Handwerkskammer zu Leipzig

Für den guten Ton

Ein Porträt von Constanze Arnold.

Gemeinsam mit 13 Handwerksmeistern erhielt Gregor Hering die Meistergründungsprämie der Stadt Leipzig. Im April dieses Jahres hat er sich als Geigenbauer selbstständig gemacht und verhilft beschädigten oder alten Instrumenten wieder zu schönem Klang und Aussehen.

Etwa fünf Projekte hat der Geigenbaumeister derzeit auf der Werkbank liegen: Geigen vom 18. bis zum 20. Jahrhundert, mit Rissen oder leichten Verformungen, mit Kratzern im Lack oder anderen Abnutzungsspuren. Gregor Hering, der selbst Geige und Bratsche spielt, repariert und restauriert diese Instrumente mit viel Geduld und Fachkenntnis in filigraner Detailarbeit über Wochen oder gar Monate hinweg. "Das Ziel ist es stets, das vorhandene Material am Instrument soweit es geht zu erhalten", erklärt Hering. "Gleichzeitig muss man dafür sorgen, dass es stabil wird." Diese Gratwanderung zwischen neu und alt muss die Restauration leisten, immer an die Erfordernisse des Instruments angepasst. Genau das begeistert den Geigenbaumeister: "Es ist einfach eine Tätigkeit, die enorm vielfältig ist und bei jedem einzelnen Projekt wieder eine neue Herausforderung bringt und so eine Art Erweckungserlebnis für mich als Handwerker darstellt. Langweilig wird es wirklich nie!"

Gelernt hat Gregor Hering sein Handwerk über viele Jahre: Nach der Ausbildung zum Geigenbauer in Klingenthal folgten Gesellenjahre in mehreren bekannten Werkstätten unter anderem in Flensburg und Leipzig. Im einzigen Studiengang für Musikinstrumentenbau studierte er dann an der Westsächsischen Hochschule Zwickau in der Musikstadt Markneukirchen. Hier konnte er sein Wissen noch weiter vertiefen, den Austausch mit Dozenten und Kommilitonen pflegen und neue Impulse aus Theorie und Praxis aufgreifen. 2014 erlangte Hering dann den Meistertitel und wagte wenige Monate später den Schritt in die Selbstständigkeit.

Mit Leipzig verbunden

Für den Anfang verlegt sich der Meister dabei vor allem auf Restaurierung und Reparatur von Geigen, Bratschen und anderen Streichinstrumenten. Schrittweise soll sich auch die Sparte Neubau etablieren. "Mein Ziel ist es natürlich, mir in allen drei Bereichen einen festen Kundenstamm aufzubauen. Leute, die zu mir kommen, weil sie sich hier gut aufgenommen fühlen." Die Bedingungen in Leipzig sind dafür gut, verfügt die Stadt doch über eine große Bandbreite an großen und kleinen Orchestern, Musikschulen und enthusiastischen Laienmusiker. Schon seit 2007 arbeitet Hering mehrheitlich in Leipzig und fühlt sich mit der Stadt verbunden. Die Werkstatt in Kleinzschocher teilt er sich mit seinem Kollegen Martin Hurttig, der sich als Meister für Zupfinstrumentenbau auf historische Gitarren, Lauten und Mandolinen spezialisiert hat. "Wir nutzen nicht nur diese Räume gemeinsam, sondern tauschen uns vor allem fachlich aus. Das ist wirklich hilfreich. Und auch menschlich ist es schön, zusammenzuarbeiten."

Die meisten der Aufträge, die Gregor Hering derzeit erhält, kommen von Laienmusikern, die ihre Lieblinge wieder repariert haben wollen oder von Kollegen aus dem Gewerk selbst. Denn nicht selten geben Instrumentenbauer Aufträge weiter, um die spezielle Expertise des Einzelnen einzuspannen oder für aufwändige Projekte Unterstützung zu bekommen. Hering steht dafür mit einigen Handwerkern aus Leipzig und anderen Städten in engem Kontakt. Außerdem kommen Kunden auch mit wiedergefundenen Schätzen in die Werkstatt. Dann kann Gregor Hering sein ganzes Wissen einsetzen und dem Instrument zu neuem Glanz verhelfen: "Es ist einfach schön, den Prozess zu sehen, wenn man die Arbeit an so einer alten, geschundenen Geige beginnt und sie am Ende wieder strahlt." Und klingt natürlich!

Weitere Informationsquellen

  www.hering-geigenbau.de

Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 11/2015 erschienen.


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Dr. Andrea Wolter

Pressesprecherin

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