Lars Altenhoff Schornsteinfegermeister
Norbert Töpfer

Glücksbringer aus Leidenschaft

Ein Porträt von Norbert Töpfer.

Schornsteinfegermeister Lars Altenhoff führt den Torgauer Familienbetrieb bereits in der dritten Generation. Das aufgabenfeld wird immer umfangreicher, aber auch die Bürokratielast nimmt zu.

Die Altenhoffs üben seit Jahrzehnten den Beruf des Schornsteinfegers in ihrem Familienunternehmen aus. Lars Altenhoff (46) führt die Firma, die ihren Sitz in der Straße der Jugend in Torgau hat, als selbstständiger Schornsteinfegermeister. Er übernahm 2015 den Kehrbezirk von Vater Rüdiger, der mit 67 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand ging. Dessen Tochter Mara (34) ist als Gesellin beim Bruder angestellt. Sie erledigt die Außenarbeiten bei den Kunden und wird dabei von Chef Lars unterstützt, der hauptsächlich für Büroarbeiten und Abnahmen zuständig ist. Bereits 1936 begann die "altenhoffsche" Leidenschaft für dieses Handwerk. Günther Altenhoff absolvierte eine Lehre zum Schornsteinfeger und legte nur wenige Jahre später die Meisterprüfung ab. 1951 wurde er Bezirksschornsteinfeger in Torgau. Schon als Kind interessierte sich Sohn Rüdiger für die Arbeit des Papas und beendete 1966 erfolgreich die Lehre in diesem Handwerk. Dass er 1972 die Meisterprüfung erfolgreich absolvierte, war logische Folge seines hohen Engagements in diesem Beruf. Ab 1976 war er Bezirksschonsteinfegermeister in Mutzschen und übernahm am 1. Januar 1986 den Kehrbezirk seines Vaters in Torgau, bis Lars ab 2015 die Funktion seines Papas Rüdiger Altenhoff ausübte.
 

Ein Traum wurde wahr

Jetzt mischt sich Rüdiger nicht mehr ein in die betrieblichen Belange, berät aber Lars gern bei Bedarf. "Ich bringe seine Geschäftsbriefe meist mit dem Fahrrad zu den Leuten. Dabei bewege ich mich, bin an der Luft und dadurch auch körperlich noch fit. Ich treffe dabei langjährige Kunden, mit denen ich mich auch manchmal nett unterhalte", sagt der Senior und fügt mit Stolz an: "Ich freue mich natürlich, dass uns diese Leute viele Jahre die Treue halten. Es spricht für ihr Vertrauen zu uns." Dass seine Kinder auch seinen Beruf ergriffen, habe er nicht bestimmt. "Schon in meiner Kindheit wollte ich Schornsteinfegerin werden. Das war mein Traum“, sagt Mara. Lars lächelt und verrät: "Mein Ziel war es auch." Kurz nach Abschluss seiner Lehre qualifizierte er sich zum Meister. Bevor Lars 2015 nach bundesweiter Ausschreibung das Erbe seines Vaters antrat, arbeitete er als selbstständiger Schornsteinfegermeister sechs Jahre in Leipzig.
 

Eine Portion Respekt

Erst auf Nachfrage berichten die Altenhoffs, dass ihr Beruf Gefahren mit sich bringt. "In DDR-Zeiten gab es auf den Dächern keine Laufanlagen oder sie waren in schlechtem Zustand wie auch andere Arbeitsschutzanlagen. Ich war 50 Jahre Schornsteinfeger und habe bis zuletzt mit auf Dächern gearbeitet, erlitt mehrere Blessuren und hatte einen Absturz, bei dem ich mir schwere Verletzungen zuzog." Lars ergänzt: "Es ist eine körperlich schwere Arbeit. Wir müssen täglich unzählige Treppen und Leitern steigen." Mara ergänzt: "Dabei tragen wir unsere Technik mit uns herum. Allein der Koffer mit den Messgeräten wiegt 15 Kilogramm." Das soll indes nicht als Jammern verstanden werden. "Denn wir lieben unseren Beruf", meint Altschornsteinfegermeister Rüdiger und erklärt: "Schließlich leisten wir unseren Beitrag, damit die Kunden ihre Feuerstätten gefahrlos und ökonomisch betreiben, was wiederum dem Umweltschutz dient." Das Trio hat keine Höhenangst. "Doch eine Portion Respekt ist wichtig, damit kein Leichtsinn einzieht", ist sich Lars sicher.
 

