374 junge Talente feiern ihren Berufsabschluss im Handwerk

Gute Nachrichten für das regionale Handwerk! 374 junge Profis haben den Grundstein für eine starke Zukunft gelegt. Sie starten eine berufliche Reise voller spannender Herausforderungen. Bilder der Freisprechung und Porträts der jungen Profis.

Anika Dollmeyer

Sie bringen frischen Wind ins regionale Handwerk.

Nach dreieinhalb Jahren Lehrzeit die Berufsausbildung im Handwerk beenden. Das ist ein Meilenstein. Im Congress Center Leipzig (CCL) feierten am 28. März 374 Gesellinnen und Gesellen den erfolgreichen Abschluss ihrer Lehrzeit. Mit der traditionellen »Freisprechung« wurden sie in den Gesellenstand erhoben. Die Abschlussprüfungen haben 262 Auszubildende aus dem Leipziger Kammerbezirk bestanden. Dazu kamen weitere 112, die ihre Lehre außerhalb absolviert haben, jedoch durch die Leipziger Handwerkskammer geprüft wurden. 127 der neuen Gesellinnen und Gesellen durchliefen ihre Ausbildung direkt im Leipziger Stadtgebiet. 59 lernten bei Betrieben in Nordsachsen und 76 hatten einen Ausbildungsbetrieb im Landkreis Leipzig. 
 

An die »Junggesellinnen« und »Junggesellen« des Jahrgangs senden wir gern Event-, Gruppen und -Einzelfotos in voller Auflösung zu. Schreiben Sie einfach an presse@hwk-leipzig.de (idealerweise mit Screenshot) und geben Sie uns anschließend etwas Zeit, damit wir die Fotos bereitstellen können. 

  • Friseurin Aimée Biedermann, ausgebildet von Michèle Moritz-Opre in Leipzig
  • Zahntechnikerin Lena Bilkenroth, ausgebildet von der Zahnmedizinische Versorgungszentren in Leipzig GmbH
  • Fachpraktiker für Zerspanungstechnik Lukas Händel, ausgebildet von der Berufsbildungswerk Leipzig für Sprach- und Hörgeschädigte gGmbH
  • Feinwerkmechanikerin Lea Victoria Merz, ausgebildet von der Universität zu Leipzig
  • Zimmerer Jan Heinz Georg Habelt, ausgebildet von Sven Böhme in Großpösna
  • Automobilkaufmann Mark-Niklas Hoppe, ausgebildet von der Autohaus Heuter GmbH in Borna
  • Kraftfahrzeugmechatroniker Justin Wandelt, ausgebildet von der Autohaus Muldental GmbH in Grimmarg
  • Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Malte Kanitz, ausgebildet von der Heizungsbau Kräger GmbH in Laußig
  • Fleischer Yannic Kontauts, ausgebildet von der Kumpel & Keule GmbH in Berlin
  • Schornsteinfeger Peter Löbel, ausgebildet von Schornsteinfeger Jan Löbel in Mohorn
  • Land- und Baumaschinenmechatroniker Kimi Alex Pötschke, ausgebildet von Lars Jungmichel in Neukirch/Lausitz
  • Zweiradmechatroniker Jonas Quade, ausgebildet von der Little John Bikes GmbH in Dresden

Junge Fachkräfte berichten von ihrem Weg ins Handwerk und warum sie genau hier richtig sind.

Die Prüfungen sind geschafft, der Werkzeugkasten steht bereit und mit ihm ein neuer Lebensabschnitt. Die frischgebackenen Gesellen bringen nicht nur Können, sondern auch frische Ideen ins Handwerk. In Interviews erzählen vier der jungen Profis, was sie antreibt, überrascht und motiviert auf ihrem Weg ins Berufsleben.
 

Wie bist du zu deinem Handwerk gekommen?
Mein Vater ist in dem Gewerk schon seit 25 Jahren selbstständig. Als ich klein war, hat er mich immer mitgenommen und so an den Beruf herangeführt. Irgendwann habe ich beschlossen, dass ich den Beruf auch lernen will. Ich war dann aber nicht in unserer Firma, sondern habe woanders gelernt. Mich sollte keiner kennen. Ich wollte ein ganz normaler Lehrling sein und nicht »der Junge vom Chef«. Mittlerweile bin ich im Nebenverdienst bei meinem Vater im Betrieb angestellt und mache jetzt in Vollzeit meinen Meister. Wenn alles gut läuft und ich die Prüfungen gleich bestehe, bin ich im nächsten Jahr im Mai fertig.

