf Präzision, Statik, Bauphysik, Planung, Kalkulation und noch viel mehr an. Ich denke, vor allem als Meister braucht man auf der Baustelle genauso viel an Wissen wie in vielen akademischen Berufen. Nur ist unser Wissen meist praxisnäher, weil es darum geht konkrete Probleme zu lösen.
Wie empfanden Sie die Meisterfortbildung?
Herausfordernd. Die fachlichen Teile waren top und haben Spaß gemacht. Aber im Bereich BWL und Recht ist mir nichts zugefallen. Ich musste ganz schön ackern. Dazu kam noch, dass ich unter gewissem Druck stand. Wenn Opa, Vater und Bruder schon den Meistertitel haben, will man nicht der Erste sein, der die Serie reißt. Zum Glück haben mich Familie und Freunde 1a unterstützt. Und ich konnte mich mit fachlichen Fragen auch an die Poliere wenden.
Haben Sie ein Lieblingsgerät oder -werkzeug?
Als Maurermeister muss ich natürlich die Dreieckskelle nennen. Außer an Bürotagen legt man die fast nie aus der Hand.
Fassen Sie Ihr Handwerk in drei Worten zusammen.
Tradition. Beständigkeit. Zukunft.
Viele Leute wissen vermutlich gar nicht, dass es Ihren Beruf gibt. Erklären Sie kurz, was Sie machen?
Das ist tatsächlich ein Problem. Viele kennen den Beruf gar nicht. Mit Tischler, Arzt, Koch oder Feuerwehrmann kann jeder was anfangen. Mein Job ist in den Köpfen kaum präsent. Dabei ist er aus der modernen Welt nicht wegzudenken. Was machen wir also den ganzen Tag? Wir messen enorm viel, berechnen und planen passgenaue Isoliersysteme. Die installieren wir an Rohren, Behältern, Lüftungskanälen oder Fassaden. Das ist nicht nur für Einfamilienhäuser relevant, sondern auch für Industrieanlagen, Kraftwerke oder öffentliche Gebäude. Mit dieser Arbeit tragen wir dazu bei, Energie zu sparen, Lärm zu mindern und Menschen vor Bränden zu schützen.
Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, eine Lehre zum Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer zu beginnen?
Vom Lernen in der Schule hatte ich mit 16 erstmal genug. Ich wollte was Praktisches machen und eigenes Geld verdienen. Also bin ich in die Fußstapfen meines Vaters getreten und habe beim Unternehmen Technische Isolierungen Lahrius die Ausbildung zum Industrieisolierer begonnen. Im Gegensatz zu vielen anderen kannte ich den Beruf bereits und wusste auch, dass mein Faible für Geometrie eine gute Voraussetzung für den Job ist. Einblicke in den Betrieb hatte ich auch schon und konnte mich mit der Arbeit identifizieren.
Also wurde Ihr Vater auch Ihr Ausbildungsmeister. Gab es da keine Spannungen?
Diese Konstellation hatte schon Tücken. Ich hatte manchmal das Gefühl, die monotonsten oder die schwierigsten Aufgaben zu bekommen. Mein alter Herr dachte wahrscheinlich, ich müsse besonders viel lernen und gefordert werden. Langfristig hatte er dabei sicher auch im Hinterkopf, dass ich das Unternehmen irgendwann übernehmen soll. Aber obwohl wir uns nicht immer einig waren, flogen nie die Fetzen. Im Betrieb und auf der Baustelle war er weniger mein Vater, sondern vor allem mein Ausbildungsmeister und der Chef.
Was bringt Sie im Berufsleben auf die Palme?
Wenn wir als Gewerk fast vergessen werden, weil Planer und Bauherren der Meinung sind, dass wir nur ein bisschen Wolle um Rohre wickeln. Die Realität sieht völlig anders aus. Wärme-, Kälte-, Schall- und Brandschutz ist ein High-Tech-Bereich. Es geht um hochkomplexe Geometrie bei der Blechverarbeitung, anspruchsvolle Thermodynamik, Energieeinsparung im Großmaßstab und essenziellen Brandschutz.
Trotzdem passiert es, dass Trassen und Anlagen komplett ohne den nötigen Platz für die Dämmung geplant werden. Dann muss man auf der Baustelle unschöne und mitunter teure Kompromisse eingehen, um alle Normen einzuhalten. Das nervt.
Auf welches Projekt sind Sie stolz?
Bei den Brandschutz- und Dämmarbeiten für die energetische Sanierung einer großen Schule war ich das erste Mal komplett auf mich gestellt. Ich hatte die Verantwortung vom Aufmaß über die Planung bis zur Ausführung. Wir mussten extrem knappe Fristen einhalten, damit der Schulbetrieb pünktlich nach den Ferien starten konnte – und das bei laufenden Parallelgewerken auf engstem Raum. Das selbst zu steuern und am Ende das Ergebnis zu sehen – das war für mich ein echter Meilenstein.
Was hat Ihnen im Meisterkurs – neben dem fachlichen Wissen – den größten Mehrwert gebracht?
Die vielen coolen Leute, die ich kennengelernt habe. Es hat Spaß gemacht, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen und zu merken, dass man dieselben Themen und Herausforderungen teilt. Aus den Gesprächen sind echt gute Kontakte und Freundschaften entstanden.
