Freisprechung vom 18. August 2018
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Freisprechung: 373 neue Profis für das Handwerk

Impressionen der Festveranstaltungen vom Sommer 2018.

Mit gleich zwei Festveranstaltungen gratulierte das Handwerk der Region Leipzig den 373 Gesellinnen und Gesellen, die im Sommer 2018 ihre Ausbildung in einem von 42 Handwerksberufen abgeschlossen haben. Sie nahmen endlich die Gesellenbriefe und Abschlusszeugnisse entgegen, auf die sie lange hingearbeitet haben.

Zahlenmäßig am stärksten vertreten sind die jungen Fachleute übrigens in den Berufen Friseur, Maler und Lackierer sowie Tischler. 154 Gesellen wurden in Handwerksbetrieben mit Sitz in der Stadt Leipzig ausgebildet, 101 erlernten ihren Beruf in einem Betrieb aus dem Landkreis Leipzig, 53 Gesellen in einem Betrieb aus dem Landkreis Nordsachsen.
 

Wer aufhört, besser sein zu wollen, der hört auf, gut zu sein.

Die Festansprache der Gesellenfreisprechung hielt der Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, Claus Gröhn und gratulierte zum Erreichen des Gesellenstandes. "Aber wer aufhört, besser sein zu wollen, der hört auf, gut zu sein! Sie können alles erreichen, wenn Sie nicht zögern, wenn Sie ‚einfach machen‘ – wie es in der Imagekampagne des Handwerks heißt". Damit verwies der Präsident auf die Notwendigkeit lebenslang weiterzulernen, wenn man die Herausforderungen wie beispielsweise der Digitalisierung erfolgreich bewältigen will. Ein Dankeschön richtete er an die Ausbildungsbetriebe und die vielen ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Prüfungsausschüsse.

Die Gesellenbriefe und Zeugnisse wurden gemeinsam vom Handwerkskammerpräsident, Vertretern der Innungen, der Gesellenprüfungsausschüsse und der Berufsschulen überreicht.
 

Bewährte Ausbildungsbetriebe ausgezeichnet

Im Rahmen der Festveranstaltung wurden auch sieben Handwerksbetriebe geehrt, die durch Kontinuität und Qualität bei der Nachwuchsarbeit hervorstechen. Obwohl die Unternehmen nach Gewerk, Betriebsgröße, Gründungsjahr sehr unterschiedlich sind, eint sie das große Engagement bei der Ausbildung des Berufsnachwuchses.
 



Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik

Paul Florian Schärschmidt
Fa. Mike Schärschmidt

Ausbaufacharbeiter

Niklas Behnert
Fa. Michael Wagner

Automobilkaufmann

Alexander Barrakling
Autohaus Maluche GmbH

Fachpraktikerin für Holzverarbeitung

Marie Josefine Dittrich
Berufsbildungswerk Leipzig für Hör-und Sprachgeschädigte gGmbH

Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk (Bäckerei)

Britta Schmermbeck
Siebrecht GmbH

Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk (Fleischerei)

Jenny Heinrich
Globus Handelshof St. Wendel GmbH & Co. KG

Fahrradmonteur

Marcus Zenner
Fa. Thomas Hammer

Fahrzeuglackiererin

Maria Brand
Stern Auto GmbH

Friseurin

Franceska Falkenberg
Fa. Jens Trostdorf

Gebäudereiniger

Steffen Brosche
Söffge Büro-, Gebäude- und Treppenhausreinigung GmbH

Glaser

Niklas Backmann
Fa. Hilmar Backmann

Kauffrau für Büromanagement

Melanie Kretzschmar
Dentallabor Güntermann GmbH

Kraftfahrzeugmechatroniker

Gregor Dietrich
Auto-Center Weber GmbH & Co. KG

Maßschneiderin

Anja Voigt
Leipziger Gesellschaft für Bildung und Arbeit mbH

Maurer

Lukas Wajroch
ReProBau GmbH

Schornsteinfeger

Josef Konrad
Fa. Torsten Theiß

Tischler

Gordian Schneider
Fa. Heiko Guter

Zimmerer

Thomas Kuhl
Holzbau Regen & Barth GmbH

 

Alexander Niesar hat bereits 2006 seine erste Ausbildung als Kraftfahrzeugmechatroniker abgeschlossen. Doch irgendwie war es nicht der richtige Beruf für ihn. Seine Liebe galt den Fahrrädern. Gearbeitet allerdings hat er allerdings auf dem Bau, weil er unausgebildet keine Arbeit in seinem Traumberuf fand. Seine Freizeit aber galt und gilt heute noch den Fahrrädern. Nach einem Arbeitsunfall bekam Alexander Niesar die Möglichkeit einer Umschulung zum Zweiradmechatroniker.
 