Was ist das Schönste an deinem Handwerk?
Definitiv die Vielfältigkeit! Wir installieren beispielsweise einen Tag eine Wärmepumpenanlage, den anderen Tag machen wir mal einen Holzvergaser, danach folgt eine Rohrinstallation, mal eine Reparatur. Das ist wirklich extrem vielseitig, und man muss viel wissen.

Was heißt das genau?
Bei uns geht es ja nicht nur um die Heizung an sich. Wir müssen uns auch auskennen bei Trinkwasser, Lüftung, Kältetechnik und so weiter. Wenn wir in Zahnarztpraxen tätig sind, geht es viel um das Thema Zu- und Abluft. Sind wir in Hotels bauen und warten wir Klima- und Kältetechnik. Wir betreuen zum Beispiel auch Stadtwerke, die Großkälteanlagen und Kälterückgewinnung haben. Für diese Themen gibt es dann spezielle Lehrgänge, weil man ja auch immer mit neuen Techniken zu tun hat.

Anika Dollmeyer

Anika Dollmeyer

Wo siehst du dich in den nächsten zehn Jahren?
Dann bin ich 29. Ich hoffe, ich habe dann den Betrieb meines Vaters gut übernommen und es läuft alles, sodass wir Arbeit haben. Vielleicht bin ich dann selbst schon Vater, habe eine Frau – wer weiß.

Die Zukunft macht dir keine Angst? Immerhin musst du für die sechs Mitarbeiter sorgen, die es bereits gibt.
Das ist schon wirklich eine krasse Verantwortung. Man muss immer für Aufträge sorgen, damit man den Lohn pünktlich zahlen kann. Zum Glück haben wir immer Arbeit. Viele Firmen, die viel in Fertigteilhäusern gebaut haben, merken jetzt, dass der Neubau zurückgeht. Wir sind da ziemlich unabhängig und breit aufgestellt.

Hast du ein Hobby?
Ich habe einen Jagdschein gemacht, ich gehe auf Jagd. Das gibt so einen gewissen Ausgleich, wenn man viel arbeitet. Und dann fährt man im Sommer abends mal raus ins Revier, setzt sich auf seinen Hochstand, macht sein Handy aus und sitzt dann bis zur Dämmerung. Es ist Ruhe, man hört nur im Wald. Es ist schon entspannend. Da kommt man runter.



Warum hast du diesen Beruf gelernt?
Eigentlich wollte ich etwas mit Holz machen. Allerdings gab es bei uns in der Nähe nichts Entsprechendes. Ein Lehrer von mir hat mich dann darauf aufmerksam gemacht, dass er einen Betrieb kennt, der mit Metall arbeitet. Und da ich mir etwas Handwerkliches vorgestellt habe, wäre das ja ähnlich. Ich war dann vor Ort und es hat mir gleich sehr gefallen.

Was sind deine Lieblingsaufgaben in deinem Beruf?
Mir gefällt besonders das Bauen nach Zeichnung und das Schweißen.

Du hast erwähnt, dass du es gar nicht leiden kannst, wenn der Arbeitsschutz nicht eingehalten wird?
Ja, der ist ja aus einem guten Grund irgendwann erfunden worden. Und natürlich sagen manche dann: Na gut, warum sollte ich denn jetzt eine Brille beim Bohren tragen? Aber es kann ganz schnell passieren, dass mal ein Span ins Auge kommt. Lieber vorher schon Schutz tragen als es danach bereuen.

Gibt es Projekte, die dir besonders im Gedächtnis geblieben sind?
Nicht direkt ein Projekt, aber ich durfte unsere Azubis aus dem ersten Lehrjahr in meinem letzten Lehrjahr anlernen und ihnen alle Grundlagen zeigen – so ein bisschen zumindest. Die haben dann mit mir gemeinsam einen kleinen Modell-Lkw gebaut. Das war ziemlich cool.

