Handwerkskammer zu Leipzig

Gemeinsam für ein traditionsreiches Handwerk

Ein Porträt von Constanze Arnold.

89 Jahre Firmengeschichte, drei Generationen, zwei Hochwasser - die Tischlerei Treiber in Eilenburg hat eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Viel wichtiger ist aber auch der Blick nach vorn: auf eine kontinuierliche Entwicklung des Handwerks und der Innung in Nordsachsen, deren Obermeister Roman Treiber ist.

Ende der Neunziger Jahre übernahm der gelernte Möbeltischler Roman Treiber den Familienbetrieb in Eilenburg, der schon 1926 vom Großvater in Breslau gegründet worden war. Eigentlich hatte Treiber das gar nicht geplant, aber die Umstände waren günstig: "Der Holzwerkstoff, das hat mich schon immer fasziniert - das war sicherlich familiengeprägt. Aber die Firma an sich hätte ich ohne die Wende wohl nicht übernommen, da waren in der DDR einfach zu viele Steine im Weg", erklärt er.

Bereut hat er seine Entscheidung nicht, obwohl es neben Höhen auch Tiefen gab: 2002 kommt das Jahrhunderthochwasser nach Eilenburg. Die Werkstatt in der Mühlstraße läuft voll, der Schaden beläuft sich auf etwa 130.000 Euro. Doch die Treibers machen weiter, bauen den Standort wieder auf, investieren in neue Maschinen. Kein Jahrzehnt später wiederholt sich das ganze: 2013 treten die Mulde und der Mühlgraben wieder über die Ufer, wieder steht die Werkstatt unter Wasser. "Dann galt es natürlich zu sehen, wie wir weiter verfahren. Denn nach zwei Mal sollte man schlau werden." Heute kann Treiber darüber schmunzeln. Ein neuer Standort fand sich auf dem Gelände des alten Eilenburger Chemiewerks. Mit dem Umzug ging auch eine längst überfällige Vergrößerung einher. Etwa 1.200 Quadratmeter Produktionsfläche hat die Tischlerei nun zur Verfügung - genügend Platz auch für größere Projekte.

Das Image der Branche ist gut

Seit Roman Treibers Übernahme verlagert sich auch der Fokus der Firma schrittweise von der Bautischlerei zum Innenausbau und Möbelbau. Böden, Wände, Türen, vor allem aber individuelle Möbelstücke für Privatkunden und Gewerbe stellen die vier Gesellen und zwei Azubis heute her. Treiber selbst entwirft die Einbauten und Möbel am Computer, mit neuster CNC-Technik lassen diese sich dann genaustens fertigen. Die Auftragslage ist gut, das Image der Branche auch. "Der Stellenwert, den Tischlerbetriebe in der breiten Bevölkerung haben, ist wieder besser geworden, habe ich festgestellt. Die Generation 50+ entdeckt das Tischlerhandwerk wieder für sich: individuelle Einbauten oder auch barrierefreies Wohnen. Jemand, der etwas Schönes haben möchte, der lässt es sich wieder vom Tischler machen."

Beim Thema Innung fällt Treibers Urteil nicht so positiv aus: Nur 13 Prozent der ansässigen Tischlerbetriebe sind derzeit in der Innung des Holzhandwerkes Nordsachsen organisiert. "Das ist einfach verschwindend gering", findet der Obermeister. "Dadurch hat man natürlich auch in der Außenwirkung nicht das Gewicht, was man eigentlich bräuchte, um in der Politik etwas zu erreichen." Dabei bringt die Innung einen regen Erfahrungsaustausch zwischen den Mitgliedern und viele Seminare und Weiterbildungen. Die sind wichtig für das Bestehen am Markt, wo sich Materialien und Techniken immer schneller entwickeln. Treiber bemüht sich, zu den halbjährigen Treffen interessante Themen und Vorträge aufs Trapez zu bringen. Hier bietet sich auch die Möglichkeit, Lieferanten und Händler zu treffen und sich bei ihnen über die neusten Werkstoffe zu informieren. Und sogar finanziell lohnt sich die Mitgliederschaft, rechnet Treiber vor. Über Rahmenverträge mit Fahrzeugherstellern und Versicherern erhalten Innungsbetriebe Sonderkonditionen, die den Einsatz - den Innungsbeitrag - wieder reinholen.

Potenzial auch weiter ausschöpfen

Für Treiber stand die Innungsmitgliedschaft nie zur Debatte: "Das war für mich von Anfang an klar. Meine Ansicht ist: Wir haben ein traditionsreiches Handwerk und das geht für mich einher mit Innung." Er würde sich wünschen, das mehr Unternehmer den Weg in die Innung fänden. Immerhin liegt die Zahl der Mitglieder seit Jahren stabil bei 18 Betrieben. Doch es wäre eine größere Zahl notwendig, um zum Beispiel in der Lobby- und Nachwuchsarbeit mehr Schlagkraft zu bekommen. Denn auch im Tischlerhandwerk gehen die Bewerbungen für Ausbildungsplätze zurück, oft fehlen auch Meister für die Übernahme von Betrieben. Roman Treiber hat bisher Glück und schon einen neuen Azubi für den kommenden August, "aber die Nachwuchssorgen, die viele haben, sind berechtigt. Wir müssen wirklich alles daransetzen, dass wir das Potenzial, was wir uns die letzten Jahre erarbeitet haben, auch weiter ausschöpfen können." Und das geht nur gemeinsam, da ist sich der Obermeister sicher.

Weitere Informationsquellen

  www.tischlerei-treiber.de

Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 01/2016 erschienen.


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Dr. Andrea Wolter

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