Ein Beruf den man aus Leidenschaft macht

Die Ausbildung hat er hochmotiviert in gut eineinhalb Jahren "durchgezogen", ein ganzes Jahr weniger als eine Umschulung eigentlich dauert. Die Zeit bei einer Erstausbildung in diesem Beruf beträgt sogar dreieinhalb Jahre. Seine Erwartungen an die Ausbildung haben sich erfüllt, "auch wenn manchmal die Motorräder zu sehr im Vordergrund standen." Aber zum Beruf gehörten eben alle Zweiräder.

"Es ist ein Beruf den man aus Leidenschaft macht, nicht um Geld zu verdienen", sagt der junge Geselle. Ein gutes technisches Verständnis, für Physik und ein bisschen Elektrowissen sollte man auf jeden Fall haben, um die Ausbildung ordentlich zu machen, empfiehlt er. Vielleicht möchte er später noch den Meister zu machen, aber das sei, mit 33 Jahren ist das so eine Sache. "Schafft man das mit dem Lernen. In der ersten Ausbildung fiel das in der 'Berufsschule sitzen' um einiges leichter als jetzt. Aber das gehört ja immer dazu." Fahrräder sind auch sein Hobby. "Wenn ich abends nach Hause komme, ist das erste, was ich mache am Fahrrad rumschrauben."

Neue Herausforderungen: Nächstes Jahr wird geheiratet!

Ausbildungsbetrieb

Velowelt Leipzig / Alexander Sarodnik | Leipzig

 

Auf die Frage, ob Friseur sein Wunschberuf war, antwortet Taif salomonisch mit "Jein". Etwas Handwerkliches sollte es auf jeden Fall sein. In einem einmonatigen Praktikum im Salon Hentschel hat er die Liebe zum Friseurberuf entdeckt.

Leichter ist die Arbeit am Männerhaar und -bart, schätzt Taif ein. Männer sagen, was sie wollen, sie wissen, was zu ihnen passt. "Frauen brauchen mehr Beratung, man muss mehr besprechen, was möglich ist, sie sind häufig unentschlossen. Eine Empfehlung ist dann nicht immer einfach, weil die Damen sich mit der Frisur wohlfühlen müssen, es muss zur Persönlichkeit passen."
 

"Meine Sprache muss gut sein, wenn ich hier arbeiten möchte."

Auch sprachlich seien die weiblichen Kunden für den Iraker, der seit sieben Jahren in Deutschland lebt, eine größere Herausforderung, obwohl er Deutsch sehr gut beherrscht. Dieses Lob weißt er bescheiden zurück. "Meine Sprache muss gut sein, wenn ich hier arbeiten möchte."

In der Berufsschule war es am Anfang nicht einfach, deshalb hat Taif das erste Ausbildungsjahr wiederholt. Ich musste nicht nur das Fachliche lernen, sondern auch die Wörter. Für ihn war es aber kein verlorenes Jahr, sondern ein "intensiver Integrationskurs." Die Sprache lerne man nur im Kontakt mit anderen.

"Ich hatte am Anfang gedacht, die Ausbildung ist leichter. Aus meiner Heimat habe ich den Beruf gekannt, man braucht Kamm und Schere. Hier muss man viel mehr lernen – Schnitttechnik, Farbtechnik, Körpersprache." Das ist nur in Deutschland so, in der ganzen Welt ist die Ausbildung viel einfacher. In anderen Ländern kennt man nur die Theorie oder die Praxis. Die duale Ausbildung in Deutschland ist sehr hochwertig und daher bei Ausländern sehr beliebt. Taif Saadi Jabbar ist stolz auf seinen Abschluss. "Mein Beruf ist mein Hobby. Jeden Tag was Neues, ich freue mich jeden Tag auf die Kunden." Nach der erfolgreichen Ausbildung möchte sich Taif beruflich weiterentwickeln und irgendwann auch seinen Meister machen.

