Sachsenhandwerk im Stimmungstief
Die Stimmung im Handwerk des Freistaates hat sich deutlich eingetrübt. Nur noch etwas mehr als ein Drittel der Unternehmen schätzt die aktuelle Geschäftslage als gut ein. Das sind zehn Prozentpunkte weniger im Vergleich zum Vorjahr. Im freien Fall befinden sich die Erwartungen für die kommenden Monate.
Zukunftserwartungen auf Zehn-Jahres-Tief
Der Sächsische Handwerkstag hat die Konjunkturdaten aus dem Handwerk des Freistaates erfasst. Demnach bezeichnen aktuell 37 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als gut. Zum Vergleich: Im Herbst 2018 waren es mit 71 Prozent fast doppelt so viel. Selbst während der Corona-Pandemie lagen die Durchschnittswerte über denen von diesem Jahr. Das zeigt, mit welchen Herausforderungen die Unternehmen derzeit zu kämpfen haben.
Auftragsvorlauf: 9,2 Wochen
Die Positivbewertungen sind im Vergleich zum Vorjahr in allen Gewerken rückläufig. Im Kfz-Gewerbe sowie im Ausbau- und im Nahrungsmittelhandwerk sanken die Werte um 14 beziehungsweise 13 Prozentpunkte. Eine Ursache hierfür liegt in den Auftragsbüchern. Diese füllen sich in vielen Unternehmen nur noch schleppend. Das zeigt, dass die von der Politik angekündigten Investitionen in den Unternehmen noch nicht ankommen. Noch liegt der Auftragsvorlauf im Schnitt bei 9,2 Wochen (2024: 9,6 Wochen). Im Jahr 2022 erreichte der Wert aber stolze 12,8 Wochen.
Umsatzplus nur bei personenbezogenen Dienstleistungen
Drei von zehn Unternehmen verzeichneten im Berichtsquartal sinkende Umsätze. Besonders betroffen waren die Handwerke für den gewerblichen Bedarf. Sie sind häufig als Zulieferer oder Dienstleister für die zurzeit schwächelnde Industrie tätig. Einzig die personenbezogenen Dienstleister – hierzu zählen unter anderem Friseure, Fotografen, Kosmetiker – konnten ein Umsatzplus verbuchen. 14 Prozent (2024: 12 Prozent) der Betriebe steigerten die Absatzzahlen.
Höhere Verkaufspreise und Kosten – stabile Belegschaften
Deutlich mehr Unternehmen konnten höhere Verkaufspreise am Markt durchsetzen. 45 Prozent der Autohäuser und Kfz-Werkstätten sowie 37 Prozent der Nahrungsmittelhandwerke erzielten höhere Verkaufspreise. Das ist angesichts der hohen Kosten für Material, Vorprodukte und Energie auch notwendig, um wirtschaftlich zu bleiben.
Die Zahl der Mitarbeiter im sächsischen Handwerk bleibt weitgehend stabil. Rund 280.000 Frauen und Männer sind in den Unternehmen beschäftigt (einschließlich Inhaber). Zwölf Prozent der Betriebe freuten sich über mehr Personal, 13 Prozent mussten Abgänge verkraften. Die Unternehmen investieren viel, um ihre Fachkräfte zu halten. Sie wissen, dass gute Mitarbeiter am freien Markt rar sind. Auch in Zukunft wollen die Betriebe weiterhin an ihrer Belegschaft festhalten.
Investitionen auf niedrigem Niveau
Die vielfach angespannte wirtschaftliche Lage der Unternehmen hat unmittelbare Auswirkungen auf das Investitionsverhalten. Das Volumen verharrt auf einem niedrigen Niveau. Das Motto ist, erstmal abwarten und schauen, wie sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entwickeln. Es fehlt die Planbarkeit und an Zuversicht. 36 Prozent der Unternehmen gaben an, dass sie im Berichtsquartal weniger investiert haben. Mehr Geld in die Hand genommen hat lediglich jeder zehnte Betrieb. Wenn investiert wurde, dann hauptsächlich im Bereich Ersatz.
Kein Aufschwung in Sicht
Das sächsische Handwerk erwartet für die kommenden Monate keinen Aufschwung. Im Gegenteil: 44 Prozent der Betriebe rechnen mit nochmals schlechter laufenden Geschäften. Das sind 19 Prozentpunkte mehr als Herbst 2024. Damit sinken die Erwartungen auf einen Tiefstand, wie es ihn seit zehn Jahren nicht mehr gab. Betroffen sind alle Gewerke. Die Bauwirtschaft, die viele Jahre die Konjunktur maßgeblich positiv belebt hat, fällt als Taktgeber derzeit aus. Einzig der soziale Wohnungsbau läuft weitgehend normal.
An der Konjunkturbefragung des Sächsischen Handwerkstages beteiligten sich 1.305 Unternehmen aus dem Freistaat.