Wie geht es für Sie mit dem Meisterabschluss weiter?
Mit Lernen. Der Meistertitel ist schließlich keine Endstation. Ich übernehme mehr Verantwortung auf unseren Baustellen und sammle so Erfahrungen. Parallel dazu packe ich die Qualifizierung zum Betriebswirt an, um mich kaufmännisch komplett aufzustellen.
Welche eine Sache im Handwerk würden Sie sofort verändern, wenn Sie könnten?
Das veraltete Führungsdenken in manchen Betrieben. Der Satz »Das haben wir schon immer so gemacht« bremst uns. Ich wünsche mir flache Hierarchien und eine Unternehmenskultur, die Menschen ermutigt, Neues auszuprobieren. Wenn die beste Idee nicht umgesetzt wird, bloß weil sie vom Azubi und nicht vom Chef kommt, verliert der ganze Betrieb.
Wie sind Sie ins Handwerk gekommen?
Über einen Umweg. Mein Opa war schließlich auch Tischler. Aber ich habe erst mal Maschinenbau studiert. Die Uni hat mich allerdings eher enttäuscht. Zu viel Theorie und vor allem zu Beginn kaum Praxisorientierung. Auch die Aussicht, künftig acht Stunden am Tag am Rechner Maschinenbauteile zu konstruieren, ohne das fertige Produkt je zu Gesicht zu bekommen, fand ich ernüchternd. Als ich deshalb die Uni verlassen habe, musste ich erstmal herausfinden, wie es für mich weitergeht. Ich bin mit Minijobs im Eventbereich durch Deutschland getingelt und habe mich so über Wasser gehalten. In dieser Zeit habe ich den tollen Werkstoff Holz wieder für mich entdeckt.
Tischler, bleib bei deinen Leisten?
Genau. Der tolle Geruch, die warme Haptik, die unendlichen Möglichkeiten. Die Faszination für Holz steckt also offenbar in den Genen. Also habe ich eine Tischlerlehre absolviert. Guter Ausbildungsbetrieb, Mitarbeit an tollen Projekten und außerdem konnte ich immer unmittelbar die Ergebnisse meiner Arbeit sehen. Das hat besser zu mir gepasst. Aber weil die Pleite mit dem Studium noch ziemlich an meinem Ego gekratzt hat, habe ich gleich noch die Meisterfortbildung drangehängt. So habe ich einen Abschluss, der mit dem Bachelor gleichgestellt ist. Aber mit mehr Praxisbezug.
Wie geht es jetzt mit dem Abschluss weiter?
Ich wünsche mir erstmal eine Festanstellung und etwas finanzielle Sicherheit. Im Moment sehe ich mich vor allem als Handwerksmeister, der seine Fähigkeiten im Team und in der Werkstatt einbringt. Aber es ist gut zu wissen, dass ich mir mit dem Meistertitel viele Chancen offen halte. Vielleicht sticht mich in ein paar Jahren der Hafer und ich will den Schritt vom Arbeitnehmer zum Unternehmer gehen. Oder es ergibt sich die Gelegenheit, einen etablierten Betrieb zu übernehmen. Aktuell habe ich vor der unternehmerischen Verantwortung noch ziemlichen Respekt. Aber dank des Meisterkurses wäre ich vorbereitet.
Beschreiben Sie den Tischlerberuf in drei Worten.
Präzision. Kreativität. Nachhaltigkeit.
Würden Sie sagen, dass Maurer Ihr Traumberuf war?
Auf keinen Fall. Ursprünglich habe ich nach der Schule auch etwas ganz anderes gemacht, nämlich eine Ausbildung zum Krankenpfleger. Ich wollte nicht nur Geld verdienen, sondern mir war wichtig, etwas Sinnvolles zu tun. Ich wollte Menschen helfen. Das war anfangs auch super, wenn ich gemerkt habe, dass meine Arbeit sofort sichtbare Auswirkungen auf das Wohlbefinden der Patienten hat.
Nach einem Jahr musste ich ehrlich zu mir sein und eingestehen, dass ich fachlich zwar geeignet war, emotional aber nicht. Die Themen rund ums Sterben und den Abschied haben mich sehr belastet. Manche Patientenschicksale waren noch nach Wochen in meinem Kopf. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich mit der Zeit genügend professionelle Distanz aufbauen kann.
Also haben Sie die Reißleine gezogen und einen ganz anderen Weg eingeschlagen.
Richtig. Aber ich musste mir erstmal überlegen, wie es für mich weitergeht, wenn ich die Krankenpflegerausbildung nicht fortsetze. Ich bin schließlich in eine Lehre zum Stahl- und Betonbauer gestartet, habe bewusst ein ganz anderes Umfeld gewählt. Auf den Baustellen habe ich sofort gefühlt, dass mir dieser Weg liegt. Keine bedrückenden Schicksale, sondern sichtbare Ergebnisse am Ende jedes Tages. Der Alltag ging mir deutlich leichter von der Hand, auch weil ich reale Dinge von Wert und Dauer erschaffe. Zudem durfte ich auf unterschiedlichsten Baustellen arbeiten, viele Orte kennenlernen und mit verschiedensten Leuten an tollen Projekten mitwirken. Diese Abwechslung ist einer der Gründe, warum ich den Beruf auch heute noch mit großer Begeisterung ausübe.