Ausbildungsbetrieb

Ausbildungsbetrieb: Hair by hentschel | Leipzig

 

Ronny Bergander hat Industrieisolierer gelernt. "Damals wusste ich überhaupt noch nicht, was ich werden wollte. Es ist schwierig, sich so jung zu entscheiden, was man sein ganzes Leben lang machen möchte." Später habe er gegoogelt, welche Berufe seine Interesse beinhalten: Künstlerische Gestaltung, Malerei, alles was kreativ ist. Im Ergebnis war es der Stuckateur.

"Sinn für Formen, Farbgebung, Ästhetisches, alles das ist in dem Beruf sehr wichtig.“ Die Umschulung ging zwei Jahre, eine reguläre Ausbildung dauert drei. „Der Unterrichtsstoff ist derselbe. Es war sehr intensiv, aber ich habe meine Ausbildung bestmöglich abgeschlossen. Es ist ein schönes Gefühl, wenn man durch die Stadt geht und sagen kann, daran habe ich mitgearbeitet. Wenn alte Gebäude dann wieder gut aussehen."
 

"Ich mache einen Beruf, den ich liebe."

Voraussetzungen für den Beruf seien Geduld, keine Höhenangst, gute Konzentration, Sinn für das Ästhetische und schöne Sachen. "Ich werde jetzt meinen Beruf Stuckateur erstmal voll ausleben, weil ich jetzt einen Beruf mache, den ich liebe. Seit ich hier im Unternehmen bin, gehe ich jeden Tag gern auf Arbeit." Zu seinen Hobbies gehören Ölmalerei und Specksteinbearbeiten. "Ich gestalte, was mir gerade durch den Kopf geht, dabei vergesse ich sogar das Rauchen", lacht er.

Ausbildungsbetrieb

Stuck-Lowe GmbH | Großpösna

 

"Tischler war nicht direkt mein erster Wunschberuf. Aber Handwerker wollte ich schon immer werden. Mit sieben Jahren allerdings noch Schmied. Aber bald bin ich darauf gekommen, dass ich die Tradition meiner Familie aufnehmen möchte." Seine Eltern sind Puppenspieler. Gordian Schneider wollte die Puppenköpfe schnitzen.

Nachdem er jetzt die Ausbildung aufgrund seiner Leistungen verkürzen konnte und sie dennoch als Jahrgangsbester abschloss, will er sich damit eine eigene Existenz aufzubauen. Eine Ausbildung wollte Gordian nur machen, wenn er einen tollen Ausbildungsbetrieb findet. Den hat seine Freundin für ihn auf einem Mittelaltermarkt gefunden, als sie den Tischlermeister Mario Huke von Heureka kennenlernte. Die Tischlerei hat ihren Sitz im Kranwerk in Naunhof. "Ich war sehr glücklich in dieser Ausbildungsstelle. Es hat menschlich einfach gepasst." Seine Erwartungen haben sich erfüllt.
 

Man muss nur dabeibleiben und einfach machen

"Das Beste für mich war immer alles, was mit der Tradition einhergeht. Traditionelle Techniken erlernen und anwenden, das wollte ich und konnte es in meinem Ausbildungsbetrieb erlernen." Eigentlich könne jeder den Beruf erlernen, sagt Gordian Schneider. Man müsse nur dabeibleiben und einfach nur machen. Aber schnell ergänzt er "Geschick gehört dazu."

Bei so viel Leidenschaft für den Beruf, verwundert es wenig, dass er in seiner Freizeit am liebsten schnitzt und manchmal auch selbst schmiedet.

Ausbildungsbetrieb

Heureka-Leipzig – Heiko Guter | Großpösna

 

Steffen Brosche hat als Jahrgangsbester die Ausbildung in seinem Beruf abgeschlossen. "Mein Chef hat mir die Chance gegeben, in diesen Berufszweig einzusteigen. Mir macht die Arbeit viel Spaß, deswegen habe ich mich dahinter geklemmt", sagt Brosche und ergänzt: "Später kann ich noch meinen Meister machen, dafür habe ich mit dem Abschluss gute Voraussetzungen geschaffen."
 

