Firmenübergabe in der Leipziger Eisenbahnstraße
Robert Iwanetz

Firmenübergabe in der Leipziger Eisenbahnstraße

Ein Porträt von Robert Iwanetz.

Das Fachgeschäft Augenoptik Maul wird seit Sommer von der Tochter Elisabeth Arras weitergeführt.

Während Augenoptikermeister Volkmar Maul durch eine Chronik seines beruflichen Lebens blättert, die mit Schwarz-Weiß-Fotos von Leipzig beginnt, die die Stadt unzerstört vor dem Krieg zeigen und anschließend Jahrzehnte des Familienunternehmens dokumentierten, sagt er irgendwann den bemerkenswerten Satz: "Meine größte Leistung war es, dass mir meine Tochter nachfolgen wollte." In diesem Moment merkt man dem 70-Jährigen die große Erleichterung an, dass mit ihm die Familientradition nicht endet - wie er es bei vielen seiner Kollegen erlebt hat. Sondern dass es weitergeht, in die nun dritte Generation.
 

Firmenübernahme lange überlegt

Die Betriebsübergabe fand offiziell im Juli 2019 statt, zum 80-jährigen Jubiläum der Firma. Dazu gab es ein rauschendes Fest. Fast 300 Gäste kamen in das Geschäft in der Eisenbahnstraße. Die acht selbstgebackenen Kuchen und die 180 Bratwürste waren am Ende alle weg. Die Kinder konnten sich auf einer Hüpfburg austoben und ein Clown sorgte für Späße. "Es war eine tolle Feier, die auch wichtig war, damit unsere Kunden wahrnehmen, dass es einen Wechsel gab", sagt Tochter Elisabeth Arras, die selbst ihren Meistertitel als Augenoptikerin bereits 2009, mit gerade einmal 22 Jahren erhielt. Heute ist sie 32 Jahre alt und hat sich die Firmenübernahme lange überlegt. "Die Selbstständigkeit ist für mich die beste Möglichkeit, den Beruf mit meinem Familienleben zu vereinbaren", sagt die Mutter von zwei kleinen Kindern. Als Angestellte mit starren Arbeitszeiten bis in die späten Abendstunden wäre ihr Alltag undenkbar gewesen. Nun teilt sie sich die Schichten im Geschäft mit einer weiteren langjährigen Angestellten, ebenfalls Augenoptikermeisterin, und ihrem Vater, der aushilft, wenn es nötig ist.
 

"Unsere Stärke ist die Nähe zu den Kunden"

Die Firmenübergabe haben beide über Jahre vorbereitet. "Ich habe Elisabeth von Anfang an so eingearbeitet, dass der Übergang einmal reibungslos möglich sein würde", sagt Volkmar Maul, der seine Tochter selbst als letzten Lehrling, von insgesamt über 50 im Betrieb ausbildete. Nach einigen Jahren in einem anderen Geschäft in Halle (Saale) kam sie 2011 zurück in die Firma. "Wir arbeiten gern zusammen, auch wenn es natürlich zu einigen Themen unterschiedliche Ansichten gibt, aber das ist auch völlig normal", sagt Elisabeth Arras. Eine neue Firma zu gründen, wäre für sie jedenfalls nicht in Frage gekommen. Dafür sei das Risiko viel zu hoch, durch die enorme Konkurrenz. Ein befreundeter Optiker, so erzählt sie es, habe nach fünf Jahren als Einzelkämpfer wieder aufgeben müssen. Für das väterliche Geschäft sieht sie dennoch eine profitable Zukunft, trotz Discount-Preisen aus dem Internet und großer Optiker-Ketten in den Innenstädten. "Unsere Stärke ist die Nähe zu den Kunden. Manche Familien betreuen wir seit acht Jahrzehnten", sagt Elisabeth Arras. "Und natürlich auch unser handwerkliches Know-how." Jedes Brillenglas, das bei Augenoptik Maul verkauft wird, schleift die Firma in der eigenen Werkstatt ein.
 

Wert auf Nachhaltigkeit

"Wir merken hier auch, dass die vielen jungen Menschen, die in die Eisenbahnstraße ziehen, mehr Wert auf Nachhaltigkeit legen und eine Brille nicht einfach wegschmeißen, sondern bei uns reparieren lassen", sagt die Meisterin, die 2012 auch ihre Weiterqualifizierung zur Optometristin erfolgreich abgeschlossen hat. Den Standort im Osten Leipzigs sieht sie deshalb nicht unbedingt als Nachteil. Eröffnet hatte das Geschäft in der Eisenbahnstraße 1946 ihr Opa Johann-Heinrich, nachdem der eigentliche Betriebssitz am Brühl amerikanischen Fliegerbomben zum Opfer gefallen war. "Der Ruf hier ist durch di­verse Boulevard-Sendungen sehr verschrien, aber letztlich ist das für uns kein Problem", sagt Elisabeth Arras.

Mehr Informationen

www.augenoptik-maul.de

Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 05/2020 erschienen.


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Dr. Andrea Wolter

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