Friseur, Integration. Bild: Robert Iwanetz
Robert Iwanetz

Arbeits- und Ausbildungsmarktintegration von deutschen Jugendlichen und jungen Geflüchteten

"Komm aus den Puschen. Komm ins Handwerk" - Deine Chance im Handwerk

Das Projekt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund, die besondere Unterstützung bei der Integration in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt benötigen. Das Projekt verläuft über insgesamt vier Phasen.
 

 
1. Phase - Fähigkeiten und Fertigkeiten erkennen

(1 bis 2 Wochen)

In einer Kennenlernwoche wird mit jedem Teilnehmer ein Einzelgespräch geführt. In diesem Gespräch werden dem Teilnehmer zuerst seine Ansprechpartner und neuen Kontaktpersonen bei der Handwerkskammer zu Leipzig vorgestellt. Ziel ist es, zu Beginn der Maßnahme eine vertrauensvolle und offene Gesprächskultur entstehen zu lassen. Es werden besonders individuelle Bedürfnisse und interkulturelle Besonderheiten der Teilnehmer beachtet.

Weiterhin werden der schulische und berufliche Werdegang erhoben, die aktuelle individuelle Lebenslage berücksichtigt und vorhandene Sprachkenntnisse abgeklärt. Das strukturierte und umfassende Profil eines jeden Teilnehmers wird anhand einer Potenzialanalyse erstellt. Dabei wird das handlungsorientierte Verfahren genutzt, mit dessen Hilfe alle erkennbaren Stärken, Schwächen und mögliche Handlungsbedarfe ermitteln werden, um dann zielgerichtet die anschließende Kompetenzfeststellung (Berufsfelderprobung) durchzuführen. Außerdem erhalten die Teilnehmer alle wesentlichen Informationen über das Projekt und den Ablauf.

Die Ergebnisse dieser ersten Phase werden genutzt, um die Teilnehmer entsprechend ihrer Voraussetzungen und Vorstellungen in die dementsprechende zweite Phase zu überführen.


2. Phase - Fähigkeiten und Fertigkeiten vertiefen

(3 bis 4 Wochen)

Während der zweiten Phase können sich die Teilnehmer, ausgehend vom Ergebnis der ersten Phase, im dementsprechenden Berufsfeld weitere Fähigkeiten und Fertigkeiten aneignen beziehungsweise vorhandene Kenntnisse vertiefen. Hierbei steht ihnen unser qualifiziertes und erfahrenes Ausbilderpersonal mit Rat und Tat zur Seite.

 
3. Phase - Fähigkeiten und Fertigkeiten anwenden

(1 bis 4 Wochen)

Um die erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten in der freien Wirtschaft richtig anwenden zu können, werden die Teilnehmer im Anschluss an die zweite Phase ein vierwöchiges Betriebspraktikum in einem Handwerksunternehmen absolvieren.

 
4. Phase - Übergangsphase

(1 bis 2 Wochen)

Während des Betriebspraktikums erhalten die Teilnehmer bereits Informationen zu Aufbau und Inhalt der dualen Ausbildung im gewählten Ausbildungsberuf sowie den berufsschulischen Anforderungen. In einem Abschlussgespräch mit dem Teilnehmer wird am Ende des Betriebspraktikums entschieden, welchen weiteren beruflichen Weg der Teilnehmer gehen wird. Dabei könnten sich folgende Möglichkeiten ergeben:

  • Berufsausbildung im Handwerk,
  • Teilqualifikation im Handwerk,
  • Beschäftigung im Handwerk.

barhdadi-ahmed www.nikado.de

Ahmed Barhdadi
Projektleiter Fachkräfteallianz

Tel. 034291 30-162
Fax 034291 30-25162
barhdadi.a--at--hwk-leipzig.de

Unterrichtszeiten:
Montag bis Freitag | 8 bis 16.30 Uhr

Kosten:
keine Kosten für die Teilnehmer

Fahrtkosten:
Die Fahrtkosten werden erstattet.

