Hans Richter / Elektrotechnikermeister

Wie sind Sie zur Elektrotechnik gekommen?

Den Anstoß hat mir der Physikunterricht in der Schule gegeben. Alles was mit Elektrizität, Stromkreisen, Dioden oder Kondensatoren zu tun hatte, fand ich total interessant.

Mit dem Abitur in der Tasche wollte ich dann studieren und habe mich an der HTWK im Fach Elektrotechnik eingeschrieben. Das Ingenieurstudium war aber nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Extrem viel trockene Theorie hat meine Motivation ziemlich ausgebremst. Schließlich musste ich die Segel streichen.

Nach diesem Rückschlag habe ich mich neu orientiert und eine Lehre zum Elektroniker gemacht.
 

Warum haben Sie sich nach der Lehre für die Meisterausbildung entschieden?

Einerseits war es eine Ego-Sache. Es hat mich noch gewurmt, dass ich das Studium aufgeben musste. Das ist zwar eigentlich Quatsch, weil solche Umwege nun mal zum Leben dazugehören, aber ich wollte mir mit dem Meisterabschluss trotzdem irgendwie beweisen, dass ich das Zeug für einen Top-Abschluss habe.

Andererseits wollte ich auf der Baustelle nicht nur Aufgaben abarbeiten, sondern Verantwortung übernehmen, mehr Einfluss auf die Planung nehmen, anspruchsvollere Projekte begleiten und auch Auftraggeber beraten.

Diese Ambitionen sind meiner Geschäftsleitung nicht verborgen geblieben und man hat mich bestärkt, den Meisterkurs in Teilzeit zu absolvieren.

Last but not least hat auch der finanzielle Aspekt eine Rolle gespielt. Eine höhere Qualifikation verspricht schließlich eine höhere Entlohnung. Jetzt habe ich den Abschluss in der Tasche, bin als Projektleiter tätig und zufrieden damit, im Handwerk angekommen zu sein.
 

Was zeichnet eine gute Handwerksmeisterin oder einen guten Handwerksmeister im 
Elektrobereich aus Ihrer Sicht aus?

Die sichere Kenntnis der fachspezifischen Regeln und Normen ist das A und O. Ohne dieses Wissen lassen sich keine zeitgemäßen und sicheren Lösungen konzipieren. Aber auch das Verständnis der betriebswirtschaftlichen Zusammenhänge muss vorhanden sein. Wer seine Kompetenz zu günstig verkauft überlebt nicht lange.
 

Gibt es Dinge, die Ihnen am Beruf nicht gefallen?

Manches raubt einem schon Nerven. Sei es die enorme Bürokratie im Bereich Dokumentation, Arbeitsschutz und Vergabeverfahren, aber auch wenn bei der Vorplanung innerhalb von Großprojekten geschludert wird.

Außerdem stört es mich, wenn die Elektrotechnik von Architekten und Bauingeneuren von oben herab nur als einfaches Nebengewerk betrachtet wird. Da wünsche ich mir mehr Respekt, denn jeder Baubeteiligte ist wichtig, damit ein Bauprojekt gut wird.
 

Ihr Berufswunsch als Kind? Polizist.

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