Was hat Sie dazu motiviert, für »den Meister« noch einmal die Schulbank zu drücken?
Da gibt es eine Reihe von Gründen. Ich habe erstmal viel in meinem Beruf gelernt: Herstellen von Fundamenten, Gießen von Decken und Bodenplatten, Bau von Brücken, Tunneln und Parkhäusern usw. Da ist automatisch das Bedürfnis entstanden, mehr mitzugestalten und nicht mehr nur Befehlsempfänger zu sein.
Als Meister hat man da viel mehr Möglichkeiten und wird mit seiner Expertise ernst genommen. Auch meine Freunde, die mich manchmal scherzhaft als »Steinestapler« bezeichnet haben, haben jetzt mehr Respekt vor meiner Arbeit.
Außerdem will ich mein Wissen gern an die nächste Generation weitergeben. Das Handwerk lebt davon, dass erfahrene Fachkräfte Berufsanfänger zu Profis formen. Der Meistertitel hat es mir ermöglicht, mein Fachwissen weiter zu vertiefen, und ich habe die Fähigkeiten erlangt, junge Menschen auf ihrem beruflichen Weg zu begleiten. Und zu guter Letzt verspricht mir der Abschluss bessere Beschäftigungs- und Einkommensperspektiven. Man kann mit dem Abschluss also nur gewinnen.
Was war Ihr größtes Missgeschick im Beruf?
An eine Baustelle aus dem dritten Ausbildungsjahr werde ich mich immer erinnern. Beim Bau einer Kanalmauer hat sich mein Betonrüttler zwischen der Bewehrung und den Abstandshaltern verkeilt. Trotz aller Befreiungsversuche war nichts zu machen. Das Teil steckte bombenfest. Nach Rücksprache mit dem Bauherrn blieb uns nichts anderes übrig, als das Gerät im Beton zu lassen. Damit wurde der Betonrüttler unfreiwillig Teil der Mauer und befindet heute noch dort. Natürlich musste ich mir einige Zeit lang die entsprechenden Witze meiner Kollegen anhören. Rückblickend sehe ich das aber entspannt. Fehler gehören zum Berufsleben dazu. Man muss nur daraus lernen.
Sie sind Bauhandwerker mit Leib und Seele. Aber mal Hand aufs Herz: Was sind die Schattenseiten auf dem Bau?
Wenn man will, findet man natürlich immer negative Dinge. Hitze- oder Kältewellen nerven. Nicht jede Baustelle ist ein Highlight. Dazu kommen Planungsfehler und Materialengpässe. Aber das geht schon irgendwie. Ich bin zum Glück ein ziemlich gelassener Mensch. Was mich aber wirklich nervt, ist das leichtfertige Verplempern von Zeit auf Arbeit. Zeit ist eine Ressource, die niemand zurückgeben kann. Deshalb empfinde ich es als Zeichen des Respekts, die Zeit anderer Menschen wertzuschätzen und um Pünktlichkeit bemüht zu sein.
Wo liegt aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung für die Bauwirtschaft in den kommenden Jahren?
Im Fachkräftemangel. Viele erfahrene »Boomer« gehen bald in Rente, aber es fehlt der Berufsnachwuchs. Das Problem kommt leider mit Ansage. Die Karriere auf dem Bau wurde lange unter Wert verkauft. Es wurde viel zu selten vermittelt, wie erfüllend die Jobs sein können. Wenn wir die Infrastruktur erhalten wollen, braucht es dringend mehr Wertschätzung für praktische Berufe und für die Menschen, die Projekte am Ende tatsächlich umsetzen.
Fleischerinnen gibt es selten. Wie kamen Sie zum Beruf?
Viele denken bei Frauen im Fleischerhandwerk zunächst an den Verkauf. Auch ich werde manchmal skeptisch angeschaut. Dabei war meine Berufswahl fast naheliegend: Ich komme aus einem landwirtschaftlich geprägten Umfeld, bin mit Pferden, Schweinen, Hühnern & Co. aufgewachsen. Jedes Jahr kam die Familie zu einem kleinen Schlachtfest zusammen. Das war immer etwas ganz Besonderes. Bei Opa und Onkel wurde auch regelmäßig geschlachtet, verarbeitet und gegessen.
Ich schätze, das hat mich geprägt. Und nach dem Abitur mit Schwerpunkt Agrarwirtschaft und Biologie hat mir mein Chef und Lehrmeister – obwohl ich sein erster weiblicher Azubi war – die Chance gegeben, das Fleischerhandwerk von der Pike auf zu erlernen.
Offenbar hat Ihnen das so gut gefallen, dass Sie danach in die Königsklasse des Handwerks aufsteigen wollten.
Auf jeden Fall. Allerdings musste ich mich auch während des Meisterkurses mit Klischees herumschlagen. Da hatte ich das Gefühl, mich doppelt beweisen zu müssen. Einige konnten sich nicht vorstellen, dass eine Frau in der Produktion arbeitet. Dabei bin ich mit ebenso viel Ehrgeiz und Leidenschaft dabei wie männliche Kollegen. Klar kann unser Handwerk anstrengend sein. Aber Kraft allein macht keinen guten Fleischer. Es kommt auch auf Köpfchen, Kundenorientierung und Qualitätsbewusstsein an.