Projektstart:
Der nächste Durchgang startet am 17. Oktober 2020

Entlohnung:
Die Teilnehmer erhalten keinen Lohn während der Maßnahme. Wenn Du Kunde der Agentur für Arbeit oder des Jobcenters bist, wirst Du weiter durch diese gefördert.

Ort und Durchführung:
Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer zu Leipzig
Steinweg 3 | 04451 Borsdorf

Beratungstag
Fragen beantworten unsere Ansprechpartner entweder per E-Mail oder telefonisch. Außerdem können Interessierte beim Beratungstag vorbeischauen. Dieser findet donnerstags, 13 bis 17 Uhr, in der Handwerkskammer zu Leipzig, Dresdner Straße 11/13, 04103 Leipzig, statt.

Mehr Informationen
 www.hwk-leipzig.de/fka-hdh

Unterstützend zu diesen Phasen erfolgt für die Jugendlichen mit Migrationshintergrund

  • Sprachliche Förderung / Arbeitssprache
    Maßnahmen: Bildwörterbücher; PL diente als Sprachmittler bei komplizierten Sachzusammenhängen; Einbindung von Stützunterrichten zur Steigerung der sprachlichen Kompetenzen in späteren Fachunterrichten (fachsprachliches Verständnis); Führung von Vokabelheften; Prüfungssimulationen / Vorträge vor der Gruppe / Meister zu Fachthemen des Zielberufes).
     
  • Interkulturelle Bewerbungstrainings und interkulturelle Kommunikation
    Maßnahmen: den Umgang mit biografischen Brüchen erleichtern durch Konfrontation mit der bisherigen Lebensleistung -> Strategien der Selbstvermarktung; Erstellung aussagekräftiger und authentischer Bewerbungsunterlagen mittels Fotos während der Werkstattphase.
     
  • Sozialpädagogische Betreuung sowie Berufs- und Lebensberatung
    Maßnahmen: Verstärkte individuelle Betreuung, so zum Beispiel Motivation/Begleitung/Neuordnung der häuslichen Lebens- und Lernsituation, Präsenz der Sozialpädagogen in den Praktikumsbetrieben

Interessiert?

Eine Entscheidung zur Berufswahl zu treffen, ist eine schwierige Angelegenheit. Was soll ich machen, um eine Ausbildung zu finden? Was kann ich überhaupt? Habe ich meine Chance möglicherweise schon verpasst? Deutsche Jugendliche sowie jugendliche Flüchtlinge in Leipzig und im Landkreis Nordsachsen, die sich mit solchen Fragen befassen, unterstützt die Handwerkskammer zu Leipzig über das Projekt "Arbeits- und Ausbildungsmarktintegration von deutschen Jugendlichen und jungen Geflüchteten".
 

Im Projekt kannst Du

  • ... herausfinden, welche Handwerksberufe es gibt.
  • ... ausprobieren, ob Deine Talente zu Deinem Berufswunsch passen und Alternativen entdecken.
  • ... Kontakte zu Ausbildungsbetrieben aufbauen.
  • ... in einem Praktikum zeigen, was Du tatsächlich kannst.
  • ... berufsbezogene Sprachkenntnisse verbessern.
  • ... neue Freunde finden.

Das bieten wir

  • Wir führen mit Dir individuelle Beratungsgespräche.
  • Wir testen Deine handwerklichen Fähigkeiten.
  • Unsere Ausbilder im Bildungs- und Technologiezentrum in Borsdorf vermitteln Dir das grundlegende Wissen in verschiedenen Berufen.
  • Wir bereiten Dich auf das Vorstellungsgespräch vor und finden gemeinsam einen für Dich passenden Praktikumsplatz.
  • Wir begleiten Dich im Praktikum.
  • Wir unterstützen Dich beim Deutschlernen.
  • Wir vermitteln Dir die wichtigsten Kompetenzen, die in einem Handwerksbetrieb notwendig sind.

