Fachkräftesicherung im Handwerk: Ausbildung zwischen Krise und Renaissance

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Fachkräfteengpässe bremsen das Handwerk aus

Die Personalsorgen in Handwerksbetrieben bleiben akut. 2025 konnten im Handwerk knapp 100.000 offene Stellen nicht besetzt werden. In 35 Berufen des Handwerks besteht sogar seit mindestens zehn Jahren ein Fachkräftemangel. Diese Engpässe bremsen Deutschland aus. Für den Ausbau erneuerbarer Energien und der Infrastruktur fehlen vor allem Fachkräfte im Bauhandwerk, für die Versorgung der alternden Gesellschaft mit Hilfsmitteln fehlen Fachkräfte im Gesundheitshandwerk. Auch das Lebensmittelhandwerk ist unter den Top-Engpassberufen zu finden. Und unter dem Strich sind nahezu alle Bereiche des Handwerks betroffen.

Was viele Unternehmerinnen und Unternehmer seit Jahren erleben, attestiert nun erneut eine Studie des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA).

Die Engpässe betreffen dabei nicht nur Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. Auch Meister und andere Fortbildungsabsolvent fehlen vielerorts. In vielen Gewerken setzt sich der Fachkräftemangel entlang der gesamten Qualifikationskette fort – denn fehlen Gesellinnen und Gesellen, ist auch die Gruppe kleiner, aus der Fachleute mit Meisterabschluss hervorgehen können. Aber es gibt Anzeichen dafür, dass sich die Situation in einigen Segmenten ändert.

Nicht alle Handwerksberufe entwickeln sich gleich

Ein zentrales Ergebnis der Studie »Handwerk: Ausbildung zwischen Krise und Renaissance« ist nämlich, dass der Fachkräftemangel nicht überall dasselbe bedeutet. In mehreren Berufen mit besonders hohen Engpässen entwickelt sich die Ausbildung – im Handwerk zentraler Pfeiler der Fachkräftesicherung – positiv. Die Bauelektrik, die Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik sowie die Dachdeckerei verzeichnen seit Jahren steigende Bewerber, mehr angebotene Ausbildungsplätze und mehr neu abgeschlossene Ausbildungsverträge. Teilweise gibt es dort sogar mehr Bewerbungen als Ausbildungsplätze.

Anders sieht es beispielsweise im Metallbau, im Holz-, Möbel- und Innenausbau sowie in der Augenoptik aus. Hier gingen Ausbildungsplatzangebot, Ausbildungsnachfrage und Ausbildungsverträge zurück. Für Unternehmen in diesen Bereichen wird die Nachwuchsgewinnung somit noch schwieriger.

Gute Beschäftigungsperspektiven werden wahrgenommen

Die Ausbildung junger Menschen zu Fachleuten bleibt die wichtigste Grundlage für die Fachkräftesicherung im Handwerk. Gleichzeitig hat sich der Ausbildungsmarkt insgesamt aus Sicht vieler Betriebe verschlechtert. Die Zahl unbesetzter Ausbildungsplätze ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen.

Die Studie zeigt jedoch, dass sich Bewerber und Bewerberinnen grundsätzlich an den Arbeitsmarktchancen orientieren. In den Handwerksberufen, die seit Jahren von Fachkräfteengpässen betroffen sind, sind sowohl Ausbildungsplatzangebot als auch Ausbildungsnachfrage tendenziell gestiegen. Das spricht dafür, dass gute Beschäftigungsperspektiven durchaus wahrgenommen werden. Wo Handwerksprofis für die großen Zukunftsaufgaben Energiewende, Gebäudesanierung und Infrastruktur gebraucht werden, steigt häufig auch das Interesse an einer Ausbildung. Der Fachkräftemangel in diesen Berufen ist deshalb nicht unbedingt Zeichen mangelnder Attraktivität, sondern schneller steigender Bedarfe. Mitunter wächst der Fachkräftebedarf schneller als der Nachwuchs nachrücken kann.

In anderen Berufen entwickelt sich die Ausbildung weniger günstig. Dort gehen die Bewerberzahlen zurück, obwohl weiterhin Fachkräfte fehlen. Für Unternehmen entstehen dadurch zusätzliche Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung und Engpässe drohen sich zu verschärfen.

KOFA-Studie zum Download

Für mehr Details steht die Studie »Fachkräftesicherung im Handwerk: Ausbildung zwischen Krise und Renaissance« unter www.kofa.de/studien zum Download bereit. Enthalten sind unter anderem Zeitreihen zur Arbeitsmarktentwicklung, zur Entwicklung des Ausbildungsmarktes und zum Verlauf der Fachkräfteengpässe in besonders betroffenen Handwerksberufen. 

Tipp: Fachkräftesicherung an die Situation des eigenen Gewerks anpassen:

Handwerksbetriebe sind gut beraten, die Maßnahmen zur Fachkräftesicherung an die jeweilige Situation ihres Gewerks anzupassen. Es gilt Ausbildungsplätze dort sichtbar zu machen, wo Jugendliche nach Informationen suchen, beispielsweise über digitale Kanäle und soziale Netzwerke. Hier lohnt es sich, darauf aufmerksam zu machen, dass Jobs im Handwerk weniger durch Künstliche Intelligenz bedroht sind als in anderen Bereichen. Die analogen Tätigkeiten der Profis können auf absehbare Zeit von keiner KI ersetzt werden. Zusätzliche Personalpotenziale lassen sich erschließen, wenn (in männerdominierten Gewerken) verstärkt auf Frauen zugegangen wird. Auch Studienaussteiger, Zugewanderte oder berufliche Quereinsteiger können lohnenswert sein. Um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden, die im Handwerk keine Seltenheit sind, kann es sich auch rechnen, mehr Zeit für die Nachwuchsbetreuung zu investieren und so die Bindung an den Betrieb zu stärken.

Das KOFA ist ein Projekt im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE).