Richtig Abschied zu nehmen, ist so wichtig.
Robert Iwanetz

Richtig Abschied zu nehmen, ist so wichtig.

Ein Porträt von Robert Iwanetz.
 

Bestattungsunternehmen, wie der Familienbetrieb von Christian Päschel, stellt die Pandemie vor extreme Herausforderungen.
 

Die Särge haben sich bei ihm bislang nicht gestapelt, so viel will Christian Päschel von vornherein klarstellen. Und doch hat das Bestattungshaus Päschel stark unter der Corona-Pandemie gelitten. "So ein Jahr haben wir überhaupt noch nicht erlebt", sagt der Bestattermeister und meint damit die gesamte Firmengeschichte. Mehr als 20 Jahre ist es her, dass sein Vater Jürgen Päschel das Bestattungsunternehmen mit heute 6 Geschäftsstellen und 15 Mitarbeitern gründete.

Das Bestattungshaus Päschel ist tief verwachsen in den ländlichen Regionen rund um Leipzig. Man kennt die Kundschaft, das Vertrauensverhältnis ist eng. "Wir sind ein ganz traditioneller Familienbetrieb", sagt Christian Päschel, der 2006 ins Unternehmen einstieg und sich seit 2017 die Geschäftsführung mit seinem Vater teilt. Seine Mutter ist für die Buchhaltung zuständig, seine Tante leitet die Geschäftsstelle in Groitzsch.
 

Föderaler Flickenteppich

Normalerweise ist auch die Arbeit planbar. So kümmerte sich die Familie Päschel bislang um rund 500 bis 600 Bestattungen jährlich. Auch 2020 waren es nur unwesentlich mehr. Von einer Übersterblichkeit war im Raum Leipzig viele Monate kaum etwas zu spüren, nur im Dezember zeigten die Todeszahlen einen ungekannten Höchststand. Die Belastung für den Familienbetrieb seien dennoch enorm gewachsen. Die Strapazen sind vielfältiger Natur: bürokratisch, psychisch, unternehmerisch. So musste Christian Päschel beinahe im Wochentakt seine Arbeitsabläufe an immer neue Corona-Verordnungen anpassen. Ständig änderten sich Details: Wie viele Leute dürfen an einer Trauerfeier teilnehmen? Sind Gäste auch im inneren einer Kapelle gestattet? Ist ein Abschied am offenen Sarg erlaubt, wenn der Verstorbene einer Corona-Infektion erlag? Die Antworten darauf variierten von Gemeinde zu Gemeinde, manchmal sogar von Friedhof zu Friedhof. "Dieser föderale Flickenteppich ist für uns eine einzige Katastrophe", sagt Christian Päschel.
 

Prädikat "systemrelevant"

Durch die undurchsichtigen Regeln musste der Bestatter oft als Prellbock für das Unverständnis der Hinter-
bliebenen herhalten. So war Christian Päschel im Zweifel die Person, die verkündete, dass der Abschied von einem geliebten Familienmitglied nicht wie geplant stattfinden kann. "Das war teilweise sehr hart, was man da an Auseinandersetzungen aushalten musste", sagt der Bestattermeister. Dazu kommt für ihn als Geschäftsführer der Schutz seiner eigenen Mitarbeiter. Insgesamt rund 90 Corona-Tote wurden in seinem Bestattungshaus in den vergangenen Monaten bestattet. Transportiert werden die Leichen in speziellen Bodybags. Die Bestatter tragen komplette Schutzmontur während aller Tätigkeiten. Schutzanzüge, Füßlinge, doppelte Handschuhe. Nach dem Transport müssen Auto und Kühlzellen komplett desinfiziert werden. Für das Bestattungshaus Päschel eigentlich ein Standard-Prozedere bei Infektionskrankheiten. Das Team würde auch so bei Toten verfahren, die an Pest oder Cholera gestorben sind. "Trotzdem ist es eine hohe psychische Belastung für unsere Mitarbeiter, weil die permanente Angst da ist, sich anzustecken", sagt Christian Päschel. Zu allem Überfluss war auch noch der Markt für Schutzausrüstung in den ersten Monaten der Pandemie wie leergefegt. Selbst einfache Dinge wie Nitril-Schutzhandschuhe seien zeitweise nicht zu bekommen gewesen.

Was Christian Päschel aber mehr wurmte, war das öffentliche Vergessen seines Gewerks. "Unsere Gesellschaft funktioniert nicht ohne unsere Arbeit", sagt der gebürtige Leipziger. Trotzdem dauerte es Wochen, bis auch Bestatter das Prädikat "systemrelevant" erhielten. Vorher kämpfe er als Vater einer fünfjährigen Tochter immer wieder mit der erhöhten Arbeitsbelastung und den fehlenden Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Die geringe Wertschätzung für seinen Berufsstand sieht der Bestattermeister im gesellschaftlichen Ausblenden des Todes begründet.
 

Mit Qualität überzeugen

"Das Thema Tod ist ein großes Tabu, deshalb wird unsere Branche oft nicht genügend wahrgenommen", sagt Christian Päschel. Dazu komme, dass die Berufsbezeichnung "Bestatter" noch immer nicht geschützt sei und sich einige schwarze Schafe am Markt tummeln. "Davon wollten wir uns als Meisterbetrieb bewusst abgrenzen und mit Qualität überzeugen", sagt Päschel, der 2006 der erste Lehrling im Betrieb war und 2017 - wie vor ihm sein Vater Jürgen - ebenfalls die Meisterprüfung bestand. So bildet der Betrieb seit vielen Jahren kontinuierlich eigene Fachkräfte aus. "Wir kriegen viele Anfragen, das Interesse ist groß", sagt Päschel. Viele würden jedoch die Anforderungen an den Beruf des Bestatters unterschätzen. "Man braucht schon ein sehr sicheres persönliches Fundament, um im Berufsalltag stets die Fassung zu wahren", sagt Päschel, der sich seit 2014 auch Thanatopraktiker nennen darf - als einer von nur 150 bundesweit. Bei dieser Spezialisierung geht es um die ästhetische Aufbahrung und das Konservieren von Toten, beispielsweise um sie für eine Bestattung in ein anderes Land zu überführen. 

Er selbst hat seine Entscheidung, in den Familienbetrieb eingestiegen zu sein, nie bereut. "Man bekommt eine tiefe Dankbarkeit der Menschen für seine Arbeit zurück", sagt der Bestattermeister, der in ein paar Jahren den Familienbetrieb allein führen will. Gerade wird der Firmenstammsitz in Markkleeberg modernisiert. Christian Päschel hofft nun, dass im Laufe des Jahres die Trauerarbeit wieder zur Normalität zurückkehren kann. "Richtig Abschied von einem Menschen zu nehmen, ist so wichtig", sagt der Bestattermeister. Es bleibe sonst immer eine Wunde zurück.

Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 04/2021 erschienen.


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Dr. Andrea Wolter

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