Projektdauer und Berufe

  • Jeder Teilnehmer des Projektes erhält zwölf Wochen lang Einblicke in mehrere Ausbildungsberufe des Handwerks.
  • Schwerpunkt des Projektes werden Berufe aus den Bereichen Bau, Farbe, Holz, Elektro und Metall sein, aber auch andere Berufe sind möglich.

Voraussetzung

  • Du bist in der Regel 18 bis 25 Jahre alt.
  • Du bist Deutscher oder Flüchtling und erhältst Förderung über die Agentur für Arbeit / das Jobcenter oder auch nicht.
  • Deine Deutschkenntnisse liegen im Bereich zwischen A2- und B1-Niveau.

Klaus Zimmermann | Autohaus Klaus Zimmermann e. K. | Leipzig

"Deutsche Handwerksunternehmen sind modern und vielseitig. Als der Leipziger Region verbundene Betriebsinhaber bieten wir dauerhafte und feste Arbeitsverhältnisse, die sich in den Krisen der vergangenen Jahre immer wieder als sicher erwiesen haben. In der Kfz-Branche werden junge interessierte Leute als Nachwuchs ständig gesucht. Unser hochmodernes Handwerk bietet interessante und vielseitige Hightech-Möglichkeiten für lernwillige Menschen. Gemeinsam mit der Kfz-Innung engagiert sich die Handwerkskammer zu Leipzig hierbei in überdurchschnittlich hohem Maße.

Mich persönlich als Handwerksmeister interessiert nicht, wo jemand herkommt, ich möchte sehen, dass die Bewerber sich in den Betriebsalltag integrieren und zuverlässig gemeinsam mit den anderen Mitarbeitern zusammenarbeiten und das gemeinsame Ziel erreichen wollen. Hochachtung empfinde ich für die Kollegen, die Lernwillige unterstützen und auch während der Ausbildung begleiten, für die gute und zeitaufwändige Arbeit."

Klaus Zimmermann
Handwerkskammer zu Leipzig

Matthias Forßbohm | Forßbohm & Söhne Bauunternehmen GmbH | Markkleeberg

"Integration ist für Handwerker kein politisches Schlagwort, sondern seit Jahrhunderten gelebte Praxis. Richtige Integration, die nachhaltig und dauerhaft ist, kann nur durch regelmäßige Erwerbs- und Zusammenarbeit in Betrieben erfolgen. Erst der ständige tagtägliche Kontakt führt zu dauerhaftem Erfolg und gegenseitiger Akzeptanz! Die Projekte, welche die Handwerkskammer zu Leipzig bei den Fachkräfteallianzen der Stadt Leipzig und des Landkreises Nordsachsen durchführt, werden im regionalen Handwerk akzeptiert und sind allgemein hoch angesehen. Einen Erfolg mit Migranten als Lehrlingen zu erreichen, ist schwierig und nur mit viel Mühe und persönlichem Einsatz möglich. Jeder Migrant, der es schafft, garantiert dann aber auch dauerhafte Integration und ein tolles Beispiel für viele andere Migranten. Nur so ist sozialer Frieden und richtige Integration möglich - dafür steht das deutsche Handwerk!"

Matthias Forßbohm
Handwerkskammer zu Leipzig

Steffen Ihme | Abteilungsleiter Haustechnik | Bau- und Haustechnik Bad Düben GmbH

"Als Vorsitzender des Berufsbildungsausschusses bei der Handwerkskammer zu Leipzig unterstütze ich die vielfältigen Aktivitäten der Handwerkskammer für Migranten und Geflüchtete. Für die über 12.000 bei der Handwerkskammer zu Leipzig organisierten Handwerksunternehmen beraten und regeln die Ehrenamtlichen im Berufsbildungsausschuss die Durchführung und Organisation des Berufsbildungsgesetzes und der Regelungen der Handwerksordnung für die Lehrlingsausbildung.