Außerdem habe ich ein gutes Gespür für Aromen und Geschmackskombinationen. Dass meine kulinarischen Kreationen gut bei der Kundschaft ankommen, beweist mir, dass ich alles richtig gemacht habe.
Was war für Sie das Beste an der Meisterfortbildung?
Für mich war es eine Bereicherung, neue Menschen – auch aus anderen Berufen – kennenzulernen, die das gleiche Ziel hatten: den Meisterbrief. Gemeinsam fiel es auch leichter, darauf hinzuarbeiten. Schwierig war dagegen die Entfernung nach Hause. Teilweise habe ich acht Wochen hintereinander in Borsdorf verbracht. Das Heimweh hat mir gezeigt, wie wichtig mir meine Familie und meine Heimat sind – auch eine wichtige Erkenntnis.
Wie geht es jetzt für Sie weiter?
Erstmal trete ich aus familiären Gründen kürzer. Wenn ich mich wieder mit voller Kraft in der Fleischerei einbringen kann, könnte der nächste Entwicklungsschritt anstehen. Mein großer Traum wäre es, eines Tages den Betrieb meines Lehrmeisters weiterzuführen. Damit könnte ich Bewährtes erhalten und gleichzeitig meine eigenen Ideen verwirklichen. Das fände ich reizvoll.
Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Mein Traum wäre so zu leben, wie ich aufgewachsen bin: auf einem Bauernhof mit einer tollen Familie und vielen Tieren. Und mit der Möglichkeit, mein Handwerk selbstständig auszuüben.
Wie kamen Sie auf die Idee, Ihren Beruf zu erlernen, und wann wussten Sie: Das ist MEIN Beruf?
Da muss ich etwas ausholen. Als ich damals einen Ausbildungsplatz gesucht habe, gab es – anders als heute – viel mehr Bewerber als offene Stellen. Man musste Glück oder die richtigen Beziehungen haben, um eine Lehrstelle im Wunschberuf zu bekommen. Beides hatte ich leider nicht. Weil ich keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden habe, wurde ich in eine überbetriebliche Ausbildung zum Zimmerer vermittelt. Das war auf den ersten Blick eher ein Notnagel. Aber der Funke ist sofort übergesprungen. Die praktische Arbeit mit dem tollen Rohstoff hat mich begeistert. Plötzlich konnte ich aus Holz Dinge konstruieren, die Jahrzehnte überdauern. Das war extrem motivierend. Seitdem kann ich mir keinen schöneren Beruf als den des Zimmerers vorstellen.
Welche Erlebnisse aus Ihrer Ausbildung sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?
Wir waren regelmäßig in Praktikumsbetrieben, um auch auf Baustellen zu lernen. Das hat mir immer am besten gefallen. Arbeiten an der frischen Luft und live erleben, wie eine Konstruktion wächst, war super und begeistert mich heute noch. Eine Szene von damals, an die ich mich erinnere: Einem Dachdecker-Azubi ist bei Firstarbeiten der Hammer aus der Hand gerutscht. Der Meister, der uns kurz vorher die Leviten gelesen hatte, ist in diesem Moment unten entlanggegangen. Ohne Helm wäre schlimmeres passiert. So ist es bei einem Bluterguss und einem Wutanfall geblieben. Der Azubi ist natürlich sofort stiften gegangen.
Den Altersschnitt in Ihrer Meisterklasse haben Sie nach oben getrieben. Warum erst jetzt diese Fortbildung?
Ich habe lange ausgeblendet, dass man in einem körperlich fordernden Job nicht ewig auf der Baustelle aktiv sein kann. In der Jugend fühlt man sich unverwundbar und lässt die Dinge auf sich zukommen. Leute in den Vierzigern waren damals ziemlich alt für mich. Jetzt bin ich selbst so einer.
Und ich habe an manchen Kollegen gesehen, dass die jahrzehntelange Arbeit ihren Tribut fordert. Nicht alle schaffen es bis zur Rente. Also habe ich auf meine innere Stimme gehört, die immer lauter wurde. Ich habe mein Arbeitsverhältnis ruhen lassen und in eine sichere berufliche Zukunft investiert. Nach der Meisterprüfung bin ich dann sofort wieder im Betrieb eingestiegen.
Aktuell bin ich weiter viel auf Baustellen unterwegs, leite Leute an und arbeite aktiv mit. Der Plan lautet aber: mehr als Bau- oder Projektleiter tätig sein. Koordinieren und planen. So kann ich im schönen Zimmererhandwerk weiter meine Erfahrungen einbringen und gleichzeitig die körperliche Belastung reduzieren.
Wie lief die Meisterschule für Sie?
Es war insgesamt ein ordentliches Lernpensum, und manchmal habe ich mich geärgert, dass ich den Kurs nicht früher angefangen habe. Weil ich lange kein Klassenzimmer von innen gesehen hatte, musste ich einige Hirnbereiche erstmal reaktivieren. Trotzdem haben mich einige Themen ganz schön fertiggemacht. Stichwort: statische Berechnungen. Das war nicht ohne. Zum Schluss war aber alles irgendwie machbar.