Anika Dollmeyer

Anika Dollmeyer

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Hoffentlich in einem kleinen Betrieb, in dem ich meine Sachen machen kann, mit guten Gesellen, die nicht irgendwelche Vorurteile gegen Frauen haben, und mit einem ganz guten Gehalt. Sehr gern, wo ich auch kreativ arbeiten kann.

Warum sollten junge Menschen ins Handwerk gehen?
Weil es sehr schön zum Ausleben ist. Man kann viel Kreatives einfach schaffen. Ich glaube, dass viele junge Menschen sich scheuen ins Handwerk zu gehen, weil sie denken, dass man bereits viel können und wissen muss. Aber man kann sich zum Beispiel einfach ein Stück Holz nehmen und ein kleines Messer und könnte daraus schon allein eine kleine Figur machen und sich dann weiterentwickeln. Es ist leicht reinzukommen. Man muss eben nur anfangen.

Warum sollten mehr Frauen ins Handwerk?
Einerseits, weil oft gesagt wird, dass Frauen viel präziser arbeiten und das viel ernster nehmen als Männer. Andererseits ist es einfach oft ein angenehmeres Arbeiten. Daher würde ich jedem Mädchen, das Interesse hat, raten, es einfach zu probieren. Am besten nimmt man sich etwas Kleines vor und steigert sich dann. Vielleicht hat man einen Vater, der einem die ersten Dinge beibringen kann, vielleicht gibt es Nachbarn oder eine Do-it-yourself-Werkstatt in der Nähe, zu der man gehen kann. Einfach probieren, gucken und dann einfach machen.

Wie bist du auf die Idee gekommen, Land- und Baumaschinenmechatroniker zu werden?
Ich habe mich schon in meiner Jugend sehr für Landwirtschaft interessiert. Ich bin viel Trecker gefahren, war draußen auf dem Feld. Ich wohne hier in Doberschütz, also ein kurzer Weg. Da dachte ich mir, da kann man den Weg mal anstreben. Früher habe ich hier auch viele Praktika gemacht.

Wie lange geht die Ausbildung?
Die Ausbildung geht dreieinhalb Jahre, aber ich habe die verkürzt. Ich habe 2023 mein Abitur gemacht und dadurch konnte ich ein Jahr verkürzen. Also waren es für mich zweieinhalb Jahre.

Was ist das Schönste an deinem Beruf?
Ich würde sagen, die Vielseitigkeit. Man hat nicht monotone Arbeit, sondern immer wieder neue Problemstellungen. Also ist nicht jeder Tag wie der andere. Außerdem ist man körperlich aktiv und sitzt nicht den ganzen Tag irgendwo. Und man ist auch mal an der frischen Luft – je nach Wetterlage im Winter etwas weniger, im Sommer mehr. Das macht mir sehr Spaß.

Hat dir jemand während deiner Ausbildung einen Rat gegeben, der dir besonders geholfen hat?
Ja, man sollte nicht stehen bleiben. Man lernt halt immer wieder dazu und sollte sich so gut und so regelmäßig es geht weiterbilden. Das wurde mir mal geraten.

Anika Dollmeyer

Gibt es Aufgaben, die du nicht so magst?
Nee, eigentlich höchstens, wenn es sehr kalt und glatt ist und man waschen muss. Das macht dann nicht so viel Spaß. Oder wenn du irgendwas an der Maschine schrauben willst und die Ecken nicht gut gereinigt sind. Dann muss man erst sauber machen, damit kein Dreck ins System kommt, wenn man etwas aufmacht.

Hast du irgendwelche Hobbys?
Ja, tatsächlich schon. Ich bin nebenbei in der Freiwilligen Feuerwehr, das macht mir sehr viel Spaß. Und ich schraube gern an Mopeds und fahre im Sommer Mähdrescher. Das macht mir auch sehr viel Spaß.

Warum sollten junge Menschen deiner Meinung nach ins Handwerk gehen?
Weil wir junge Leute brauchen, und weil es in Zukunft immer attraktiver wird. Es gibt immer weniger junge Leute im Handwerk, und die Älteren hören irgendwann auf zu arbeiten. Wenn es keiner mehr macht, bringt es auch nichts, wenn du etwas am Laptop entwickelst und am Ende kann es keiner reparieren oder ausführen. Da fehlt dann die Exekutive, die das wartet und instand setzt. Und deswegen denke ich, dass man da in Zukunft gute Aussichten im Handwerk hat.

