Wie Sachsen sein Handwerk fit für die Zukunft machen will

Mit dem »Aktionsplan für ein starkes sächsisches Handwerk« hat der Freistaat ein umfassendes Maßnahmenpaket beschlossen, das gezielt Investitionen, Fachkräftesicherung und Entlastung verbindet. Über die Vorhaben hatten wir bereits im April-Newsletter berichtet. Nun gab es grünes Licht im sächsischen Landtag.

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Unterstützung aus allen Parteien für die Förderung des Handwerks

Leipzigs Handwerkskammerpräsident Matthias Forßbohm zeigte sich erfreut über das Abstimmungsergebnis: »Der Aktionsplan Handwerk für Sachsen ging ohne Gegenstimmen durchs Parlament. Von links außen bis rechts außen gab es Zustimmung. Das zeigt, dass das Handwerk der Kitt ist, der die Gesellschaft im Freistaat zusammenhält.«

Dies ist auch die klare Botschaft des Aktionsplans: Das Handwerk ist eine tragende Säule der Wirtschaft. Mehr als 54.000 Betriebe mit rund 280.000 Beschäftigten sichern Wertschöpfung, Innovation und Versorgung im Freistaat. Gleichzeitig übernehmen sie zentrale Aufgaben – von Energiewende über Wohnungsbau bis zur Digitalisierung.

Gute Bedingungen für künftige Fachkräfte

Ein Schwerpunkt des Aktionsplans liegt auf der Stärkung der beruflichen Bildung. Über den sogenannten Sachsenfonds sollen überbetriebliche Ausbildungszentren modernisiert und zukunftsfest ausgestattet werden. Neue Technologien, energieeffiziente Verfahren und digitale Anforderungen erfordern moderne Lernumgebungen – nur so können die Fachkräfte von morgen qualifiziert werden, so das verantwortliche sächsische Wirtschaftsministerium.

Die Entwicklung zeigt: Investitionen wirken. Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist in Sachsen zwischen 2021 und 2025 um rund 15 Prozent gestiegen.

Meisterbonus steigt auf 3.000 Euro

Ein weiteres zentrales Signal ist die Stärkung der Aufstiegsqualifizierung. Wer in Sachsen eine Meisterprüfung ablegt, wird stärker unterstützt. Der Meisterbonus steigt auf 3.000 Euro. Die Erhöhung tritt rückwirkend zum 1. Januar 2026 in Kraft. Damit setzt der Freistaat ein klares Zeichen für die Gleichwertigkeit beruflicher und akademischer Bildung. Gleichzeitig soll die Maßnahme dazu beitragen, die Meisterqualifikation noch attraktiver zu machen. Wirtschafts- und Arbeitsminister Dirk Panter: »Die Erhöhung des Meisterbonus ist ein starkes Signal der Wertschätzung für alle Meisterberufe. […] Denn Meisterinnen und Meister gründen oder übernehmen Betriebe, schaffen Arbeitsplätze und sichern die Ausbildung von morgen. Das ist für unseren Wirtschaftsstandort unverzichtbar.«



Meisterabschluss steht für Sicherheit, Qualität und Verantwortung

In manchen Handwerksberufen ist der Meisterabschluss Voraussetzung, um einen Betrieb selbstständig zu führen und auszubilden. Das gilt für zulassungspflichtige Gewerke, in denen besondere Anforderungen an Sicherheit, Qualität und Verantwortung gestellt werden. Die Meisterpflicht soll sicherstellen, dass Arbeiten fachgerecht ausgeführt werden, dass Ausbildungsqualität gewährleistet ist und dass Kundinnen und Kunden auf solides handwerkliches Können vertrauen können. Der Meistertitel steht deshalb nicht nur für Fachwissen, sondern auch für Verantwortung. Gerade in diesen Berufen ist der Meister wichtig, weil er Wissen weitergibt, Nachwuchs ausbildet und Betriebe langfristig sichert. So bleibt handwerkliche Qualität in Sachsen erhalten.

Hinzu kommt: Viele Betriebe stehen vor einem Generationswechsel. Fast 40 Prozent der sächsischen Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber sind älter als 55 Jahre. In den kommenden zehn Jahren stehen rund 19.000 Betriebsübergaben an. Gut ausgebildete Meisterinnen und Meister sind deshalb entscheidend, damit Betriebe weitergeführt und Arbeitsplätze erhalten werden können.

Stärkung der Berufsorientierung

Der »Aktionsplan für ein starkes sächsisches Handwerk« setzt außerdem bei der Berufsorientierung an, die stärker in den Schulen verankert und praxisnäher gestaltet werden soll. Projekte wie Werkstatttage, Kooperationen zwischen Schulen und Betrieben sowie ein mögliches freiwilliges Jahr im Handwerk sollen jungen Menschen die Chancen der Branche näherbringen und einen schnellen Einstieg ermöglichen.

Konkrete Pläne zum Abbau von Bürokratiebelastungen 

Neben Investitionen setzt der Aktionsplan auch auf Entlastung. Bürokratieabbau gehört zu den zentralen Zielen: Weniger Berichtspflichten, digitale Verfahren und das Prinzip der einmaligen Datenerfassung (»Once Only«) sollen den Aufwand für Betriebe deutlich reduzieren. Dazu liegt ein Gesetzentwurf vor, der einen grundlegenden Systemwechsel im Verhältnis zwischen Staat, Bürgerinnen und Bürgern sowie Unternehmen einleitet. Der Entwurf sieht vor, dass in Sachsen ab Mai 2027 sämtliche sogenannte BANDA-Pflichten (Berichts-, Auskunfts-, Nachweis-, Dokumentations- und Aufbewahrungspflichten) aufgehoben, Genehmigungen vereinfacht und beschleunigt sowie Schriftformerfordernisse ersetzt werden. Neue Bürokratiebelastungen müssen zukünftig besonders begründet werden.

Weiter teilte die sächsische Staatskanzlei mit, dass grundsätzlich für jeden Vorgang eine sogenannte »Genehmigungsfiktion« gelten soll. Ebenfalls ab Mai 2027 gelten dann demnach Anträge grundsätzlich als genehmigt, wenn die zuständige Behörde nicht innerhalb von drei Monaten nach Eingang der vollständigen Unterlagen anders entschieden hat. Unternehmen können bei der Ausgestaltung des »Ersten Sächsischen Gesetzes zur Bürokratieentlastung und Staatsmodernisierung« mitentscheiden. 

Jetzt Bürokratieentlastung mitgestalten (buergerbeteiligung.sachsen.de)

Der Aktionsplan bündelt insgesamt zahlreiche Maßnahmen – von Ausbildung über Meisterqualifikation bis hin zu Digitalisierung und Entbürokratisierung. Ziel ist ein verlässlicher Rahmen für die Betriebe, der Zukunftsinvestitionen möglich macht und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit stärkt. Er setzt wichtige Impulse für das sächsische Handwerk.

Entscheidend wird nun sein, wie schnell und praxisnah die Maßnahmen umgesetzt werden.