Haus des Handwerks, 150 Jahre, Bild: Handwerkskammer zu Leipzig
Handwerkskammer zu Leipzig

Handwerkskammer zu Leipzig begeht Jubiläum

150 Jahre Selbstverwaltung, Interessenvertretung und Dienstleister

In diesem Jahr begeht die Handwerkskammer zu Leipzig ihr 150-jähriges Gründungsjubiläum. Gegründet 1868 ist sie die Selbstverwaltung von sechs Handwerksgenerationen. Dieses Jubiläum begeht die Handwerkskammer zu Leipzig heute (19. Juni) mit einer Festveranstaltung.

Eine wichtige Zäsur auf dem Weg zur Gründung der Handwerkskammer war die Einführung der Gewerbefreiheit in Sachsen am 1. Januar 1862. Seit dem mussten sich zukünftige Unternehmer bei einer neuen Institution, der Handels- und Gewerbekammer, anmelden. Die Leipziger Kammer wurde in Form einer Wirtschaftskammer am 2. August 1862 gegründet. Die unterschiedlichen Interessenlagen der Handels- und Gewerbewirtschaft führten zur Trennung beiden Abteilungen, die offiziell am 16. Juli 1868 vollzogen wurde. Damit hatte die Messestadt als eine der ersten deutschen Kommunen eine Kammer, die allein für das Handwerk zuständig war.

Im Jahr 1897 verabschiedete der Deutsche Reichstag das sogenannte „Handwerkergesetz“. Es verlangte die Gründung von Handwerkskammern im gesamten Reich. Sie sollten die Gesamtinteressen und die Belange der in ihrem Bezirk ansässigen Handwerker gegenüber Gesetzgebung und Verwaltung vertreten. Als Organ der berufsständischen Selbstverwaltung waren sie damit insbesondere für die Regelung des Lehrlingswesens und die Unterstützung von Staatsbehörden durch Mitteilungen und Gutachten zuständig. Die Handwerkskammern wurden beauftragt, Wünsche und Anträge des Handwerks den Behörden vorzulegen, Jahresberichte über die Verhältnisse im Handwerk zu erstellt und Gesellenausschüsse zu bilden, die sicherstellen, dass auch die Interessen der Arbeitnehmer entsprechend vertreten werden.

"Wir würden die Aussagen heute vielleicht etwas anders formulieren, aber im Grunde sind es auch unsere heutigen Aufgaben", konstatiert Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig.

Die Leipziger Handwerkskammer hatte anfangs ihren Sitz in der Gottschedstraße 22. Als die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten, kaufte die Kammer 1909 das Grundstück Lessingstraße 7. Im August vor 22 Jahren – 1996 – bezog die Handwerkskammer das Gebäude der ehemaligen Druckerei Brandstetter in der Dresdner Straße 11/13, das neue Haus des Handwerks.

Um die Abgrenzung zwischen Handwerk und Industrie zu vereinfachen wurden 1929 die Handwerksrolle und das Gewerberegister eingeführt. Zur gleichen Zeit wurden die Kammern ermächtigt, Sachverständige für Güte und Preis handwerklicher Arbeit zu bestellen. Eine Aufgabe, die die Handwerkskammer heute noch innehat. Die Handwerkskammer zu Leipzig hat zurzeit 80 öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige.

1934 wurde das Verzeichnis aller handwerksmäßig betriebenen Gewerbe eingeführt. Dieses Verzeichnis enthielt vom Bäcker bis zum Zimmerer insgesamt 72 Gewerbe. Heute sind es 94.

Ab 1946 musste jeder Handwerksbetrieb und jede Genossenschaft Mitglied einer Handwerkskammer sein. Ab Mai 1950 war die Aufnahme einer privaten Gewerbetätigkeit nur noch in Ausnahmefällen möglich. Die Folge war ein drastischer Rückgang der Betriebs- und Beschäftigtenzahlen. Damit einher ging die schlechtere Versorgung der Bevölkerung mit handwerklichen Leistungen bei gleichzeitig blühender Schattenwirtschaft. Von den rund 1,2 Millionen Beschäftigten im Jahr 1948 war Ende 1988 nicht einmal mehr ein Viertel übrig geblieben. Das Handwerk bildete lediglich noch sieben Prozent aller Lehrlinge aus.

Am 17. Januar 1990 trat der Vorstand der Handwerkskammer zurück. Am 5. April 1990 tagte die erste Vollversammlung, sie hatte 200 Mitglieder. In freier und demokratischer Wahl wurde Joachim Dirschka zum Kammerpräsidenten gewählt. Bereits ab dem 27. Juli 1990 galt in der noch existierenden DDR das "Gesetz zur Ordnung des Handwerks (Handwerksordnung)" der BRD.

Wirtschaftlich war die Lage für viele Handwerksbetriebe in jener Umbruchszeit nicht einfach. Dennoch nutzten viele Meisterinnen und Meister die neue Freiheit, um Unternehmer zu werden. Gab es im Mai 1990 im Bezirk Leipzig lediglich 7.500 Handwerksbetriebe, waren es zehn Monate später bereits 9.600.

1.700 Lehrlinge in 60 Ausbildungsberufen wurden 1990 in der Lehrlingsrolle eingetragen. Bis zum heutigen Tag sind es mehr als 100.000. 1.200 Anträge auf eine Meisterausbildung wurden bereits in den ersten Monaten des Jahres 1990 gestellt. Seitdem haben 8.417 Handwerker den Meisterbrief vor den Prüfungsausschüssen der Handwerkskammer zu Leipzig abgelegt.

Heute zählt die Handwerkskammer zu Leipzig knapp 12.000 Mitgliedsbetriebe, die kontinuierlich rund 90.000 Menschen beschäftigen und jährlich mehr als 1.500 neue Ausbildungsverträge abschließen.

"Auch nach 150 Jahren steht die Handwerkskammer zu Leipzig gut da. Sie ist heute wirtschaftlich gut aufgestellt und bietet ihren Mitgliedsunternehmen umfassende Beratung von der Gründung bis zur Nachfolge in (fast) allen Bereichen des Unternehmensalltags an. Sie ist eine effiziente und leistungsstarke Selbstverwaltung", so der Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, Claus Gröhn.

Einen Einblick in die Geschichte der Handwerkskammer gibt eine Ausstellung im Haus des Handwerks, Dresdner Straße 11/13. Die Ausstellung kann bis zum 31. Juli 2018 jeweils montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr besichtigt werden.




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Dr. Andrea Wolter

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