Blieb während des Meisterkurses trotzdem genügend Zeit für das Privatleben oder Hobbys?
Guter Witz. Wir mussten als Familie ziemlich kämpfen. Wir bauen gerade ein altes Haus, Baujahr 1937, aus. Das kann man vielleicht als Hobby bezeichnen. Während des Kurses war das aber eher eine Belastung. Ich wollte, dass es vorangeht, war aber oft zu platt. Und dann gab es noch eine weitere Herausforderung. Unser Sohn war gerade geboren, als die Meisterschule angefangen hat. An Durchschlafen war nicht zu denken. Meine Frau hat die nächtlichen Belastungen ziemlich allein getragen, damit ich mich tagsüber auf den Kurs konzentrieren konnte. Trotzdem war ich im Unterricht oft wie gerädert. Auch sonst hat meine Frau hinter den Kulissen einen enormen Beitrag zum Meisterabschluss geleistet. Danke für alles, Katharina.
Ihr Tipp an junge Handwerkerinnen und Handwerker?
Wartet nicht zu lange mit dem Meister. Wenn man noch ungebunden ist und wenig Verpflichtungen hat, spart man sich Stress. Außerdem ist man noch im Lernmodus. Ihr müsst danach nicht gleich Verantwortung übernehmen, habt den Abschluss aber schon mal in der Tasche.
Nochmal zurück zum Berufsalltag. Was ist für Sie ein guter Tag, und welche Tage im Beruf nerven Sie?
Ein guter Tag ist es, wenn alles wie am Schnürchen funktioniert und wenn man immer etwas vor dem Zeitplan liegt. Am besten noch bei guter Witterung. An schlechteren Tagen herrscht mieses, nasskaltes Wetter, und es sind viele Nacharbeiten zu erledigen. Wenn man viel Nachschneiden muss, ist der Zeitplan dann oft für den Papierkorb. Das kann manchmal frustrierend sein.
Letzte Frage: Haben Sie ein Lieblingswerkzeug?
Ich bin ein Fan klassischer Handwerkszeuge: Stechbeitel, Klopfholz & Co. Wenn man damit arbeitet und Holzverbindungen von Hand fertigt, spürt man das Ursprüngliche des Berufs. Das ist heute kaum bezahlbar. Deshalb trage ich die Tradition im Herzen, arbeite aber mit moderner Technik.
Mit 14 Jahren über die Zukunft der Tischlerei entschieden
An einem Montagabend im Dezember 2018 muss Finia Dannenberg eine Entscheidung fürs Leben treffen. Wenige Stunden zuvor ist in der Tischlerei ihres Vaters ein Feuer ausgebrochen. Eine Verpuffung in einem Hackschnitzelsilo hat die gesamte Werkstatthalle in Flammen gesetzt. Mehr als 100 Feuerwehrleute kämpfen rund um die Uhr gegen den Brand. Der Schaden geht deutlich in die Millionenhöhe.
Als sich abschätzen lässt, wie aufwändig der Wiederaufbau werden würde, stellt ihr Vater ihr eine entscheidende Frage: Willst du die Firma später einmal übernehmen? Falls nicht, würde er den Betrieb aufgeben. Finia Dannenberg ist damals gerade einmal 14 Jahre alt. Trotzdem muss sie nicht lange überlegen. »Zum Glück war ich mir damals schon sicher, dass ich dieses Leben möchte«, erinnert sich die heutige Tischlermeisterin.
Mit Latzhose und Fensterrahmen zum Fasching
Sie ist die fünfte Generation einer Handwerkerfamilie, deren Tischlertradition mit ihrem Ur-Ur-Großvater Hermann Senior im Jahr 1905 begann. Zeitweise gab es in ihrem Heimatort Zahna-Elster-Mühlanger vier verschiedene Tischlereien der Familie. Ihr Vater, Theodor Dannenberg, kaufte 1994 mit Unterstützung seiner Eltern das heutige Werkstattgebäude, ein ehemaliges Faserwerk, von der Treuhand. Der riesige Industriekomplex umfasst mehr als 5.000 Quadratmeter Gewerbefläche und ein noch deutlich größeres Grundstück dazu.
Hier wächst Finia Dannenberg auf. Schon im Kindergarten ist ihr liebstes Faschingskostüm »Tischlerin«: blaue Latzhose an, Fensterrahmen unter den Arm – fertig. Später verbringt sie ihre Ferien in der Werkstatt ihres Großvaters und baut gemeinsam mit ihm Möbel. Nach dem Fachabitur, für das sie nach Leipzig zieht, beginnt sie ihre Ausbildung im väterlichen Betrieb.
Sie schließt als eine der Jahrgangsbesten ab und nimmt am Wettbewerb »Die Gute Form« teil. Als Anerkennung erhält sie einen Bildungsgutschein für die Meisterausbildung.
Doch bereits während ihres dritten Lehrjahres ändert sich erneut alles: Ihr Vater, der schon länger an gesundheitlichen Problemen leidet, muss deutlich kürzertreten. Für Finia Dannenberg heißt das – noch viel früher als geplant – Verantwortung in der Firma zu übernehmen. Ihre Schwester Jasmin unterstützt sie im Büro. Gleichzeitig drängt die Zeit. Damit der Betrieb langfristig weitergeführt werden kann, braucht es einen Meister. Die Ausnahmegenehmigung gilt nur für zwei Jahre.