Und wie geht es für dich jetzt weiter?
Ich arbeite erstmal und sammle Erfahrung. Mir steht alles offen, deswegen abwarten, was passiert. Gucken – aber erstmal ein bisschen Geld verdienen. Das ist erstmal die Hauptsache.

Hast du deinen Traumberuf gefunden?
Ja, schon. Die Ausbildung zur Zahntechnikerin ist mein Sprungbrett für die weitere Zukunft, weil ich gern noch Dentaltechnologie studieren möchte, um ein bisschen mehr in die Werkstoffwissenschaftswelt – quasi hinter die Materialien Metall, Kunststoff und Keramik – blicken zu können.

Wie bist du auf deinen Studienwunsch gekommen?
Tatsächlich durch meine Ausbildung. Wir hatten das Thema kurz in der Berufsschule angerissen und ich fand es gleich spannend, weil ich vorher sehr viel mit Mathe und Naturwissenschaften schulisch zu tun hatte und schon immer gern in die Richtung Bio und Chemie, aber vor allem praktisch gehen wollte. Jetzt schaue ich mal, was das Studium so mit sich bringt und wo ich danach auch wieder ins Handwerk zurückgehen kann. Fachlich ist es für mich auf jeden Fall eine Weiterbildung.

Was waren oder sind deine Lieblingstätigkeiten?
Eigentlich macht alles Spaß. Ich habe nichts, von dem ich sagen könnte: »Das geht gar nicht.« Was ich nicht den ganzen Tag machen möchte, ist zum Beispiel Bläschen aus Gipsmodellen zu entfernen. Aber der Beruf ist zum Glück wahnsinnig vielfältig. Ich hatte in den dreieinhalb Jahren sehr viele unterschiedliche Tätigkeiten. Die Patientenarbeiten bestehen aus vielen einzelnen Schritten und die sind definitiv weder langweilig noch eintönig.

Wo siehst du dich in zehn Jahren?
Das ist eine spannende Frage – je nachdem, was das Studium so mit sich bringt. Also vielleicht in der Forschung für Werkstoffe – das fände ich sehr spannend. Mir wäre auch der enge Bezug zur Zahntechnik wichtig, weil es noch manche Schwierigkeiten in unserem Berufsleben gibt.

Anika Dollmeyer

Anika Dollmeyer

Da kann man sicher noch einiges verbessern beziehungsweise ein bisschen schneller und einfacher gestalten. Vielleicht geht dann auch nach wie vor einiges ohne Digitalisierung. Die nimmt ja einen immer größeren Teil ein. Aber bezogen auf die händisch-praktische Umsetzung – vielleicht gibt es da Dinge, die uns das Arbeitsleben noch ein bisschen erleichtern können.

Warum sollten junge Leute ins Handwerk gehen?
Weil es wahnsinnig faszinierend ist, was wir mit unseren eigenen Händen gemeinsam erschaffen können, um anderen Leuten das Leben zu erleichtern. In der Zahntechnik geht es vor allem auch um die Ästhetik und wenn man dann weiß: Man trägt dazu bei, dass sich jemand mit seinem Aussehen wieder wohlfühlt oder wieder besser Sprechen oder Essen kann – also einfach dazu beiträgt, dass jemand wieder glücklicher und besser durchs Leben gehen kann –, dann hat man doch einen sinnvollen Arbeitstag. Und das macht einem selbst auch sehr viel Freude, dass man unterstützen und helfen kann.

Du hast auch Patientenkontakt?
Ja, wir sind hier Praxislabor. Also es ist nicht die Regel, es sind nur so kleinere Ausnahmefälle. Aber hin und wieder kommt es vor und das macht dann sehr viel Spaß, dabei zu sein und zu sehen, wie die Arbeiten im Mund aussehen und vor allem aus eigenen Fehlern auch lernen zu können – zusätzlich zu dem, was im Lehrbuch steht.



 

Kontakt

Marco Kitzing

Anett Fritzsche

Pressesprecherin

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