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Meisterhaft bei der Bundeswehr

Ein Porträt von Constanze Arnold.

Dienst bei der Bundeswehr und gleichzeitig eine Fortbildung zum Maurer- und Betonbaumeister absolvieren? Das geht am Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer, wo Bundeswehr und Handwerk zusammenarbeiten, um Soldatinnen Soldaten eine zivilberufliche Weiterbildung zu ermöglichen.

Sie haben das Ziel erreicht: Vor wenigen Monaten legten sieben Bundeswehrsoldaten ihre Meisterprüfung für Maurer und Betonbauer ab. Seit September letzten Jahres paukten sie gemeinsam mit 14 Zivilisten am Bildungs- und Technologiezentrum (BTZ) in Borsdorf. Da standen "Baukonstruktion" und "Baustoffe" auf dem Stundenplan, aber auch Betriebsführung und Projektkalkulation. Innerhalb eines Jahres absolvierten die Kursteilnehmer alle vier Teile der Meisterausbildung.

Die Soldaten besuchten diese Meisterschule während ihrer Dienstzeit bei der Bundeswehr im Rahmen der sogenannten zivilberuflichen Aus- und Weiterbildung (ZAW). Sie sind Soldaten auf Zeit, für zehn, zwölf oder gar 15 Jahre verpflichtet. Sie alle haben schon eine Grundausbildung als Maurer oder Stahlbetonbauer und durften sich weiterqualifizieren. Die Kosten trägt der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr (BFD).

Von der Kaserne in die Meisterklasse

Während der Meisterschule wohnten die Soldaten in der General-Olbricht-Kaserne in Leipzig. Jeden Tag fuhren sie gemeinsam zum Unterricht. Danach stand ihnen die Zeit zur freien Verfügung. "Uns wird schon viel Freiraum gegeben", findet der Klassensprecher der sieben Bundeswehrangehörigen, Alexander Lendörfer (27). "Wenn wir zurück in der Kaserne sind, lernen wir meistens und machen unseren Sport, der ja für einen Soldaten Voraussetzung ist. Die Anforderungen sind ausgewogen und wir haben genug Zeit für die Schule, aber auch um private Sachen zu erledigen."

Doch nicht immer fiel das Lernen leicht. Lendörfers Ausbildung liegt schon sieben Jahre zurück, da sind viele Inhalte natürlich nicht mehr parat. "Hätte ich den Meister direkt nach meiner Gesellenprüfung gemacht, wäre es definitiv einfacher gewesen. Denn man hat beim Militär ja auch nicht viel mit der Materie zu tun, da ist es schon schwer, wieder reinzukommen. Die Zivilisten haben da umfassendere Kenntnisse, wie man etwas gestaltet kann. Für sie ist das einfacher, definitiv." Deshalb gab es auch einen regen Austausch zwischen den zivilen Meisterschülern und den Bundeswehrsoldaten. "Gerade die Gruppe dieses Jahr arbeitete sehr gut zusammen", meint Fachbereichsleiter Andreas Bräuer. "Sie ergänzten sich sehr gut und die Soldaten, die ja schon lange aus der Wirtschaft raus sind, wurden von den anderen tatkräftig unterstützt." Auch überzeugen sich die Verantwortlichen des Berufsförderungsdienstes in monatlichen Treffen mit Andreas Bräuer und Klassensprecher Lendörfer von den Fortschritten ihrer Schützlinge.

Bundeswehr und Handwerk Hand in Hand

Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr funktioniert schon lange: Im Jahr 2000 wurde das Beratungszentrum Bundeswehr - Handwerk und Gewerbe der Region Leipzig gegründet. Neben der Handwerkskammer sind auch die Industrie- und Handelskammer sowie verschiedene Organe und Karrierezentren der Bundeswehr daran beteiligt. Ziel ist es, Schüler und Auszubildende sowie Bundeswehrsoldaten über die Möglichkeiten einer Berufsqualifizierung im Rahmen des Bundeswehrdienstes und darüber hinaus aufzuklären und für die Programme zu gewinnen. 2014 wurde der Kooperationsvertrag neu aufgelegt.

Als Ausbildungsstandort gewann das BTZ im letzten Jahr zudem erneut die Ausschreibung des Berufsförderungsdienstes in Dresden und wird somit mindestens weitere drei Jahre Bundeswehrsoldaten in verschiedenen Gewerken aus- und weiterbilden.

Eine solche Kooperation bringt allen Beteiligten Vorteile, wie Alexander Lendörfer feststellt: "Mir bringt die Qualifizierung natürlich sehr viel für die Zukunft, falls ich die Bundeswehr irgendwann verlasse. Dann kann ich daraus für mein ziviles Leben etwas machen. Und auch die Bundeswehr zieht einen Nutzen daraus, da wir unser Wissen zum Beispiel in Einsätzen anwenden können." René Reiche, Leiter des Zentralbereichs Berufsförderungsdienst in Dresden, erklärt, man wolle die Teilnehmer so qualifizieren, dass sie im Anschluss "auf ihrem militärischen Dienstposten in der Bundeswehr fachgerecht eingesetzt werden können." Auch erfüllt die Bundeswehr mit den Angeboten die "gesetzlich verankerte Fürsorgepflicht" gegenüber ehemaligen Soldaten und Soldatinnen, wie es im Kooperationsvertrag zum Beratungszentrum heißt. Derzeit liege die Eingliederungsquote von ausscheidenden Soldaten auf einen zivilen Arbeitsplatz bei 93 Prozent, so Reiche.

Für das BTZ bedeuten die Meisterschüler der Bundeswehr zudem eine sichere Auslastung der Klassenkapazitäten. Und noch viel wichtiger: Das Handwerk profitiert von gut ausgebildeten Führungskräften, die nach ihrer Dienstzeit in die Wirtschaft einsteigen und dem aufkommenden Fachkräftemangel entgegenwirken.


Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 11/2015 erschienen.


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Dr. Andrea Wolter

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