Archivbeitrag | Newsletter Außenwirtschaft 2026Schweiz: Restaurierung trifft Innovation: Sächsisches Handwerk zu Gast in Zürich

Im März 2026 erkundeten 15 sächsische Handwerksbetriebe aus den Bereichen Denkmalpflege und Restaurierung die Schweizer Fachmesse »CULTURA SUISSE« in Zürich, um den fachlichen Austausch zu pflegen und Kontakte für mögliche zukünftige Kooperationen zu knüpfen.

Handwerkskammer zu Leipzig

Vom 24. bis 27. März 2026 erkundeten 15 sächsische Handwerksbetriebe aus den Bereichen Denkmalpflege und Restaurierung die Schweizer Fachmesse »CULTURA SUISSE« in Zürich. Ziel der Messeerkundungsreise war es, aktuelle Entwicklungen in der Bestandssanierung kennenzulernen, fachlichen Austausch zu pflegen und Kontakte für mögliche zukünftige Kooperationen zu knüpfen.
 

Forschung und Praxis an der ETH Zürich

Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch der ETH Zürich auf dem Campus Hönggerberg. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in aktuelle Forschungsansätze zur Baukultur und Bestandserhaltung sowie in digitale und robotische Zukunftstechnologien des Bauens.

Professorin Silke Langenberg stellte den von ihr geprägten Begriff des »Konstruktionserbes« vor, der den klassischen Denkmalbegriff erweitert und auch alltägliche, gesellschaftlich relevante Bauten in den Fokus rückt. Anhand konkreter Praxisprojekte – darunter die Restaurierung der Semperaula, Untersuchungen zu Klöstern und Pilgerzentren sowie Arbeiten am Berghotel Schatzalp in Davos – wurde deutlich, wie eng Forschung und Restaurierungspraxis an der ETH verzahnt sind. Besonders spannend war der Ansatz, Erkenntnisse aus der Restaurierung kleiner Objekte auf architektonische Fragestellungen zu übertragen.
 

Digitale Bauprozesse und nachhaltige Materialien

Im Robotic Fabrication Laboratory der ETH lernten die Teilnehmenden innovative digitale Fertigungsverfahren kennen. Gezeigt wurden unter  anderem Experimente mit betongedrucktem Ton, Holz-Lehm-Hybriden sowie die Untersuchung traditioneller Materialien unter modernen Bedingungen. Der Besuch verdeutlichte eindrucksvoll, wie sich bewährte Bauweisen mit digitalen Methoden weiterentwickeln lassen.
 

Fachmesse »CULTURA SUISSE«

Ein weiterer Schwerpunkt der Reise war der Besuch der »CULTURA SUISSE«, der führenden Schweizer Fachmesse für Denkmalpflege, Museen und Kulturerbe. Messechef Peter Plan begrüßte die Delegation persönlich und gab einen Überblick über aktuelle Trends und Herausforderungen der Branche. Zahlreiche Fachgespräche mit Schweizer Restaurierungsbetrieben, Materialherstellern und Fachplanern boten wertvolle Einblicke in unterschiedliche Herangehensweisen der Denkmalpflege.

Handwerkskammer zu Leipzig

Ergänzt wurde der Messebesuch durch einen Fachworkshop zur Denkmalpflege in der Schweiz, in dem rechtliche Rahmenbedingungen, methodische Unterschiede und innovative Restaurierungsansätze diskutiert wurden.
 

Baustellenbesichtigung am Großmünster Zürich

Ein besonderes Highlight war die Baustellenführung am Großmünster Zürich. Unter fachkundiger Begleitung von Moritz Weizenegger, Steinmetz und Restaurator, erhielt die Gruppe Einblicke in die laufende Fassadenrestaurierung eines der bedeutendsten Sakralbauten der Schweiz. Dabei wurden sowohl traditionelle Steinmetztechniken als auch moderne naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden vorgestellt.

Handwerkskammer zu Leipzig

Einblick in die frisch restaurierte Semperaula

Ein besonderer zusätzlicher Programmpunkt am dritten Reisetag ergab sich spontan mit der Möglichkeit, gemeinsam mit Dr. Robin Rehm, Senior Researcher der ETH und zuständig für die Restaurierung, die Semperaula zu besichtigen. Die Aula zählt zu den architektonisch bedeutendsten Werken von Gottfried Semper – für die sächsische Delegation ein besonderer Moment, da Semper auch der Erbauer der Dresdner Semperoper ist.

Dr. Rehm erläuterte die rund vierjährige Restaurierung der Aula, bei der unter anderem historische Stuckaturen gesichert und originalgetreu instandgesetzt wurden. Besonders eindrucksvoll waren seine Ausführungen zur symbolischen Gestaltung des Raumes, in dem Athene – Schutzgöttin des Handwerks – eine zentrale Rolle spielt. Für die Teilnehmenden bot sich die seltene Gelegenheit, fachliche Fragen direkt mit dem verantwortlichen Restaurator zu diskutieren.
 

Eindrücke der Teilnehmer

Zu den Teilnehmern der Reise gehörte unter anderem Thomas Seiler, Geschäftsführer der Projekt A Bauunternehmergesellschaft mbH. Sein Fazit zur Reise: »Besonders wertvoll waren für uns die direkten Produktinformationen der Lieferanten vor Ort und zu sehen, wie Materialien in der Praxis verarbeitet werden. Der Baustellenbesuch hat uns zusätzlich wichtige Einblicke gegeben, wie historische Objekte in der Schweiz erhalten werden. Darüber hinaus konnten wir konkrete Kontakte zu Lieferanten knüpfen, die für unseren Betrieb sehr interessant sind.«

Seitens der JH Steingestaltung GmbH war Jacqueline Hausotte in Zürich mit unterwegs. Sie bewertet die Reiseteilnahme folgendermaßen: »Für unseren Betrieb war es vor allem spannend, interkulturelle Besonderheiten in der Schweiz kennenzulernen und sich intensiv mit anderen Teilnehmenden auszutauschen. Der fachliche Dialog und das Netzwerken innerhalb der Gruppe waren äußerst wertvoll. Zudem haben wir mehrere vielversprechende Kontakte zu potenziellen Kooperationspartnern geknüpft.«



Kontakt

Marco Kitzing

Antje Barthauer

Beraterin Außenwirtschaft / Exportscout

Dresdner Straße 11/13

04103 Leipzig

Tel. 0341 2188-304

Fax 0341 2188-25304

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