Immer wieder befassen wir uns mit der gezielten Berufsorientierung und der Nachwuchsgewinnung im Handwerk. Jedes Jahr können mehrere Hundert Ausbildungsstellen nicht besetzt werden, weil keine Interessenten zur Verfügung stehen. Das Handwerk braucht junge Menschen, und es bietet auch gute und interessante Ausbildungsplätze an. Deshalb begrüßen wir ausdrücklich die Aktivitäten der Handwerkskammer in der auf richtige Integration ausgerichteten Migranten- und Geflüchtetenarbeit. Aus den Projekten wurde vor den Gremien der Handwerkskammer regelmäßig über die Arbeit und auch über die Erfolge berichtet. Dabei wurde auch bewusst, wie schwierig die Beratungs- und Betreuungsarbeit in diesem Bereich ist. Gerade wegen dieser Mühseligkeit von individueller Lebens- und Berufsberatung bewerten wir die Ergebnisse als exzellent. Jeder Migrant, der dauerhaft in eine Erwerbstätigkeit in einem Unternehmen gelangt und dort mit den Mitarbeitern zusammenarbeitet, hat eine überaus hohe Chance auf richtige Integration und ein nachhaltiges legales Leben in Deutschland und Europa. Das hilft nicht nur uns sondern auch den Migranten selbst, ihre Ziele zu erreichen."

Steffen Ihme
Handwerkskammer zu Leipzig

Sandra Weidenberg | Geschäftsführerin POPHAIR

Wie haben Sie das Praktikum empfunden? Das Praktikum war für beide Seiten eine Herausforderung. Wir mussten den Spagat schaffen, die dezemberbedingte starke Auslastung des Salons zu bewältigen und dabei das Praktikum nicht aus den Augen zu verlieren. Es ging für uns ja nicht darum, eine kostenlose Hilfskraft zu haben, sondern das handwerkliche Geschick und die Begeisterung für den Beruf des Friseurs zu testen.

Konnte sich der Praktikant gut einbringen? Aufgrund der relativ kurzen Zeit war es schon teilweise schwierig, bis alle Beteiligten eine gemeinsame Linie fanden, um die Talente und das Potential von Ayham vollständig zu nutzen und in den Salonalltag zu integrieren.

Was empfanden Sie als positiv, was als negativ? Ayham hat durch seine positive Ausstrahlung und Motivation für eine neue Dynamik im Team gesorgt. Er kann sich auch gut auf Kunden einstellen und sie für sich begeistern. Allerdings hat er auch ein sehr ausgeprägtes Selbstbewusstsein. Ayham ist es nicht gewohnt, sich in vorhandene Strukturen einzufügen. Dies stellte uns vor eine große Herausforderung, die wir aber meistern konnten.

Würden Sie das Praktikum für andere Betriebe weiterempfehlen? Und wenn ja, warum? Ja. In diesen Zeiten vom massiven Fachkräftemangel sollte man jede Chance nutzen, die Nadel im Heuhaufen zu finden. Das heißt: Trotz Sprachbarriere und kulturellen Unterschieden ist es wichtig, diese Zeit zu investieren und unvoreingenommen diese Art von Praktikum zu nutzen, um neue Mitarbeiter beziehungsweise Auszubildende zu finden.

Wie empfanden Sie die Vorbereitung auf das Praktikum (durch das Projekt) bezogen auf Wissen und
Fertigkeiten? Wir fanden die Unterstützung durch die Handwerkskammer großartig. Wir wurden im Vorfeld über die Persönlichkeit und die Fähigkeiten unseres Praktikanten aufgeklärt und uns wurde sehr individuell von seinem Wissen berichtet. So konnten wir ihm, auf diesen Grundlagen aufbauend, den Arbeitsalltag in einem Friseursalon vermitteln.

Wollen Sie dem Praktikanten einen Ausbildungsplatz geben? Ja. Ayham hat diese Chance verdient.

 

Friseur, Integration. Bild: Robert Iwanetz
Robert Iwanetz

 
barhdadi-ahmed www.nikado.de

Ahmed Barhdadi

Projektleiter Fachkräfteallianz

Steinweg 3
04451 Borsdorf
Tel. 034291 30-162
Fax 034291 30-25162
barhdadi.a--at--hwk-leipzig.de