Felix Pit Böhm / Zimmerermeister

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Was wollten Sie als Kind werden?

Da gab es diverse Berufswünsche, die noch nichts mit dem Zimmererhandwerk zu tun hatten. Das Spektrum reichte vom Eisdielenbetreiber über den Bankier bis zum Schriftsteller. Heute sieht das glücklicherweise anders aus, denn ich bin Zimmerer, Inhaber und König in meinem eigenen Unternehmen. Und das ist eigentlich noch viel besser.
 

Und wie kam es dazu?

Auf dem Weg zum Abitur hatte ich ursprünglich geplant, Politikwissenschaften und Philosophie in Halle zu studieren. Dass ich dem Studierbetrieb dann gerade noch einmal von der Schippe gesprungen bin, kam dadurch, dass ich während der Schulzeit schon nebenbei als Bauhelfer bei Dachdeckern, Spenglern, Elektrikern gearbeitet habe.

Als ich mich bereits an der Universität eingeschrieben hatte, fragte mich mein späterer Chef, ob ich nicht doch lieber als Lehrling zu ihm kommen will. Aus einem Impuls heraus sagte ich zu, wohl auch weil mich das Fachwissen und die Arbeitsweise der Zimmerleute beeindruckt hat. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe, zumal ich immer mal wieder erkannt habe, dass Handwerker mitunter mehr bewegen, als verkopfte Akademiker.
 

Was ist besonders schön an Ihren Job und was sind Aspekte, die Ihnen nicht so gut gefallen?

Was mich am meisten befriedigt, ist die ausgewogene Kombination aus kognitiven Leistungen und körperlicher Arbeit. Es macht Spaß, mehrere Schritte voraus zu denken und am Ende zu sehen, dass die eigenen Vorstellungen Form angenommen haben. 

Was mir am Beruf nicht immer gefällt, ist der Fakt, dass es leider am Ende immer um Geld geht.

Ich habe mir vorgenommen, die Vorstellungen der Bauherren so ökologisch wie möglich umzusetzen. Diesen Grundsatz muss ich leider oft einschränken, da es, zumindest auf den ersten Blick, wirtschaftlicher erscheint, "konventionell" zu bauen. So bin ich am Ende des Tages doch Kapitalist mit variablen Prinzipien. Das wurmt mich manchmal.
 

  
"Die Entscheidung zur Zimmererlehre habe ich nie bereut, zumal ich immer wieder erkannt habe, dass Handwerker mitunter mehr bewegen, als verkopfte Akademiker."
 

Warum haben Sie sich für "den Meister" entschieden und was hat er Ihnen bis dato gebracht?

Ich wollte selbstständiger arbeiten können, mir meine Zeit freier einteilen können, die eigenen Grenzen austesten und an meinen Aufgaben wachsen.
 

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

In Leipzig als Geschäftsführer einer gut gehenden Zimmerei, die meinen Namen trägt und in der Lage ist, jährlich auszubilden und regelmäßig Löhne zu bezahlen.
 

Wem wollen Sie für die Unterstützung während der Meisterausbildung danken?

Den Dozenten Robby Moosdorf und Thomas Beyer, für deren gigantisches Engagement während der Fortbildung. Es ist in meinen Augen nicht selbstverständlich, so viel für eine Klasse zu leisten.