Besorgter Handwerker mit Smartphone. Bild: pressmaster / stock.adobe.com
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Mitteldeutsche Wirtschaft im Stimmungstief

Gewerbliche Kammern stellen Struktur- und Konjunkturbericht vor.

Die Auswirkungen der Corona-Eindämmungsmaßnahmen rufen in Mitteldeutschland eine branchenübergreifende Wirtschaftskrise hervor. Das zeigen die Ergebnisse einer Konjunkturumfrage, die von IHK sowie Handwerkskammer zu Leipzig gemeinsam mit IHK Halle (Saale) und Handwerksammer Halle (Saale) durchgeführt wurde.
 

Gewerbliche Kammern stellen Struktur- und Konjunkturbericht vor

Die gewerblichen Kammern, die insgesamt 145.000 Unternehmen in der Region vertreten, attestieren eine Trendwende. Deutete sich schon vor der Pandemie eine gedämpfte, aber weiterhin positive Konjunkturentwicklung an, hat der über Jahre hinweg anhaltende Wachstumsprozess des mitteldeutschen Wirtschaftsraumes nunmehr ein abruptes Ende gefunden. Die konjunkturelle Entwicklung vollzieht in allen Wirtschaftsbereichen eine deutliche Abwärtsbewegung.

Der Konjunkturklimaindex für die mitteldeutsche Wirtschaft sinkt von sehr guten 83 Punkten im Frühjahr 2019 auf aktuell -20 Punkte, den niedrigsten Wert seit 2005.

Alle Branchen - mit Ausnahme der Bauwirtschaft - melden nunmehr einbrechende Geschäftserwartungen und erwarten deutliche Umsatzeinbußen und in der Folge eine rückläufige Beschäftigung. Die Stimmung der regionalen Unternehmen sei sogar unter den Tiefststand der Wirtschafts‐ und Finanzkrise von vor elf Jahren zurückgefallen.
 

Konjunkturimpulse setzen, Kostenbelastungen vermeiden!

Bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse verwiesen die Kammervertreter auf die Langfristfolgen der weltweiten Krise. Die Politik sollte jetzt insbesondere investive Konjunkturimpulse setzen, um zügig wieder aus der Rezession herauszuführen. Gleichzeitig müssen zusätzliche Steuer‐ und Abgabenlasten für Unternehmen auf lange Sicht ausgeschlossen werden, um eine schnelle Erholung der Wirtschaft nicht abzuwürgen.

Zugleich wurde betont, dass die mitteldeutschen Kammern die Landesregierungen in Sachsen und Sachsen-Anhalt bei allen Maßnahmen für eine langfristig erfolgreiche Fachkräftestrategie für den mitteldeutschen Wirtschaftsraum unterstützen.
 

Dafür sollen sich die Landesregierungen im Bund einsetzen

Auf Bundesebene sollten sich die Landesregierungen unter anderem für die Abschaffung der Vorfälligkeit der Sozialversicherungsbeiträge, die sachgrundlose Rückstellung bis zu 200.000 Euro zur Stärkung der Krisenfestigkeit von Unternehmen, die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß, Abschreibungserleichterungen (Wiedereinführung der degressiven AfA, Sofortabschreibungen), eine bessere Ausgestaltung der Thesaurierungsrücklage und die Deckelung der Steuerbelastung von Unternehmen bei 25 Prozent im Rahmen einer Unternehmenssteuerreform sowie die Verdoppelung von Steuerboni für Inanspruchnahme haushaltsnaher und handwerklicher Dienstleistungen einsetzen.

Das Corona‐Hilfsprogramm der Bundesregierung vom 3. Juni 2020 greife diese Vorschläge teilweise auf, sei aber noch nicht ausreichend.



Zur Methodik der Konjunkturumfrage "Wirtschaft in Mitteldeutschland"


Für den mitteldeutschen Konjunkturbericht befragen die vier gewerblichen Kammern im Großraum Leipzig-Halle-Dessau mehrmals im Jahr eine repräsentative Stichprobe ihrer Mitgliedsunternehmen. Regelmäßig nehmen etwa 1.600 Betriebe aus den verschiedenen Branchen an dieser Befragung teil. Diese geben unter anderem an, wie sie ihre aktuelle Geschäftslage bewerten und welche künftige Entwicklung sie erwarten. Die Umfragedaten der verschiedenen Branchen werden gewichtet und ausgewertet. Sowohl die Befragung als auch die Auswertung erfolgt nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden.
 

Befragungsergebnisse und wirtschaftspolitische Positionen zum Download

 

Leitlinienpapier "Gestärkt aus der Krise" für den Freistaat Sachsen


Bereits vor einigen Wochen hatte die sächsische Wirtschaft hat deshalb konkrete Vorschläge und Forderungen an die Staatsregierung erarbeitet, um den Freistaat Sachsen aus der Krise zu führen und gleichzeitig strukturelle Defizite abzubauen. Das Leitlinienpapier "Gestärkt aus der Krise" das Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern erstellt haben, stellt unter anderem zukunftsorientierte Infrastrukturmodernisierungen, Investitions- bzw. Konsumanreize sowie die Beschleunigung von Planungen in den Blickpunkt.

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Christian Likos

Hauptabteilungsleiter Wirtschaft und Recht

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