Wo kein Meister, da kein Lehrling

2003 wurde die Meisterpflicht für Fliesen- und Estrichleger abgeschafft. Eine Firma gründen und Lehrlinge ausbilden, das geht in der Branche nun auch ohne Meisterbrief. Für Marcus Limpert war das keine Alternative. Im Frühling 2015 hat er seine Meisterprüfung als Fliesen-, Platten- und Mosaikleger in Leipzig abgelegt.

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Constanze Arnold

Will mich von der Konkurrenz abheben

Auf die Frage, warum er sich für den Meistertitel freiwillig noch einmal auf die Schulbank setzte, hat Marcus Limpert eine klare Antwort: "Ich will mich von der Konkurrenz abheben." Es gibt nur noch wenige Meisterbetriebe in dem Gewerk, da ist der Titel als Qualitätsgarant viel wert. "Ich denke, dass es sich mit den Jahren auf jeden Fall rechnet. Denn der Meistertitel wird auch vom Kunden nachgefragt. Er ist eine hohe Qualifizierung und das wird auch bezahlt."

Auch sein Großvater hatte Einfluss auf die Entscheidung, er ist Limperts großes Vorbild: Er hat nicht nur viele Jahrzehnte in dem Beruf gearbeitet, sondern auch Dutzende Lehrlinge erfolgreich ausgebildet. Das will Limpert später auch.

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Neben dem Job war die Belastung enorm

Angefangen hat Marcus Limpert die Meisterschule 2014 noch in Halle. Neben dem Job war die Belastung allerdings enorm. Da es in dem Jahr außerdem keine Meistervorbereitungskurse für Fliesenleger in den Teilen I und II - Fachtheorie und Praxis - in der Halleschen Handwerkskammer gab, beendete Limpert seine Meisterschule in Vollzeit in Leipzig.

Über beide Standorte hat er nur Gutes zu berichten: "Ich bin persönlich sehr zufrieden mit den Handwerkskammern, in Sachsen-Anhalt wie auch Sachsen. Ich hatte sehr gute Dozenten und kann mich wirklich nicht beschweren."

Auch fiel ihm das Lernen recht leicht, denn schließlich wusste er, wofür er sich die Mühe machte: "Mich brauchte niemand anspornen, das ging von mir selbst aus." Und nicht nur aus fachlicher Sicht habe ihm die Meisterschule viel gebracht, erklärt Limpert. "Man lernt ja auch was zum Leben dazu, nicht nur für die Arbeit, sondern auch viele soziale, zwischenmenschliche Sachen."

Wandel im Fliesenlegerbereich durch Handwerksnovelle

Mit der Handwerksnovelle 2004 wurde die Meisterpflicht für viele Handwerksberufe abgeschafft - unter anderem auch für die Fliesenleger. Sie fallen jetzt unter die sogenannte Anlage B1, also zulassungsfreie Berufe, in denen der Meisterbrief freiwillig erworben werden kann.

Die Branche hat sich daraufhin dramatisch verändert: Die Zahl der Firmen, die Fliesenarbeiten anbieten, hat sich mehr als vervierfacht. Der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) warnt seitdem vor erheblichen Qualitätsmängeln und Dumpingpreisen. Auch Marcus Limpert wünscht sich die Meisterpflicht für sein Gewerk zurück: "Ich bin auf jeden Fall für den Meister. Denn, wenn sich jeder auch ohne ausreichende Ausbildung selbstständig machen kann, ist das problematisch. Außerdem stirbt das Handwerk damit eigentlich aus. Denn, wo kein Meister, da kein Lehrling. Ich hoffe, dass sich diesbezüglich in Zukunft etwas ändert."

Keine Ein-Mann-Firma bleiben!

An seinen eigenen Zukunftsplänen bastelt Limpert schon fleißig. Direkt nach der Meisterschule hat er auch den Kurs zum Geprüften Betriebswirt nach der Handwerksordnung begonnen und ist nun bald bereit sich selbstständig zu machen.

"Und dann möchte ich mich, wenn alles klappt, in den nächsten drei bis fünf Jahren vergrößern, Angestellte haben und auch ausbilden. Es soll wachsen, ich möchte nicht auf Dauer eine Ein-Mann-Firma bleiben." 

Eine besondere Geschäftsidee für sein Unternehmen hat er auch schon: Gemeinsam mit Freunden aus anderen Handwerksbereichen möchte er Komplettbäder und deren Sanierung anbieten. Der Kunde wendet sich dann nur an einen Ansprechpartner und bekommt die Fliesen-, Maler-, Heizungs- und Sanitärarbeiten aus einer Hand. Mit kundenfreundlichen Angeboten wie diesen, so ist sich Limpert sicher, lässt sich ein stabiler Markt für sein zukünftiges Handwerksunternehmen erschließen.