Meisterprüfung ohne Vorbereitungskurs
Finia Dannenberg will deshalb schnellstmöglich ihren Meister machen. Doch die Kurse in der Umgebung sind bereits ausgebucht. Also entscheidet sie sich für einen ungewöhnlichen Weg: Sie meldet sich für die Prüfung der Teile eins und zwei der Meisterprüfung an – ohne die eigentlichen Vorbereitungskurse zu besuchen.
Den Stoff bringt sie sich selbst bei. Mithilfe künstlicher Intelligenz lässt sie sich aus den diversen Lernmaterialien verschiedene Podcasts erstellen, die sie während der Arbeit hören kann. Die Vorbereitung auf den praktischen Teil schiebt sie zwischen Kundenaufträge und Personalwesen. »Die Zeit war damals wahnsinnig knapp. Ich musste ja zwischendrin noch eine Firma leiten.«
Der Plan geht am Ende auf: Finia Dannenberg besteht alle Prüfungen beim ersten Versuch. »Das hatte kaum jemand für möglich gehalten«, sagt die Jungmeisterin. Die Zukunft des Familienbetriebs mit seinen aktuell acht Mitarbeitern ist damit erstmal gesichert.
Ganz abgeschlossen ist die schwierige Zeit seit dem Werkstattbrand aber noch immer nicht. In der neu errichteten Halle gebe es zahlreiche Baumängel, auch mit der Versicherung seien noch viele Fragen offen. Aufhalten lässt sich Finia Dannenberg davon aber nicht. Längst denkt die junge Meisterin darüber nach, wie sie den Betrieb weiterentwickeln kann.
Ein Wunsch liegt ihr für die Zukunft besonders am Herzen: eine eigene Werkstatt für die Lehrlinge. Dort sollen sie unabhängig vom laufenden Tagesgeschäft üben, experimentieren und auch Fehler machen dürfen. »Unsere Azubis sollen sich dort in Ruhe ausprobieren können«, sagt Finia Dannenberg. »So etwas hätte ich mir selbst immer gewünscht.«
Ihr Beruf in drei Worten:
Kreativität, Leidenschaft, Kundennähe.
Warum haben Sie sich für eine Karriere im Friseurhandwerk entschieden? Angeblich verdient man hier doch relativ schlecht.
Gleich vorweg: Das Gehalt ist zwar wichtig, schließlich muss man von seinem Beruf leben können. Aber es gibt auch noch andere Aspekte, die bei der Berufswahl wichtig sind. Macht mich der Job glücklich? Bewirke ich etwas mit meinem Tun? Das sind Fragen, die man sich auch stellen muss. Wer nur anhand der Verdienstmöglichkeiten entscheidet, verfehlt vielleicht seine Berufung.
Also war die Friseurlehre eine Berufung für Sie?
Ein klares Jein. Bei der Berufswahl war ich lange unentschlossen. Die Friseurausbildung war zunächst eher ein Versuch als ein Lebenstraum. Weil ich eine gewisse Neigung für alles Ästhetische und Kreative habe, wollte ich es einfach mal versuchen. Bewerbung geschickt, Ausbildungsvertrag unterschrieben und dann losgelegt. Es hätte genauso gut sein können, dass ich nach kurzer Zeit merke: Der Berufsalltag im Salon ist nichts für mich. Long story short: Schon nach einigen Monaten ist der Funke absolut übergesprungen. Der Umgang mit den Menschen hat mir gelegen. Es kam immer etwas unmittelbar zurück. Das hat mich gepackt.
Aber es gab doch sicher auch Schattenseiten?
Logisch. Das Gehalt als Lehrling und später als Angestellte ist tatsächlich alles andere als riesig. Acht Stunden nonstop im Salon stehen kann auch ziemlich anstrengend sein. Aber für mich hat es trotzdem gepasst. Ich hatte Freude an meiner Arbeit und das Gefühl, am richtigen Platz zu sein. Wenn ich am Ende eines Arbeitstages mindestens einen Menschen mit meiner Arbeit glücklicher gemacht hatte, konnte ich zufrieden ins Bett fallen.
Was mich allerdings damals und heute stört, ist fehlende Wertschätzung für das Friseurhandwerk und das Klischee, dass man hier nicht besonders schlau sein muss. Es gibt immer noch Menschen, die unterschätzen, wie viel Fachwissen, Kreativität und Einsatz hinter unserem Beruf stecken. Wir schneiden, färben und stylen nicht einfach nur Haare. Stammkunden vertrauen uns manchmal sehr persönliche Probleme an. Dann brauchen wir Empathie und soziale Kompetenz. Wir tragen außerdem dazu bei, dass wichtige Tage wie Hochzeiten gelingen. Und generell sorgen wir dafür, dass sich Menschen in ihrer Haut wohl fühlen. Ich wünsche mir, dass das nicht als selbstverständlich angesehen wird und dass die Kundschaft deshalb gern die Friseurrechnung bezahlt.
