Deutsches Handwerksblatt | Ausgabe 04/2026Blick nach vorn
Trotz mehrerer Schicksalsschläge bleibt Handwerk die Lebensaufgabe von Stephan Teuchert.
Ein Porträt von Anett Fritzsche.
Trotz mehrerer Schicksalsschläge bleibt Handwerk die Lebensaufgabe von Stephan Teuchert.
Handwerk hat viele Gesichter – aber manche Lebenswege stehen beispielhaft für seine Widerstandskraft, seine Innovationskraft und seine zutiefst menschliche Dimension. Einer, der diese Verbindung aus Tradition, Mut und Beharrlichkeit verkörpert, ist Stephan Teuchert. Als gelernter Kunstschmied und Bauschlosser hat er jede Phase des Umbruchs nach der Wende erlebt – beruflich wie privat. Heute führt er mit der Inba Tischlerei und Bauelemente GmbH ein florierendes Unternehmen in Leipzig, das sich auf maßgefertigte Türen, Fenster und Innenausbau spezialisiert hat.
Vom letzten DDR-Lehrling zum Selbstständigen
Stephan Teucherts Weg beginnt in der PGH Metall in Döbeln, wo er einer der letzten Lehrlinge der DDR war. »Mein Betrieb ging pleite, als ich Geselle wurde«, erinnert er sich. Dennoch hielt er am Handwerk fest, arbeitete nach der Wende in Ansbach, kehrte aber seiner Familie zuliebe nach Sachsen zurück und wagte dort den Schritt in die Selbstständigkeit. Anfangs montierte er Türen, Balkonanlagen und Brandschutzsysteme – immer offen für das, was sich ergab. Kontakte aus Halle brachten ihn schließlich tiefer ins Fenster- und Türelementegeschäft, wo er sein Netzwerk aufbauen konnte.
Handwerk ist für mich keine Arbeit. Es ist eine Lebensaufgabe.
Doch sein Weg war selten geradlinig. Betriebliche Fehlinvestitionen, kriminelle Geschäftspartner, private Schicksalsschläge und gesundheitliche Krisen hätten viele Menschen zur Aufgabe gezwungen. »Ich war mehrmals am Boden«, erzählt Teuchert. Entscheidend sei jedoch gewesen: »Wenn du wieder aufstehst, dann hat das einen Sinn.« Unterstützung kam damals vor allem durch seine Kinder und enge Wegbegleiter. Sein Sohn Tom hielt den Betrieb mit am Laufen, als Teuchert gesundheitlich ausfiel. Nach einer grundlegenden Neuaufstellung folgte der erneute Unternehmensaufbau – diesmal mit anderen Strukturen, klaren Verantwortlichkeiten und vertrauenswürdigen Partnern.
Vom Leipziger Handwerksbetrieb zum gefragten Projektpartner deutschlandweit
Heute beschäftigt die Inba Tischlerei und Bauelemente GmbH sieben Mitarbeitende – Tendenz steigend. Tischler, Monteure und ein Dachdecker arbeiten im Team, dazu kommt ein konstruktiver Austausch mit langjährigen Subunternehmern. Für die Stadt Leipzig und die LWB bearbeitet das Unternehmen zahlreiche Aufträge, gleichzeitig realisiert Teuchert anspruchsvolle Projekte in ganz Deutschland. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die Arbeiten an der Gottschedstraße in Leipzig oder am Hotel Merkur in Hannover, wo im laufenden Betrieb Fenster erneuert wurden. Auch im Denkmalschutzbereich ist Inba gefragt – etwa bei historischen Türen, komplexen Treppenanlagen oder Sonderanfertigungen.
Wertschätzung, Teamgeist und eine klare Haltung
Ein zentrales Thema im Unternehmen ist das Betriebsklima. »Wir haben kaum Krankenstände – die Mitarbeitenden kommen gern«, sagt Teuchert. »Wenn sie auf Montage gehen, werden sie übertariflich bezahlt. Das ist für viele wie ein zweites Weihnachtsgeld.« Neue Fachkräfte finden fast ausschließlich über Mundpropaganda zum Unternehmen – ein Zeichen für dessen Glaubwürdigkeit. Und der Firmenname »Inba«? Eine Bedeutung hat er nicht, lacht Teuchert. »Wir haben ihn damals einfach erfunden – heute ist er eine geschützte Marke. Und jeder kennt ihn.« Was ihn antreibt, nach all den Brüchen und Neustarts? »Ich bin gläubig«, sagt Teuchert schlicht. »Und ich habe gelernt, dass Gelassenheit dir mehr hilft als alles andere.« Seine Geschichte zeigt: Handwerk ist mehr als ein Beruf – es ist eine Haltung zum Leben.
Vom Lehrling zum Krisenbewältiger
Stephan Teucherts Geschichte zeigt eindrucksvoll, was Handwerk ausmacht: Entschlossenheit, Mut zum Neuanfang und die Fähigkeit, selbst schwierigste Situationen in etwas Neues zu verwandeln. Sein Unternehmen Inba Tischlerei und Bauelemente GmbH steht heute nicht nur für Qualität und Zuverlässigkeit, sondern auch für eine Biografie, in der persönliche Stärke und handwerkliche Leidenschaft untrennbar zusammengehören. Für Teuchert ist klar: »Handwerk ist für mich keine Arbeit. Es ist eine Lebensaufgabe.« Und genau das spürt man in jedem seiner Sätze – und in jedem Projekt, das sein Team realisiert.
Inba GmbH unterstützt junge Meister – Möglichkeit zum Coworking
Aller Anfang ist schwer – wer wüsste das nicht besser als Stephan Teuchert? Daher bietet er angehenden und Jungmeistern Raum und Ausstattung für die Selbstständigkeit. Am Unternehmensstandort, im Gewerbegebiet Schkeuditz/Dölzig, hat die Inba GmbH eine professionell ausgestattete Tischlerwerkstatt mit dem nötigen Maschinenpark, die für eine faire Nutzung oder Pacht für Gründer zur Verfügung steht. So lässt sich von Anfang an klar kalkulieren, und den Inba-Unternehmensspirit, der Leistung nicht verhindert, sondern ermöglicht, gibt es gratis dazu. Eine langfristige Mitnutzung der Werkstatt ist ausdrücklich erwünscht.