Pionier in der Elektromobilität
Robert Iwanetz

Pionier in der Elektromobilität

Ein Porträt von Robert Iwanetz.

Lutz Förster hat den ersten reinen E-Roller-Store in Leipzig eröffnet und damit Verkauf, Werkstatt sowie Büro- und Schulungsräume an einem Ort vereint.

Vor über 40 Jahren hatte Lutz Förster schon einmal eine prägende Begegnung mit dem Gebäude, in dem er vor kurzem das erste reine Elektro-Roller-Geschäft in Leipzig eröffnete. Damals war er 15 und mit einem Mädchen auf seinem "Star"-Moped nach einer Tanzstunde unterwegs. Mit den Kumpels lieferte er sich ein Wettrennen. Förster wurde so schnell, dass seine Tanzpartnerin Angst bekam und abspringen wollte. Beim Versuch verfing sie sich jedoch mit dem Fuß in der Sissybar, der Rückenlehne des Mopeds, die er aus einer umgebogenen Stuhllehne gebaut hatte. Die Maschine schlingerte über die Straßenbahnschienen in der Georg-Schumann-Straße, scherte auf den Gehweg aus und streifte das Haus, in dem er heute arbeitet. Seine Tanzpartnerin und er kamen mit dem Schrecken davon. "Was für ein unglaublicher Zufall, oder?", sagt Lutz Förster, heute 57 Jahre alt, und muss lachen.
 

Ressourcensparende Art der Fortbewegung

Dass er mit seiner jugendlichen Leidenschaft für Zweiräder einmal seinen Lebensunterhalt verdienen würde, war damals nicht abzusehen. Lutz Förster machte zunächst eine Lehre im VEB Energiekombinat Leipzig als Elektriker, bildete sich zum Techniker weiter und studierte später Betriebswirtschaftslehre. Anschließend gründet er seine eigene Firma für Haustechnik und installierte Steuerungsanlagen für Heizungen. Im Jahr 2010 sucht er für den Betrieb einen neuen Firmenwagen, als plötzlich ein Twike im Leipziger Stadtverkehr an ihm vorbeifährt - ein dreirädriges Elektromobil, das per Joystick gelenkt, beschleunigt und gebremst wird. Förster ist auf der Stelle fasziniert von der ressourcensparenden Art der Fortbewegung. Statt mit dem geplanten Transporter fährt er bald mit seinem eigenen Twike zu den Kunden. Ein Jahr später erweitert er sogar zusammen mit seiner Frau Katrin die gemeinsame Firma, die sich von da an auch auf den Verkauf und die Wartung von Twikes und E-Rollern spezialisiert. Elektromobilität wird zum zentralen Thema für das Paar. Das Problem damals: Aus Platzgründen war das Unternehmen zunächst auf mehrere Orte verteilt. Die Werkstatt befand sich woanders, als die Ausstellungen mit den Modellen. „Wir haben lange nach einem passenden Ort gesucht - bis hier 2016 dieses Geschäft frei wurde“, sagt Förster über das Gebäude, an dem sich die beiden Magistralen Georg-Schumann-Straße und Delitzscher Straße gabeln. Die anschließende fast vierjährige Sanierung wird zur Herausforderung. Immer wieder gibt es Fallstricke. Von der Baugenehmigung angefangen, bis zur Ausschanklizenz für den Café-Bereich muss sich das Ehepaar über unzählige Bürokratiehürden kämpfen. Am Ende kostet der Umbau so viel wie ein Eigenheim.
 

Einzigartig in Deutschland: Erlebniswelt mit Boutique-Charakter

Lutz Förster findet trotzdem, dass sich die Investition gelohnt hat. Auf knapp 300 Quadratmetern hat er nun Verkauf, Werkstatt, Büro- und Schulungsräume sowie den Café-Bereich, der in diesem Jahr noch öffentlich werden soll, an einem Ort vereint. "Wir bieten hier nicht nur unsere Modell-Palette, sondern eine Erlebniswelt mit Boutique-Charakter zum Thema Elektromobilität. Damit sind wir einzigartig in Deutschland." In den Vitrinen kann man Socken mit Roller-Motiven kaufen. Darüber hängen wechselnde Kunstausstellungen. Eine Leipziger Goldschmiedin hat extra Halsketten mit Anhängern in Roller-Form für das Geschäft angefertigt. Dazwischen stehen die verschiedene Zweirad-Modelle - allesamt mit Elektro-Motoren ausgestattet.

Im Souterrain werden diese von Lutz Förster selbst gewartet und repariert. Der gebürtige Leipziger hat dafür den Abschluss zum Zweiradmechatroniker absolviert und ist durch die Altgesellenregelung nun in der Handwerksrolle eingetragen. Für die Prüfung musste er damals den Aufbau von Zwei- und Viertaktmotoren büffeln, auch wenn er dieses Wissen maximal in seiner Oldtimer-Sammlung anwenden kann. "Ich würde mir wünschen, dass Elektromobilität schon in der Ausbildung einen höheren Stellenwert einnimmt", sagt der Unternehmer. Noch sei vieles in der Branche zu sehr auf die herkömmlichen Antriebe ausgerichtet. Als Förster vor kurzem die Zweiradmechatroniker-Weiterbildung für Hochvolttechnik besuchen wolle, fiel diese aus, weil sich nicht genügend Teilnehmer fanden. "Das Handwerk sollte sich der Zukunft nicht verschließen", findet er.
 

Fahrspaß pur

Was Förster immer wieder merkt: Das Feld Elektromobilität wird im Zweirad-Segment fast überall von Quereinsteigern bespielt, die oftmals aus dem Bereich erneuerbare Energien kommen. Klassische handwerkliche Vorbilder für die der Aus- und Weiterbildung fehlen für das sich verändernde Berufsbild. Bei ihm beispielsweise macht das eigentliche Schrauben nur noch 20 bis 30 Prozent der Zeit aus. "E-Roller haben viel weniger mechanische Komponenten, kein Getriebe, kein Einspritzsystem, keinen Auspuff und sind dadurch nicht so wartungsintensiv", sagt Förster. Am Fahrspaß ändere dies allerdings nichts. So freut sich Förster jetzt schon auf die diesjährige sechste Ausgabe der Lipsia-e-motion – die größte Elektromobilitäts-Rallye in Mitteldeutschland, die er zusammen mit seiner Frau und einem 20-köpfigen Team seit 2014 organisiert. Vom Pedelec über E-Roller, Elektroautos bis hin zum Lkw und Elektroboot wird dort das gesamte Spektrum von elektrischen Mobilen wieder an den Start gehen. Und mittendrin das Ehepaar Förster.

Mehr Informationen

www.rock-e-roller.de

Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 06/2020 erschienen.


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