Konjunkturdaten im sächsischen Handwerk versprühen wenig Optimismus
Das Handwerk im Freistaat steht unter Druck. Nur noch ein Drittel der Betriebe bewertet die eigene Geschäftslage mit gut. Die Bauwirtschaft gehört mittlerweile zu den Sorgenkindern. Die Betriebe leiden auch unter der schwächelnden Industrie. Der Sächsische Handwerkstag fordert Entlastungen für den Wirtschaftsbereich.
Hohe Kosten, weniger Aufträge, kaum Zuversicht
Über 54.000 Betriebe zählt das sächsische Handwerk (Stand: 31. Dezember 2025). Immer mehr von ihnen blicken offenbar skeptisch in die Zukunft. Der Sächsische Handwerkstag (SHT) fordert deshalb angesichts der jüngsten Konjunkturdaten Reformen, um den Wirtschaftsbereich zu entlasten. Es zeige sich ein Abwärtstrend. Nur noch ein Drittel der Betriebe bewerte die eigene Geschäftslage mit gut. Im Frühjahr 2019 – dem letzten Jahr ohne Krisenmodus – waren es mit 70 Prozent mehr als doppelt so viele positive Bewertungen. Betroffen sind alle Gewerke. Mit Blick auf die kommenden Monate fehlt den Betrieben Zuversicht, dass sich die Rahmenbedingungen entscheidend ändern werden. Die Unternehmen hätten von der Politik viele Ankündigungen gehört. Im Alltag konkret davon angekommen sei bislang nichts. Das drückt auf die Erwartungshaltung. 30 Prozent der Betriebe im sächsischen Handwerk rechnen in den kommenden Monaten mit schlechter laufenden Geschäften (2019: 7 Prozent). Lediglich 16 Prozent setzen darauf, dass sich die wirtschaftliche Lage ins Positive dreht. Der SHT formuliert deshalb drei Kernforderungen.
Deutschland braucht wirtschaftliches Wachstum. Diesem Ziel müssen sich alle Maßnahmen unterordnen – auch in Sachsen. Dabei sollte die Landesregierung mit den vorhandenen Haushaltsmitteln auskommen. Neue Schulden verleiten dazu, Reformen nicht anzufassen.
Der Bundesregierung fehlen Entschlossenheit und Mut, das Land mit Reformen auf Kurs zu bringen. In dieser Phase kommt dem Bundesrat eine wichtige Bedeutung zu. Wie bei der Entlastungsprämie oder dem Vergabebeschleunigungsgesetz gesehen, können die Länder fehlgeleitete Vorhaben der Bundesregierung stoppen oder ändern.
Mit Sorge verfolgt das Handwerk die Diskussionen über den Haushaltsentwurf der EU und den Mehrjährigen Finanzrahmen. Es ist zu befürchten, dass strukturschwache Regionen ab 2028 mit weniger Geld auskommen müssen.
Die Zahl der sächsischen Handwerksbetriebe ist im letzten Jahr um rund 600 gesunken. Vor allem im ländlichen, strukturschwächeren Raum schlossen Betriebe. Wenn dann auch noch EU-Fördermittel in Größenordnung ausblieben, würde das den Prozess des leisen Unternehmenssterbens beschleunigen.
Konjunktur-Ergebnisse im Detail
20 Prozent der Unternehmen (2019: 4 Prozent) geben an, dass ihre derzeitige Geschäftslage schlecht ist. Die Bauwirtschaft war früher das Zugpferd der Konjunktur. Jetzt gehörte sie zu den Sorgenkindern. Zwar steige die Zahl der Baugenehmigungen in Sachsen. Gleichzeitig werde so wenig gebaut, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Baukosten hätten sich im letzten Jahrzehnt verdoppelt, die Finanzierungszinsen steigen. Je länger die Baukrise andauere, desto größer sei die Gefahr, dass sich Mitarbeiter beruflich umorientieren.
Impulse für das Ausbauhandwerk liegen in der Sanierung und der Modernisierung von Gebäuden. In dem Bereich wird aber derzeit zu wenig investiert. Die Folge: Nur noch 36 Prozent (2019: 81 Prozent) der Unternehmen bezeichnen ihre Situation mit gut.
Die Handwerksbetriebe halten an ihren Mitarbeitern fest, solange es irgendwie geht. Dennoch ist der Saldo aus sinkenden (18 Prozent) und steigenden (8 Prozent) Beschäftigtenzahlen in den Unternehmen negativ.
Der Sachverständigenrat der Bundesregierung hatte unlängst den Wegfall von Minijobs ins Spiel gebracht. Das hätte für einige Handwerksbranchen große Auswirkungen. Im Lebensmittelhandwerk und bei den Gebäudereinigern sind Minijobs eine feste Größe in der Personalstruktur. Sie ermöglichen Menschen in verschiedenen Lebenssituationen, einer Beschäftigung nachzugehen. Die Unternehmen wiederum sind auf diese Fachkräfte angewiesen. Das Handwerk lehnt die Abschaffung von Minijobs ab, formuliert der SHT.
40 Prozent der Betriebe (2019: 11 Prozent) mussten in den vergangenen Monaten Umsatzrückgänge verkraften. Das Bauhauptgewerbe und die Handwerker für den gewerblichen Bedarf waren besonders betroffen. Die Industrie schwächele deutlich. Die Zulieferer aus dem Handwerk bekämmen weniger Aufträge. Der Privatkunde könne diese Lücke aktuell nicht füllen, heißt es.
Fast die Hälfte der Unternehmen hat die Preise angehoben. Vor allem das Kfz-Gewerbe und das Lebensmittelhandwerk setzten höhere Preise am Markt durch. Das müssen die Betriebe auch angesichts von steigenden Kosten für Energie, Transport, Vorprodukte, Rohstoffe und Löhne. Gleichzeitig wird die Handwerkerleistung damit aber auch immer teurer.
Die Zahl der Auftragseingänge stagniert. Lediglich acht Prozent (2019: 30 Prozent) der Betriebe verzeichnen steigende Werte, ein Drittel akquiriert weniger Aufträge. An den Ausschreibungen nehmen wieder mehr Unternehmen teil, die nicht aus Ostsachsen kommen. Nach Angaben der Betriebe sind darunter auch Billiganbieter, die lange Zeit von der Bildfläche verschwunden waren. »Die öffentliche Hand muss Aufträge im Rahmen ihrer Möglichkeiten an regionale Betriebe vergeben«, fordert Andreas Brzezinski, Sprecher des Geschäftsführerkollegiums des Sächsischen Handwerkstages.
Die Verunsicherung in den Unternehmen ist groß. Die Hälfte der Betriebe (2019: 18 Prozent) hat in den letzten Wochen weniger investiert. Etliche Unternehmen schieben einen größeren Investitionsbedarf vor sich her. Steht eine Betriebsübergabe an, kann das für einen Nachfolger in Summe zu teuer sein und er lässt es bleiben oder bekommt es nicht durchfinanziert.