Mit dem Meisterabschluss wollen Sie demzufolge jetzt ein besseres Gehalt erreichen?
Das war der eine Grund für die Fortbildung. Mit einem höherwertigen Abschluss steigen auch die Gehaltsperspektiven. Der zweite Grund war mein Ego. Ich wollte mir beweisen, dass ich eine echte Herausforderung bewältigen kann und das Zeug zur selbstständigen Friseurmeisterin habe. Und der dritte Grund war die Chance auf Selbstverwirklichung. Während der Zeit, in der ich Praxiserfahrungen gesammelt habe, ist der Gedanke gereift, beruflich auf eigenen Beinen zu stehen. Mit der Zeit sind aus dem Gedanken konkrete Pläne geworden. Ich will mit einer mobilen Hair-Lounge durchstarten, mit einem VW Crafter, der als vollwertiger Friseursalon ausgestattet ist.
Es reizt mich, dieses Konzept umzusetzen, eigene Entscheidungen zu treffen und niemandem gegenüber Rechenschaft schuldig zu sein. Außer vielleicht dem Finanzamt. Aber ohne Meisterabschluss gibt es nun mal keine Selbstständigkeit im Friseurhandwerk. Also war der Meisterkurs ein notwendiger, wichtiger Schritt und letztlich unverzichtbar. Vor allem die Infos in den Bereichen BWL und Buchführung geben mir jetzt Selbstvertrauen. Ich muss mich bei geschäftlichen Entscheidungen nicht mehr auf mein Bauchgefühl verlassen.
Wann geht es mit dem »rollenden Friseursalon« los?
Als Starttermin habe ich April 2027 Im Blick. Jetzt geht es Schritt für Schritt an die Umsetzung des Projekts. Mit jedem Schritt wächst die Vorfreude.
Wem wollen Sie für die Unterstützung während des Meisterstudiums besonders danken?
Dank gilt natürlich meinen Freunden und meiner Familie, die an mich geglaubt und mich im Traum vom eigenen Unternehmen ermutigt haben. Aber auch Frau Fengler und Frau Kober von der Handwerkskammer möchte ich danken. Sie hatten immer ein offenes Ohr und waren rund um den Meisterkurs und die Prüfungen verlässliche Ansprechpartnerinnen für mich. Last but not least bin ich meiner Klasse und den Dozenten für die unglaublich tolle Zeit und die vielen Kniffe und Fachkenntnisse dankbar. Durch den enormen Input habe ich ein ganz neues Level erreicht. Und sogar den traditionellen Messerformschnitt habe ich gewuppt.
Was macht eine gute Meisterpersönlichkeit aus?
Sie steht für Qualität, Verantwortung und Kundenorientierung. Eine gute Handwerkspersönlichkeit sollte – unabhängig vom erreichten Abschluss – außerdem weltoffen, neugierig und lernbereit sein. Gleichzeitig ist eine große Portion Leidenschaft für den eigenen Beruf wichtig. Es ist wichtig, Stolz auf das eigene Tun auszustrahlen. Das spürt die Kundschaft.
Was wollten Sie als Kind werden?
Pilot. Aber ich bin dann doch lieber auf dem Boden geblieben. Ich habe gemerkt, dass mir die praktische Arbeit mehr liegt. Es ist schön, etwas mit den eigenen Händen zu erschaffen. Spätestens als ich die ersten hochwertigen Arbeiten als Fliesenleger umgesetzt hatte, war klar: Das ist mein Traumberuf. Die Kombination aus körperlicher Arbeit, Präzision, Kreativität und Planung ist genau mein Ding.
Auf welches berufliche Projekt sind Sie besonders stolz?
Ein einzelnes Projekt fällt mir gar nicht ein. Ich bin immer dann stolz, wenn der Kunde am Ende begeistert ist. Dafür muss es nicht einmal ein großer Auftrag sein.
Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn aus einem alten Raum etwas Modernes und Hochwertiges entsteht und meine Arbeit wertgeschätzt wird. Besonders gern mache ich hochwertige Badsanierungen oder arbeite mit Naturstein. Dort sind die fachlichen Herausforderungen meist auch größer.
Worüber können Sie sich im Berufsalltag aufregen?
Erstens: Unzuverlässigkeit. Im Handwerk muss man sich aufeinander verlassen können. Wenn Absprachen nicht eingehalten werden, geraten Terminketten ins Wanken und im schlimmsten Fall leiden Qualität und Nerven gleichermaßen.
Zweitens: fehlende Leidenschaft. Wenn Menschen die Begeisterung für ihre Arbeit fehlt, machen sie oft nur Dienst nach Vorschrift. Das ärgert mich, weil so meist nur Mittelmaß entsteht.
Ziehen Sie ein Fazit der Meisterfortbildung.
Sie hat Spaß gemacht und war gleichzeitig anstrengend. Einerseits war es schön, mich fachlich und persönlich weiterzuentwickeln. Mit jeder Unterrichtseinheit wurde ich ein Stück sicherer und habe erkannt, dass ich dadurch auch mehr Verantwortung übernehmen kann. Andererseits mussten Arbeit, Lernen und Privatleben unter einen Hut gebracht werden. Gerade im Privaten ist deshalb einiges zu kurz gekommen. Umso dankbarer bin ich für den großen Rückhalt meiner Frau und meiner Familie.
