Deutsches Handwerksblatt | Ausgabe 03/2026Multifunktionskabine im Supermarkt
Die Deckwerth GmbH in Wurzen geht in die mittlerweile vierte Generation. Gerade hat die Familie einen ehemaligen Aldi-Markt zum UnfallserviceZentrum umgebaut.
Ein Porträt von Robert Iwanetz.
Die Deckwerth GmbH in Wurzen geht in die mittlerweile vierte Generation. Gerade hat die Familie einen ehemaligen Aldi-Markt zum UnfallserviceZentrum umgebaut.
Wenn man genau hinschaut, erkennt man noch den ehemaligen Supermarkt. Mit der Klinker-Fassade außen und den typischen Discounter-Fliesen innen. »Bei denen waren wir uns nicht sicher, ob sie die Belastung im Werkstattalltag wirklich aushalten, aber bislang ist noch nichts kaputtgegangen«, erzählt Geschäftsführer Alexander Deckwerth, der zusammen mit seinem Bruder Markus die Firma leitet.
Ihr Autoreparatur-Zentrum in Wurzen hat Anfang Dezember eine zweite Halle in einem ehemaligen Aldi-Markt in Betrieb genommen. Ungefähr ein Jahr dauerten die Umbaumaßnahmen: die Zwischendecke musste raus und die alte Laderampe musste aufgefüllt werden. Dafür wurden ein schallgeschütztes Büro für den Werkstattleiter und zwei neue Tore eingebaut.
Vom Discounter zur Werkhalle: Ein ungewöhnlicher Umbau
Die Halle bietet nun über 1.000 Quadratmeter Platz und verfügt sogar über zwei individuelle Multifunktionskabinen zum Spachteln, Schleifen, Lackieren und Trocknen. Monatelang hatten sich Alexander Deckwerth und sein Neffe Paul Deckwerth auf die Suche nach dem richtigen Modell begeben. »Unsere große Lackiererei in der alten Halle wird aktuell kaum noch benutzt, weil unsere Mitarbeiter die neuen Bedingungen lieben.«
Wir haben damit die Weichen für die Zukunft unseres Familienbetriebs gestellt.
Die Vergrößerung der Firma sei schon seit zehn Jahren ein Thema gewesen, erzählt Markus Deckwerth. Als Aldi dann als direkter Nachbar den Standort wechselte, wollte man unbedingt die Chance ergreifen. »Sie haben sich am Ende für unser Konzept entschieden, weil wir kein konkurrierender Supermarkt waren«, so der 68-jährige Geschäftsführer. Für die Firma ein Glücksfall: Die Kosten waren am Ende deutlich niedriger als beim Bau einer neuen Halle. Dazu konnte man die Parkflächen mit Platz für fast 200 Autos übernehmen.
Von Kutschwagen über Robur-Prototypen zur Unfallreparatur
»Wir haben damit die Weichen für die Zukunft unseres Familienbetriebs gestellt«, sagt der 54-jährige Alexander Deckwerth. Gegründet hatte die Firma einst sein Großvater Paul vor über 100 Jahren. Damals noch mit dem Fokus auf Kutschwagenbau. Zu DDR-Zeiten fertigte der Betrieb teilweise spektakuläre Projekte, wie unter anderem 80 VW-Bulli-Transporter auf alte Wehrmachts-Fahrgestelle oder den Prototypen für die legendäre Lkw-Baureihe »Robur«. Das väterliche Unternehmen löste sich 1964 vom urgroßväterlichen Betrieb, um der Verstaatlichung zu entgehen. Deshalb gibt es noch heute zwei »Deckwerth-Betriebe« in Wurzen – einer für Unfallreparatur und Autoservice und einer für den Auf- und Umbau von Nutzfahrzeugen. Nach dem Mauerfall begann die Neuausrichtung als Unfallzentrum mit komplettem Auto-Service für alle Herstellermarken. 2004 wurde der Betrieb an die beiden heutigen Geschäftsführer vom Vater Manfred übergeben. Zu den wichtigsten Auftraggebern gehören unter anderem die Allianz und Huk-Coburg sowie Flottenbetreiber. Seit 2025 ist man zudem Partner im Fix Auto-Netzwerk.
Die Nachfolger stehen bereit
Aktuell sind zwanzig Mitarbeiter beschäftigt – darunter mit dem Karosseriebauermeister Paul Deckwerth Junior die vierte Generation der Familie. Die Belegschaft ist jung, im Schnitt um die 30 Jahre. Vier Azubis werden gerade ausgebildet. »Wir haben das große Glück, dass wir es momentan schaffen, motivierte Fachkräfte und Lehrlinge zu finden«, sagt Paul Deckwerth. Dafür ist der Betrieb jedes Jahr auf regionalen Ausbildungsmessen an Schulen in Wurzen vertreten. Dieses Jahr beteiligt man sich zudem zum ersten Mal an dem Berufsorientierungsangebot »Schau Rein!«, um potenzielle Praktikanten der 7. und 8. Klassenstufe anzusprechen. Denn im Betrieb gilt: Nur wer zuvor ein Praktikum absolviert hat, kommt in die Auswahlrunde für einen Ausbildungsvertrag.
Paul Deckwerth selbst kam vor einigen Jahren als IT-Projektleiter in der Akku-Herstellung von Mercedes zurück in den Familienbetrieb – und beendete 2025 erfolgreich seine Meisterausbildung. »Ich wollte wieder zurück ins richtige Handwerk«, sagt der 28-Jährige. In ein paar Jahren soll er die Firma einmal übernehmen. Zusammen mit seinem Bruder Silas, der gerade noch in der Ausbildung zum Karosseriebauer steckt. »Jetzt geht es aber erstmal darum, bestmöglich die neue Halle auszulasten.«