Von der "Notlösung" zum Besten des Jahrgangs

Eigentlich war für ihn die Berufswahl am Anfang eher eine Notlösung. "Doch jetzt kann ich mir gar nicht anderes vorstellen. Man kommt viel rum und am Ende des Tages sieht man, was man geschafft hat. Die Kunden sind glücklich. Was Schöneres gibt es eigentlich nicht."

Wer Gebäudereiniger werden will, sollte auf jeden Fall höhentauglich sein. Steffen Brosche kommt regelrecht ins Schwärmen, wenn er von seiner Arbeit berichtet. "Wir haben zum Beispiel die Fassade des Neuen Augusteums gereinigt, da stand ich auf einer 30 Meter hohen Bühne." Gern würde er mal von der Gondel aus die Fassade des Uniriesen reinigen. "Aber leider ist das eines der wenigen Objekte in Leipzig, die unser Betrieb nicht betreut", lacht er. Spaß an der Arbeit gehöre dazu und flexibel sollte man sein. Auch Einfallsreichtum sei gefragt, weil es immer wieder mal Probleme geben kann, die man selbstständig lösen muss. "Wenn man pfiffig ist, funktioniert das in der Regel immer."

Neue Ziele hat sich der Geselle auch gesetzt. Im Beruf will er richtig durchstarten. Privat gibt es neue Herausforderungen. In wenigen Monaten wird er zum zweiten Mal Vater und da will er bereits den Führerschein in der Tasche haben.

Ausbildungsbetrieb

Söffge Büro-, Gebäude- und Treppenhausreinigung GmbH | Leipzig

 

Es ist sein Traumberuf seit er 14 war. "Ich wollte auf jeden Fall etwas Praktisches machen, etwas worauf ich am Ende drauf stolz sein kann." Die Werbung auf einem Auto hat ihn auf die Idee gebracht, Schilder- und Lichtreklamehersteller zu werden. Adrian hat in dem Unternehmen ein Praktikum gemacht, weitere in anderen Firmen folgten. "Dann wusste ich, dass dieser Beruf genau der richtige für mich ist. Und habe nach Abschluss der zehnten Klasse die Ausbildung begonnen."
 

Etwas machen, etwas worauf ich stolz sein kann

Seine Erwartungen haben sich erfüllt, er ist zufrieden mit seiner Arbeit. Nach drei Jahren Ausbildung hat sich Adrian selbst belohnt. "Ich habe jetzt meinen Führerschein gemacht und ein Auto gekauft", erläutert er stolz. "Als Geselle mit dem Arbeitsvertrag in der Tasche, war das auch finanziell möglich."

Folienbeklebung von Autos gehöre auch zum Berufsbild, aber sein eigenes wird zukünftig ohne Folie gut aussehen. Das Beste am Beruf, ist für Adrian Voigt, dass man viel rumkommt. "Wir haben Montagen in ganz Deutschland und man sieht sein fertiges Werk, egal ob Schild oder Leuchtkasten. Das finde ich einfach gut."

Voraussetzungen um den Beruf erfolgreich zu erlernen, seien mathematisches Grundverständnis, räumliche Vorstellung und je nach dem in welcher Abteilung man arbeitet auch gestalterische Fähigkeiten. Sein Hobby ist ein Moped, das 20 Jahre ungenutzt in der Scheune stand. Das will Adrian nun nach und nach wieder aufbauen.

Ausbildungsbetrieb

Volpp & Beck GmbH | Leipzig

 

  • MTG Kommunikations-Technik GmbH, Leipzig

  • Klima-Bau Volk GmbH & Co. KG, Leipzig

  • Orthovital GmbH, Markkleeberg

  • Gromke Hörzentrum, Leipzig

  • Gruber Agrartechnik GmbH, Elsnig

  • Lippe Bau GmbH, Mockrehna

  • Holztreppenbau Ralf Kleeberg, Krostitz