Deutsches Handwerksblatt | Ausgabe 12/2025Unternehmensgründung via Zeitungsannonce
Die Polaris Kälte- und Klimatechnik GmbH schreibt Erfolgsgeschichte auf Basis vertrauensvoller Zusammenarbeit eines Investors und Handwerkers.
Ein Porträt von Anett Fritzsche.
Die Polaris Kälte- und Klimatechnik GmbH schreibt Erfolgsgeschichte auf Basis vertrauensvoller Zusammenarbeit eines Investors und Handwerkers.
Die Polaris Kälte- und Klimatechnik GmbH mit Sitz in Markkleeberg hat eine ganz erstaunliche Gründungsgeschichte: Im Juli 1990 investierte ein Bundesbürger 150.000 DDR-Mark Stammkapital in die Gründung des Unternehmens, das damals offiziell noch auf dem Gebiet der DDR gelegen war. Ein mutiger Schritt vom Kapitalgeber Reiner Wiemer, wenn man bedenkt, dass genau am Tag der Rolleneintragung des Unternehmens – dem 8. August 1990 – die Volkskammer der DDR den Beitritt zur BRD vorerst ablehnte. Erst gute zwei Wochen später, am 23. August, beschloss die Volkskammer schließlich nach einer langen und turbulenten Sitzung, dass die DDR am 3. Oktober 1990 der Bundesrepublik beitreten wird. Offensichtlich sah Reiner Wiemer von Anfang an die Potenziale »des Wilden Ostens« und suchte schließlich per Zeitungsannonce einen Geschäftspartner mit handwerklichem Know-how für das frisch gegründete Unternehmen. Es wurde das perfekte Match: Volker Maasch, seines Zeichens Elektro-, Kälte- und Klimameister aus Grimma, übernahm die Geschäftsführung und machte sich fortan auf den Weg, um die Branche mit hochwertigen Produkten und Dienstleistungen zu bereichern.
Fundierte Ausbildung für anspruchsvolle und vielfältige Projekte
35 Jahre später sind im Unternehmen im Anlagenbau drei Projektleiter, 65 Mitarbeiter insgesamt sowie acht Auszubildende in den Berufen Mechatroniker für Kältetechnik sowie Kauffrau für Büromanagement beschäftigt. Auf Ausbildung wurde seit Unternehmensgründung viel Wert und Kontinuität gelegt. Im ersten halben Jahr laufen die Auszubildenden mit den Monteuren mit und gehen auf Baustellen, um über Zusehen und Erklärungen anhand der Praxis zu lernen. Danach steigen sie in die Materialkunde ein, um anschließend selbst auf Montage zu gehen und die praktische Umsetzung des Gelernten anzuwenden. Alle Auszubildenden durchlaufen den Anlagenbau und den Service.
Die bis jetzt umgesetzten über 2.200 Großprojekte sind vielfältig und teilweise sehr anspruchsvoll. Angefangen von einfachen Split-Anlagen über anspruchsvolle Klimasysteme, bis hin zu komplexen Verbundanlagen sind langjähriges Know-how und ein starkes Netzwerk qualitativ hochwertiger Partner notwendig, um die Anlagen zu errichten. Im Leipziger Melia Hotel wurden beispielsweise mehr als 200 Innengeräte eingebaut und komplexe Reglungsanforderungen umgesetzt. Dank der hauseigenen Planungsabteilung bewältigt die Polaris solche Projekte souverän aus einer Hand. Egal ob Planung, Engineering, Installation oder Service – die Mitarbeiter bringen ihre Expertise in jeden Auftrag ein. Alles ist mithilfe von Projekt- und Kollisionsplänen genauestens durchgetaktet, sodass die Anlagen in Rekordzeit in Betrieb gehen. »Es ist eher selten, dass wir auf einer Baustelle einen Geburtstag feiern«, meint dazu Philipp Kalisch, Betriebsleiter in Markkleeberg. Und das, obwohl das Unternehmen mit hohem Montageanteil wie die meisten aus der Branche die Vier-Tage-Woche lebt.
Die Bandbreite der Kunden ist groß. Von Hotels und Flughäfen über Automobilhersteller bis hin zu Serverzentren hat die Polaris die unterschiedlichsten An- und Herausforderungen bewältigt. Das Unternehmen hat sich auch einen guten Ruf erarbeitet, wenn es um Probleme bestehender Anlagen geht. So funktionierte beispielsweise bei einer fertiggestellten Logistikhalle die Temperierung nicht. »Wir haben dann übernommen und mussten uns ganz schön reindenken und tüfteln. Am Ende aber hat dann alles funktioniert und der Kunde war glücklich«, berichtet Philipp Kalisch.
Unternehmen wächst weiter
Ein umfangreicher, kompetenter und zuverlässiger Wartungsdienst ist seit Anfang an mit im Service des Unternehmens enthalten und so weit gewachsen, dass seit 2001 dafür eine weitere GmbH gegründet und eine Zweigstelle in Spremberg eröffnet wurde. Drei Umzüge haben die Polaris schließlich im Jahr 2007 nach Markkleeberg geführt. Immer war der Auslöser dafür das Unternehmenswachstum. Mit Marco Germer, seit 2018 der verantwortliche Geschäftsführer des Unternehmens, hat die nächste Generation übernommen. Und es scheint so, dass alles im Sinne des Gründer-Duos weitergeht. Philipp Kalisch: »Unsere eigentlichen Unternehmenswerte sind unser Teamgeist, die Loyalität zueinander und zum Unternehmen und dass wir unternehmerisches Denken von jedem Einzelnen voraussetzen.«
Denn auch 2026 stehen für die Polaris weitere Entwicklungsschritte an. Mit der Gründung der Polaris Energie+Klima mit Sitz in Berlin erst in diesem Jahr wird es einen weiteren Betriebsleiter, zehn Mitarbeiter und einen Geschäftsführer geben. Der bereits begonnene Digitalisierungsprozess wird fortgesetzt. So sollen vor allem Rechnungen schneller und automatisiert mithilfe von künstlicher Intelligenz bearbeitet und die Projekt- und Personalplanung digitaler aufgestellt werden. Geplant ist auch ein Intranet für die Mitarbeiter. »Wir wollen damit Informationsunterschiede zwischen den Standorten ausgleichen und neue Mitarbeiter von Anfang an gut einbinden«, so Philipp Kalisch weiter.
Auch nach außen stellt sich das Unternehmen neu auf. Für das Marketing ist die Entwicklung einer verbindenden Dachmarke für die drei Standorte geplant, die auch ein neues Logo und einen überarbeiteten Internetauftritt einschließt.