Was bedeutet »meisterhaft« für Sie?
Dass man Qualität auch Jahre später noch in vielen Details erkennt. Im Gegensatz dazu bedeutet »gut«, dass etwas ordentlich ist, in kleinen Dingen aber der letzte Schliff fehlt.
Vom Mofa-Schrauber in Bischkek zum Meistertitel in Leipzig
Welche Karriere Sergey Alpatsky einmal einschlagen würde, war schon an seinem zwölften Geburtstag vorgezeichnet. Zu der Zeit lebte er noch am Rand der kirgisischen Hauptstadt Bischkek, nahe der Grenze zu Kasachstan. Sein Vater schenkte ihm damals ein Mofa – allerdings unter einer Bedingung: Wenn etwas kaputt geht, sollte er lernen, es selbst zu reparieren.
Es waren die Jahre nach dem Ende der Sowjetunion. Die Familie hatte sich gerade einen zehn Jahre alten VW Jetta gekauft. »Nach all den Moskwitsch war das für uns wie eine S-Klasse«, erinnert sich Alpatsky. Zur gleichen Zeit eröffnete sein Onkel gegenüber dem Wohnhaus einen
Autoservice. Für den Jugendlichen wurde die Werkstatt schnell zum zweiten Zuhause. Nach der Schule schraubte er dort an seinen Zweirädern und half seinem Onkel. »Ich habe mit Reifenwechseln angefangen und bin schnell mit meinen Aufgaben gewachsen.«
Neustart in Sachsen
Als Sergey Alpatsky Jahre später in Leipzig eine Ausbildung in einer freien Kfz-Werkstatt beginnt, bringt er bereits jede Menge praktische Erfahrung mit. Fachlich beherrscht er damals bereits vieles, was sonst erst im dritten Lehrjahr vermittelt wird. Die größere Herausforderung ist eine andere: »Die Sprache war mein Problem.«
1999 war Sergey Alpatsky im Alter von 17 Jahren mit seinen Eltern aus Kirgisistan nach Deutschland gekommen. Die Familie lebte zunächst in einer Unterkunft in Glauchau, später in Chemnitz und schließlich in Leipzig. Zwar sprach seine Großmutter, die in Sibirien lebte, fließend Deutsch, er selbst beherrschte bei seiner Ankunft in der Bundesrepublik jedoch kaum mehr als ein paar Brocken.
Durch die tägliche Arbeit in seinem Ausbildungsbetrieb wurde es jedoch schnell besser. Nach seiner bestandenen Gesellenprüfung wechselte er jedoch das Unternehmen und arbeitete bei einem Autogas-Betrieb, ehe er 2010 zum Autoservice Alte Messe kam, wo Alpatsky bis heute geblieben ist.
Den Aufbau des Unternehmens hat er seitdem intensiv begleitet. Als die Firma zwei Jahre später in den ehemaligen Getränkemarkt einer Supermarktfiliale umzog, packte Sergey Alpatsky tatkräftig mit an und half auch beim Ausbau des Büros in der Halle mit.
Lange bevor er selbst den Meisterbrief besaß, kümmerte er sich zudem auch um die Auszubildenden im Betrieb und gab sein Wissen weiter. Zu ihnen gehörte auch der heutige Werkstattleiter André Husnullin, der drei Jahre vor ihm ebenfalls seine Meisterprüfung bestand.
Seine Chefin Nadine Berning schätzt an Sergey Alpatsky vor allem seine Kenntnisse bei komplizierten Fällen. »Er ist unser bester Mechaniker und unglaublich gut in der Fehleranalyse und Diagnose«, sagt die Firmeninhaberin. Manchmal baue er sogar eigene Werkzeuge, wenn sich ein Problem nicht anders lösen lasse.
Zwei Fehlversuche, aber Aufgeben kam nicht infrage
Dass Sergey Alpatsky irgendwann selbst den Meistertitel im Kfz-Handwerk erwerben wollte, war deshalb ein naheliegender Schritt. Einfach war der Weg allerdings nicht. Drei Jahre lang absolvierte er die Meisterfortbildung berufsbegleitend. Die Coronapandemie erschwerte den Unterricht, gleichzeitig belastete ihn die Scheidung von seiner Frau. Besonders Teil III der Meisterprüfung erwies sich als Bewährungsprobe: Zweimal scheiterte Alpatsky an der anspruchsvollen betriebswirtschaftlichen Prüfung. Aufgeben kam für ihn dennoch nicht infrage. Auch seine Chefin glaubte an ihn und übernahm schließlich die Kosten für einen weiteren Anlauf bei diesem Teil der Meisterqualifikation. »Das war eine schwierige Zeit für mich«, sagt Alpatsky
rückblickend.
Umso größer war natürlich die Erleichterung, als es schließlich klappte und er den Meisterbrief in den Händen hielt. »Ich bin unglaublich stolz, wenn ich sehe, wie weit ich seit meiner Ankunft in Deutschland gekommen bin«, sagt Kraftfahrzeugtechnikermeister Sergey Alpatsky, der sich durchaus vorstellen könnte, in den nächsten Jahren eine eigene Kfz-Werkstatt zu gründen.