Zimmerei Stefan Sack.
Handwerkskammer zu Leipzig

"Mein Weg war vorgezeichnet."

Ein Porträt von Hagen Reißmann.

Seit 157 Jahren bewältigt die Pegauer Zimmerei Sack die Herausforderungen ihres Handwerks. Unternehmer Stefan Sack hat dabei schon einiges erlebt. Er spricht ganz offen über die stolze Firmengeschichte und Rückschläge.

Schon im 17. Jahrhundert gab es dort, wo heute der Pegauer Ortsteil Kitzen liegt, einen Holzplatz, auf dem das geflößte Material gestapelt und gehandelt wurde. Dieser historische Holzplatz ist längst in Vergessenheit geraten, doch unweit des Areals duftet es noch immer nach frischen Sägespänen und es wird Tag für Tag mit dem unvergleichlichen Rohstoff gearbeitet. In der Kitzener Ernst-Thälmann-Straße befindet sich in beschaulichem Ambiente die traditionsreiche Zimmerei Sack, die das komplette Zimmereirepertoire von der Dachstuhlsanierung bis zur Gestaltung des individuellen Gartentors anbietet. Zwar reichen ihre Wurzeln nicht bis in das 17. Jahrhundert, doch kann die Zimmerei stolz auf eine 157-jährige Geschichte zurückblicken. Firmenchef Stefan Sack dürfte folglich zu den Unternehmern gehören, die am längsten und tiefsten in der Region verwurzelt sind. In fünfter Generation führt er den Familienbetrieb. Jeder seiner Altvorderen hat am Standort den Herausforderungen seiner Zeit getrotzt.

Seit 157 Jahren in der Region verwurzelt

Auch Stefan Sack hat als Unternehmer Höhen und Tiefen mitgemacht. Nachdem sein Vater den Betrieb von 1957 an durch die Mangelwirtschaft der DDR manövrierte und 1972 der Verstaatlichungswelle entging, nahm 1992 der heutige Chef das Ruder in die Hand. "Obwohl ich schon Berufserfahrung hatte und meine Lehre beim VEB Bau und Montagekombinat Süd Leipzig wegen guter Leistungen vorzeitig abschließen konnte, hatte ich dennoch einige Bedenken, ob meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse ausreichen würden, um mich mit dem Unternehmen in der Marktwirtschaft zu behaupten", sagt er. Anfangs befand sich der Betrieb - auch dank der hervorragenden Kundenpflege - in sicherem Fahrwasser. Die Umsätze stiegen und der Chef gründete neben dem Einzelunternehmen noch eine GmbH. Doch dann kam die große Zeit der Insolvenzen, die vor allem im Baubereich zuschlugen. Die Arbeiten, die der Betrieb für einen bekannten "Baulöwen" und Milliarden-Pleitier ausgeführt hatte, wurden glücklicherweise noch bezahlt. Doch kurz vor der Jahrtausendwende mussten reihenweise Zahlungsausfälle verkraftet werden. Wichtige Auftraggeber gingen pleite und rissen die Zimmerei mit nach unten. Schweren Herzens zog der Chef die Notbremse und meldete mit seiner GmbH Insolvenz an. Dann musste er zusehen, wie ein Insolvenzverwalter einen Großteil seines Lebenswerks liquidierte und Angestellte ihre Jobs verloren.

"Diese Zeit hat an meinen Kräften gezehrt und mir einige Lehren für mein aktuelles Unternehmerdasein verpasst. Ich habe lange überlegt, ob ich nicht alles hinschmeiße", sagt Sack. Aber für jemanden, der schon als "Stift" zwischen Holzstapeln gespielt hat und stets die familiäre Tradition der Zimmerei und Bautischlerei vor Augen hatte, wäre es ein Graus gewesen, einen Schlussstrich unter die Firmengeschichte zu ziehen. Das hätte er sich nie verzeihen können. Also beschließt er, noch einmal neu, noch einmal ganz klein anzufangen. Er kauft einen Teil seiner eigenen Ausrüstung zurück und arbeitet sich mit handwerkstypischer Bescheidenheit sukzessive wieder nach vorn.

Bodenständigkeit und Vertrauen

Mit den Erfahrungen der Vergangenheit hält Stefan Sack sein Unternehmen heute bewusst überschaubar. Obwohl die Auftragsbücher dank hervorragender Konjunktur voll sind und der Handwerksmeister Aufträge ablehnen muss, beschäftigt sein Betrieb nur noch zwei Angestellte - statt 17 wie einst. Dazu kommt seine Ehefrau, die ihm im Büro den Rücken frei hält. Die Zimmerei Stefan Sack hat ihr Marktsegment als kleiner Betrieb, der auf individuelle und qualitativ hochwertige Lösungen setzt, gefunden. "Wichtiger als Wachstum ist für mich, dass ich ein bodenständiges Unternehmen führe, bei dem ein harmonisches Miteinander an der Tagesordnung ist und bei dem sich einer 100-prozentig auf den anderen verlassen kann", unterstreicht er.

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 Zimmerei Stefan Sack

Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 07/2018 erschienen.


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