Handwerkskammer zu Leipzig

Fachkräfte gesucht

Ein Porträt von Constanze Arnold.

Mehr als 60 Jahre gibt es die Firma Nicolai schon. Die Auftragslage im hiesigen SHK-Bereich ist gut - sehr gut sogar, denn Neubauten und Renovierungen gibt es in Leipzig und Nordsachsen derzeit viele. Da fällt es besonders auf, wenn Fachkräfte und Azubis fehlen.

SHK-Meister Rüdiger Nicolai hat ein Luxusproblem. So könnte man es nennen, wenn ein Unternehmer viele Aufträge hat, aber nicht genug Fachkräfte, um sie zu erfüllen. Luxus - vielleicht. Ein Problem - auf jeden Fall.

1953 übernahm Nicolais Großvater das Brunnenbaugeschäft seines Chefs in Rackwitz, einem Ortsteil des nordsächsischen Zsortschau. Sein Sohn lernte und arbeitete bei ihm und übernahm schließlich den Betrieb, der nun im Schwerpunkt Sanitärarbeiten durchführte. Dessen Sohn wiederum, Rüdiger Nicolai, durfte nicht im Familienbetrieb lernen, da private Unternehmen in der DDR nicht wachsen sollten. Stattdessen studierte Rüdiger Nicolai ein Jahr lang in Leipzig Trompete bevor er 1980 eine Ausbildung zum Notenstecher begann.

Zehn Jahre später löste sich das politische System auf, auch die Wirtschaft erlebte einen Umbruch. Nicolais Arbeitgeber, ein Verlag in Leipzig, ging Pleite und nur Wochen später saß er wieder auf der Schulbank und wurde für den Bereich Gas und Wasser ausgebildet. Von nun an arbeitete auch er im Familienbetrieb. Im Folgenden wuchs die Sanitärfirma Nicolai Schritt für Schritt auf fünf ständige Mitarbeiter an. Bald gehörte auch die fachgerechte Heizungsmontage zum Portfolio.

Seit 2000 läuft der Betrieb auf Rüdiger Nicolais Namen, nachdem er 1997 seinen Meisterbrief erhielt. Seine Frau und seine Mutter unterstützen ihn bis heute im Büro. Vor zwei Jahren feierte die ganze Belegschaft das 60-jährige Firmenjubiläum. Nicolai blickt positiv auf die vielen Jahre zurück: "Einen richtigen Engpass gab es bisher noch nie. Auch früher schon hatten wir meist Arbeit für ein halbes Jahr im Voraus." Seit ein paar Jahren steigt die Auslastung immer weiter. Bis zum Sommer 2016 ist Nicolais Auftragsbuch jetzt schon voll. Längst kann er nicht mehr alle Anfragen erfüllen. Das verändert auch das Verhältnis von Kunde und Handwerker deutlich: "Früher wurde man angerufen mit den Worten 'Kommen Sie mal rum und machen Sie ein Angebot.' Da war man meist einer von 20 Handwerkern. Bei jedem zweiten Anruf jetzt heißt es 'Können Sie das bitte, bitte machen.'"

Man spricht miteinander - da wird sich gegenseitig geholfen

Nicolais Firma hat vor allem Großkunden: eine Investmentfirma in Leipzig zum Beispiel und ein Architekturbüro in Delitzsch. Da umfasst ein Auftrag schnell die Installation von mehreren Dutzend Bädern oder großen Heizungsanlagen in einem mehrstöckigen Neubau. Manchmal holt sich Nicolai dann Hilfe von anderen Handwerkern aus der Umgebung oder gibt kleinere Aufgaben an sie ab. „Man spricht miteinander. Da wird sich auch gegenseitig geholfen“, erzählt er. Auch die Zukunft seines Betriebes hat er auf diese Weise schon gesichert: Wenn Nicolai in zehn oder zwölf Jahren in den Ruhestand geht, soll ein Kollege aus dem Nachbarort seine Angestellten übernehmen. "Der weiß schon, dass er die alle nehmen muss", lacht Nicolai, "das ist schon abgesprochen. Damit die Leute dann nicht auf der Straße stehen."

Doch bis es soweit ist, gibt es in Delitzsch, Leipzig und Umgebung noch viele neue Bäder zu installieren, Heizungen zu bauen und Anlagen zu warten. Dafür wünscht sich Nicolai ein paar mehr Hände: "Ich würde sofort zwei bis vier Leute einstellen - fest", sagt er. Aber Fachkräfte sind schwer zu kriegen und auch Bewerbungen für eine Ausbildung hat der Meister seit Jahren nicht auf dem Tisch gehabt.

Eine gut eingespielte Truppe

Branchenweit sinken die Azubi-Zahlen stetig: Im Vergleich zu 2004 gab es deutschlandweit gut zehn Prozent weniger Lehrlinge im SHK-Handwerk, in den neuen Bundesländern hat sich die Zahl sogar fast halbiert. Und das obwohl der SHK-Sektor kontinuierlich wächst. Zudem konkurrieren die Handwerksbetriebe mit der Industrie um ausgebildete Fachkräfte. Dort sind vor allem Meister gern gesehen.

Vorerst wird Nicolai also mit seiner fünfköpfigen Belegschaft weitermachen. Immerhin kann er sich auf die Erfahrung seiner Angestellten verlassen: "Meine Leute sind eine gut eingespielte Truppe. Und das ist unglaublich viel wert."


Unternehmen im Fokus

Das Handwerk der Stadt Leipzig sowie der Landkreise Leipzig und Nordsachsen bildet das Fundament der regionalen Wirtschaft. Verantwortungsvolle und clevere Unternehmer stehen mit ihren Namen für Qualität und Zuverlässigkeit. Um die Bandbreite des Wirtschaftsbereichs zu zeigen, werden unter der Überschrift "Unternehmen im Fokus" in unregelmäßiger Folge Unternehmen exemplarisch vorgestellt.

Dieser Artikel ist auch im Deutschen Handwerksblatt - Ausgabe der Handwerkskammmer zu Leipzig 11/2016 erschienen.


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Dr. Andrea Wolter

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