Auf die Hierarchie kommt es an

Der familiäre Zusammenhalt ist groß. Zur Frühstückspause treffen sich Altenhoffs in der Wohnung der Eltern, wenn nicht gerade auswärts Arbeiten zu erledigen sind. Rüdigers Frau Georgina, Mutter von Lars und Mara, freut sich, wenn sie ihre Lieben zur Frühstückpause um sich hat. Aber etwas aufgeregt ist die 70-Jährige immer, wenn sie unterwegs sind. "Aufgrund der gefährlichen Arbeit habe ich erst um meinen Mann gebangt, später und bis heute natürlich auch um meine Kinder. Da reicht es schon, wenn sie nicht pünktlich zu Hause sind oder keiner ans Telefon geht. Das wird immer so bleiben", sagt die Mama. Rüdiger glaubt, dass ein Familienunternehmen nur funktioniert, wenn sich alle verstehen. Sohn Lars ergänzt: "Das stimmt. Trotzdem muss die Hierarchie vorhanden sein. Einer muss das Sagen haben. Immer Schulterklopfen geht nicht."
 

Büroarbeit steigt stetig an

Bis zur Wende erledigten die Schornsteinfeger fast ausschließlich Kehrarbeiten. "Wir befreiten die Schornsteine und Feuerstätten vom übermäßigen Russ. Auch jetzt reinigen wir noch Heizungsanlagen, in denen feste Brennstoffe wie Kohle, Holz und Pellets verbrannt werden", erklärt Rüdiger und ergänzt lachend: "Wie wir danach manchmal aussehen, passt die alte Bezeichnung Schwarze Zunft noch für uns. Da dauert das Waschen nach Feierabend schon mal eine Stunde. Allerdings beträgt jetzt der Anteil dieser Tätigkeit nur noch 20 Prozent unseres Arbeitsvolumens." Nach der Wende wurden die meisten Feuerstätten auf Öl und Gas umgestellt, was die Arbeit der Schornsteinfeger erheblich veränderte. Der Schwerpunkt liegt jetzt auf Überprüfung der Öl- und Gasanlagen. Dabei steht die Messung des Kohlendioxid-Austritts zum Schutz der Gesundheit der Menschen im Mittelpunkt, berichtet Lars Altenhoff. Über diese Messungen erhalten seine Kunden ein Protokoll mit den Ergebnissen und gegebenenfalls Auflagen. Diese Dokumente darf nur ein Schornsteinfegermeister ausstellen. "Das bedeutet für mich natürlich viele Stunden Büroarbeit, die in den vergangenen Jahren stetig gestiegen ist", sagt Lars Altenhoff.
 

"Wir lieben unseren Beruf"

Ob ein Altenhoff der Nachfolger von Schornsteinfegermeister Lars wird, steht in den Sternen. Doch daran verschwendet der Chef mit seinen erst 46 Jahren noch keinen Gedanken. Außerdem: Seine Töchter sind erst Teenies. Die haben andere Sorgen, als an ihren Beruf zu denken. In der Firma der Altenhoffs wurde stets Wert auf die Ausbildung von Lehrlingen gelegt. Rüdiger lehrte sechs jungen Burschen das Schornsteinfegerhandwerk. Lars ist in die Fußstapfen des Papas getreten und bildet derzeit mit Max Eberlein aus Taura seinen ersten Lehrling aus. Die Altenhoffs sind zufrieden. Wichtige Gründe dafür nennt Firmenchef Lars: "Wir lieben unseren Beruf und den Kontakt mit den Kunden."

Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 01/2019 erschienen.


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Dr. Andrea Wolter

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