Archivbeitrag | Newsletter Außenwirtschaft 2025Restaurierung trifft Zukunft: Sächsisches Handwerk auf Markterkundungsreise in Kopenhagen

Vom 22. bis 25. September 2025 besuchten neun sächsische Handwerksbetriebe Kopenhagen, um Einblicke in Restaurierung, nachhaltige Stadtentwicklung und Kooperationen zu gewinnen. Höhepunkte waren der Austausch mit dänischen Architekten, der Besuch bei Raadvad Stenhuggeri sowie Vorträge bei Dansk Håndværk und Dansk Erhverv zur Restaurierung der historischen Börse.

Handwerkskammer zu Leipzig

Vom 22. bis 25. September 2025 erkundeten neun sächsische Handwerksbetriebe aus dem Bereich Denkmalpflege und Restaurierung die dänische Hauptstadt. Ziel der Reise war es, Einblicke in innovative Ansätze der Bestandssanierung und in die Restaurierungspraxis zu gewinnen, Kontakte zu knüpfen und Potenziale für zukünftige Kooperationen auszuloten. Bereits zum Auftakt der Reise konnten wir mit Philipp Hesse von HEJ Arkitekter und Vorstandsmitglied bei ICOMOS Dänemark, über die Rolle des Handwerks im internationalen Kulturerbeschutz sprechen. Besonders spannend war seine Perspektive auf die Verbindung von Architektur, Nachhaltigkeit und Denkmalpflege – ein Thema, das uns in den kommenden Tagen immer wieder begegnete.

Sandstein aus Hannover und der Schweiz

Ein besonderer Programmpunkt war der Besuch beim traditionsreichen Steinmetzbetrieb Raadvad Stenhuggeri in Herlev. Der Betrieb ist auf die Restaurierung historischer Gebäude, Skulpturen und Kirchen spezialisiert und bildet derzeit vier Lehrlinge aus. Bereits vor dem verheerenden Brand war Raadvad in die Restaurierung der historischen Börse in Kopenhagen eingebunden. Für dieses Projekt verwendet das Unternehmen ausschließlich Sandstein aus Hannover und der Schweiz – insbesondere Obernkirchener Sandstein, dessen gelblicher Farbton dem ursprünglich verwendeten schwedischen Material besonders nahekommt. Die Teilnehmenden erhielten exklusive Einblicke in die Restaurierungspläne der Börse und konnten sich die einzelnen Arbeitsschritte und Bauelemente detailliert erläutern lassen – ein anschauliches Beispiel für handwerkliche Präzision und materialgerechtes Arbeiten im Denkmalschutz.

Wiederaufbau der historischen Börse

Weitere Stationen der Reise waren das Stadtentwicklungsprojekt Jernbanebyen, das auf nachhaltige Umnutzung historischer Werkhallen setzt, sowie die dänische Arbeitgeberorganisation Dansk Håndværk. Dort standen Themen wie Sanierung versus Restaurierung, Wärmedämmung und CO₂-Verbrauch im Lebenszyklus eines Gebäudes im Mittelpunkt. Ein Highlight war der Besuch bei Dansk Erhverv, wo Projektleiter Christian Sestoft wertvolle Einblicke in den Wiederaufbau der historischen Börse in Kopenhagen gab. Die Teilnehmenden erhielten detaillierte Informationen zum Stand der Arbeiten, zur Materialbeschaffung und zur Finanzierung des Großprojekts – ein praxisnaher Blick hinter die Kulissen eines der bedeutendsten Restaurierungsvorhaben Dänemarks.
 

Matthias Huber
Zimmerei P & H GmbH

»Die Reise war fachlich sehr gut zusammengestellt – besonders der Besuch beim Steinmetzbetrieb Raadvad Stenhuggeri, die Vorträge bei Dansk Håndværk sowie das Gespräch mit Christian Sestoft bei Danks Erhverv zur Restaurierung der Börse haben mir viele neue Impulse gegeben. Besonders spannend war die Idee von Professor Kampmann, den Lebenszyklus eines Gebäudes als Grundlage für nachhaltige Restaurierung zu betrachten. Beeindruckt haben mich auch die Stadtteilentwicklungsprojekte in Carlsbergbyen und Jernbanebyen. Die Kombination aus Nachhaltigkeit, durchdachter Planung und dem respektvollen Umgang mit historischer Bausubstanz zeigt, dass uns die Dänen in manchen Punkten einen Schritt voraus sind. Positiv fand ich, dass dort das Handwerk einen hohen Stellenwert hat und auch die Kommunikation zwischen den Gewerken aktiv gefördert wird.«

Ralf Breitsprecher
angehender Restaurator im Handwerk

»Die Reise war für mich eine enorme Bereicherung. Der Austausch mit erfahrenen sächsischen Betrieben aus der Denkmalpflege, die praxisnahen Vorträge und die Gespräche mit dänischen Fachleuten haben mir neue Perspektiven eröffnet – sowohl für meine Ausbildung als auch für zukünftige Projekte. Besonders beeindruckt haben mich die innovativen Stadtteilentwicklungsprojekte in Carlsbergbyen und Jernbanebyen. Dort wird eine kreative Verschränkung von Neu und Alt angestrebt, bei der der Respekt für die Vergangenheit stets spürbar bleibt. Der Wunsch nach hoher Lebensqualität in Verbindung mit ökologischer Nachhaltigkeit schafft einen spannenden Brückenschlag zum Arbeitsfeld der handwerklichen Restaurierung, die hier wertvolle Beiträge leisten kann.«

Kontakt

Marco Kitzing

Antje Barthauer

Beraterin Außenwirtschaft / Exportscout

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